Letzthin saß ich wieder wie alle paar Wochen bei meiner Friseuse – Färben, Schneiden, Föhnen. Irgendwie war es ruhiger als sonst im großen Salon. Den Grund erklärte mir die Friseuse traurig. „Wir haben in diesem Jahr keinen Lehrling, zum ersten Mal in den über 30 Jahren seit Bestehen des Salons.“ Nach allen Krisen droht uns nun als weitere die Frisur-Krise.
Was ist der Grund dafür, dass immer weniger Menschen als Friseurin und Friseur arbeiten wollen? Es scheint auch in dieser Branche was dran zu sein am Fachkräftemangel, wie meine Recherchen ergaben, nachdem ich schöngemacht wieder am Arbeitsplatz war.
Die Dramatik des Geschehens auf meinem Kopf
Da entfaltete sich die Dramatik des Geschehens auf meinem Kopf. In den Friseur-News las ich, dass im Jahre 2020 deutschlandweit nur 7704 Ausbildungsverträge im Friseurhandwerk abgeschlossen wurden. 2010 habe das Friseurhandwerk noch 34.742 Auszubildende gehabt. Die Friseur-News rechnen vor: „Das macht ein Rekordminus von 27.038 Ausbildungsverträgen.“
Nachvollziehen kann ich die Frustrationen und ein Desinteresse an diesem Beruf sofort. Habe ich doch viele Stunden in den sechs Jahrzehnten meines bisherigen Daseins beim Friseur verbracht und einiges Negatives gehört.
Es ist ein auch körperlich sehr anstrengender Beruf, stehen Sie mal acht Stunden hintereinander! Die Chemie in Shampoos, Farben und Lotionen greift die Haut an, viele haben nicht zu heilende Allergien. Vor allem die Verdienstmöglichkeiten sind gering, statistisch liegt das durchschnittliche Jahreseinkommen von Friseuren bei 17.700 bis 21.900 Euro. Wie soll man davon die stetig steigenden Mieten bezahlen?
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Wie soll es weitergehen? Auf meinem Kopf und überhaupt? Meine Friseuse hofft noch, dass jemand seine Zukunft bei ihr im Salon entdeckt. Für gute Aus- und Weiterbildung und freundliches, unterstützendes Miteinander sei gesorgt.
Aber es scheint nicht auszureichen. Also muss ich mich auf eine friseurlose Zukunft einstellen. Über den Sinn des Färbens denke ich ohnehin schon länger nach. Ist es nicht realistischer, das Ergrauen zuzugeben? Auch die Haarlänge passe ich der Mangellage an, lasse jetzt wachsen. Da reicht ein Schnitt ein- bis zweimal jährlich aus.
Wie sieht die Zukunft aus? Stylen wir uns die Haare so wuschelig-wirr wie die Neandertaler damals? Schnittintensive Kurzhaarschnitte werden aus der Mode kommen, glattrasierte Glatzen-Herrenköpfe noch beliebter. Werden wie in der Pflege und in der Gastronomie (Fachkräftemangel!) Roboter die Schere in ihre Metallhände nehmen? Sind wir auf dem Weg zum Einheitsschnitt?
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