Fahrraddiebstahl

Lieselottes Rad ist weg und ein Stück Freiheit und Sicherheit

Nur ein Drahtesel? Was der Verlust für Lieselotte K. nach einem Unfall bedeutet.

Florian Thalmann
2 Min
Seit dem Verkehrsunfall ist K. auf Gehhilfen angewiesen, auf dem Rad konnte sie sich besser fortbewegen.

Seit dem Verkehrsunfall ist K. auf Gehhilfen angewiesen, auf dem Rad konnte sie sich besser fortbewegen.

© Gerd Engelsmann

Täglich sind in Berlin Fahrraddiebe unterwegs, ein Drahtesel nach dem anderen verschwindet. 34.418 waren es im vergangenen Jahr, Tendenz steigend. Auch das Rad von Lieselotte K. (Name geändert) fiel Langfingern zum Opfer. Dramatisch: Die 56-Jährige ist darauf angewiesen, weil sie nach einem Unfall schwer laufen kann.

Es geschah an einem Wochenende – wann genau die Diebe zuschlugen, weiß Lieselotte K. nicht. „Am Freitag habe ich mein geliebtes Rad noch gesehen, am Sonnabend war es verschwunden“, erzählt sie dem KURIER. Das Rad der 56-Jährigen ist nur eines von vielen, die sich täglich in Luft auflösen – und dennoch ein wichtiges.

„Ich bin froh, dass ich überlebt habe“

„Ich brauche es dringend, selbst für kurze Strecken“, sagt K. Grund: Vor drei Jahren wurde sie Opfer eines Verkehrsunfalls. Beim Überqueren der Straße an einer Ampel wurde sie von einem Auto erfasst. Sie trug sehr schwere Verletzungen am Kopf, Bein und Arm davon.

„Ich bin froh, dass ich überlebt habe.“ K. kämpfte sich tapfer mit viel Eigeninitiative und Therapien zurück ins Leben. Bis heute leidet sie an den Unfallfolgen. „Meine Psyche reagiert, wenn ich einen Knall oder Bremsgeräusche höre oder Blaulicht sehe.“

Auch emotional trifft der Verlust

Die Angst bleibt – genau wie die Schmerzen. K. braucht heute Gehhilfen, nur mit dem Fahrrad kann sie sich besser fortbewegen. Umso dramatischer trifft sie der Diebstahl. „Das Fahrrad war ideal, ich kam damit gut zurecht.“ Finanziell wäre eine Neuanschaffung schwierig. Mit Hilfe ihrer Tochter fahndet sie deshalb nun im Internet nach dem Rad.

Sie habe nicht viel Hoffnung, dass es wieder auftaucht – aber manchmal geschehen eben kleine Wunder. Auch emotional trifft sie der Verlust. Denn am Rad hing ein quietschender Gummi-Hai, den K. einst für Touren mit ihrer Tochter kaufte. „Das Rad an sich ist wichtig – aber der Hai hat einen ideellen Wert. Ich wünschte, ich bekäme ihn zurück!“

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