Helm - Von Säbeln und Piraten
Der Helm ist schwarz. Er zeigt eine kleine, aber durchaus wehrhafte Figur. Sie trägt einen Säbel und Vollbart. Außerdem ein Kopftuch. Sie ist aber männlich. Es ist ein Pirat. Als mein kleiner Sohn aufs Rad stieg, musste er selbstverständlich umgehend behelmt werden. Irgendein Fahrradhelm hätte mir vollkommen genügt. Jedenfalls, was das Äußere angeht. Farbe, Form, das war mir egal. Als besorgte Mutter ging es mir eher um die Sicherheit. Welcher Helm würde standhalten, wenn das Kind in Schussfahrt die steilsten Abfahrten der Region nehmen würde? Ich fing also an, Testberichte zu lesen. Das Kind hatte allerdings andere Vorstellungen. Der Helm sollte das eigene Image unterstreichen. Der Sohn wollte gefährlich aussehen. Zum Fürchten. Unbedingt. Ohne seinen Piratenhelm stieg er nie aufs Rad. Es hätte auch ein Krokodilkopf sein können, ein Ritterhelm oder das, was Darth Vader trägt. Nie werde ich die angstvollen Mienen der Spaziergänger vergessen, die zur Seite springen mussten, wenn der kleine Pirat auf seinem Laufrad mitten in die dichteste Menschenmenge steuerte. Den Säbel aus Kautschuk auf dem Gepäckträger und einen Kampfschrei auf den Lippen. Julia Haak
Mit Piraten oder Prinzessinnen - Bei Kinderhelmen gibt es viel Auswahl.
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Korb - Blumige Zeiten
Ende der Neunzigerjahre kam ich in den Besitz einer Gazelle, mit Korb auf dem Gepäckträger. Das robuste Holland-Rad Baujahr 1986, das man mir des öfteren abzuschwatzen versucht, ließ mich noch nie im Stich, bewahrte mich dank seines Gewichts und der schwergängigen Langsamkeit vor Stürzen. Seit einer Amsterdam-Reise weiß ich, dass man dort gern Kunstblumen an die Körbe bindet und so blühend durch den grauen Winter radelt. Ich fand das schön. Ein Holland-Rad ohne Blumen sei wie eine Braut ohne Strauß, sagte mal eine Frau zu mir. Ich deckte mich im Nanu-Nana-Laden mit Kunstblumen ein, verdrahtete sie am Korb. Und siehe da, das bringt Farbe in den Alltag, Autofahrer sehen mich besser. Der Anblick rüstet ab: Blumen als Deeskalation im aggressiven Straßenverkehr, zudem Anti-Klau-Strategie, zu auffällig. Die Leute lächeln, wenn sie meinen Korb sehen. Ist nicht der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ein Lächeln? Übrigens habe ich entdeckt, dass eine prominente Frau in Berlin auch mit einem üppigen Blumenkorb herumradelt. Kulturstaatsministerin Monika Grütters fährt eine Gazelle mit künstlichen Van-Gogh-Sonnenblumen. Von welchem Baumarkt sie die wohl hat? Ingeborg Ruthe
Deeskalation im Straßenverkehr - in Amsterdam schmückt man Fahrradkörbe gerne mit Blumen.
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Schutzblech - Schutz mit Klettband
Das Auge fährt mit. Die Eleganz eines Rennrades zeichnet sich auch dadurch aus, dass es auf das Wesentlichste reduziert ist. Kein Geschnörkel wie Gepäckträger und Schutzbleche oder gar (!) Fahrradkörbchen. Rahmen, Räder, Schaltung, Bremsen – sonst nichts. Das ist kein Problem bei diesem herrlichen Wetter, aber wehe, wenn es regnet. Wenige hundert Meter auf nasser Straße reichen für den feuchten, dreckigen Rallye-Streifen, der sich über Rücken und Hintern zieht. Dauerhaft montierte Schutzbleche widersprechen aber dem Wesen des Rennrades, alles Überflüssige wegzulassen. Mobile Regenschützer aus Plastik verlangen meist einen Halter, der dauerhaft am Rad montiert werden muss. Man muss sich also morgens entscheiden, montiere ich sie ans Rad, oder hoffe ich, dass es nicht regnet. Meine favorisierte Lösung seit kurzem: Musguard, ein kleines slowenisches Start-up. Der Schutz wird mit einem Klettband am Rahmen befestigt. Es kann also komplett entfernt werden. Der Clou ist, er lässt sich aufrollen. Entweder steckt man ihn ein oder wickelt ihn um den Rahmen. Und montiert, sieht er auch noch gut aus. Zur Not auch bei Sonnenschein. Tobias Miller
Handschuhe - Gelbgrün zum Schreien
Ich bin doch nicht empfindlich. Dachte ich. Das bisschen kalte Hände ist doch kein Problem, zumal es in Berlin ja sowieso nicht mehr wirklich kalt wird. Wozu also Handschuhe? Ich bin ja schließlich keine Memme, dachte ich. Bis ich Anfang letzten Winters Fahrradhandschuhe geschenkt bekam: Die sind neon-gelbgrün und unglaublich hässlich, dafür aber unbedingt nützlich, wie sich herausgestellt hat. Die Dinger haben ein schwarzes Gummiprofil auf der Innenseite, was für einen coolen festen Griff am Lenker sorgt. Die Außenseite aus Kunststoff ist wasserabweisend. Außerdem gibt das schreiende Gelbgrün in der Dämmerung und bei Dunkelheit ein gutes Gefühl der Sichtbarkeit, gerade beim Abbiegen, wo es bekanntlich viele Unfälle gibt. Meine Handschuhe sind wenigstens ein kleiner Beitrag zur persönlichen Sicherheit. Zumal ich das Experiment mit den gelben Warnwesten neulich beendet habe. Dabei ging es nicht etwa um Verwechslungsgefahr, Frankreich mit seinen Pegida-artigen Protesten ist weit genug weg, finde ich. Die Weste war mir einfach zu unpraktisch. Inzwischen will ich aber nicht mehr auf meine Handschuhe verzichten, obwohl der Winter endlich vorbei ist. Und übrigens: Warm halten sie auch im Sommer. Elmar Schütze
Klingel - Faustdick mit sattem Sound
Eigentlich weiche ich eher aus, statt mir mit Radau den Weg freizubimmeln. Aber meine Klingel ist groß und laut und überhaupt das Auffälligste an meinem Fahrrad. Dessen Gesamterscheinung wird betont minderwertig gehalten, rostige Stellen am Rahmen, abgebrochenes Schutzblech, Lenker in Grusel-Lila, viel Dreck. All diese Signale teilen Diebstahlinteressierten mit: Vorsicht, Klappermühle nahe am Zusammenbrechen, schlecht weiterzuverticken. Über die inneren Werte will ich schweigen. Aber die Klingel! Sie ist faustdick, schwarz mit weißen, trendigen Polka-Dots. Das Modell gab es auch als Marienkäfer, rot mit schwarzen Punkten, kam mir aber kindisch vor. Vor allem hat sie einen tollen Sound: Weder schrill noch scharf, sondern rund und voll, satt aus dem voluminösen Resonanzkörper dringend. Kein irres Aufkreischen, sondern ein freundlicher, zugleich kraftvoll-energischer Anruf: Leute, hier ist Fahrradweg. Meiner. Wenn ich auf dem Fußgängerweg unterwegs bin, benutze ich die Klingel nie. Obwohl ich oft versucht bin, Leute aufzuwecken, die mit gebeugtem Nacken und starrem Blick aufs Smartphone gucken, blind für alles andere dahinschlafwandeln. Lärm muss ein, manchmal. Maritta Tkalec
Lenkt vom rostigen Fahrrad ab: Eine schrille Klingel.
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Sattelbezug - Man gönnt sich ja sonst nichts
Da hinten, das Fahrrad mit dem Eulenbezug auf dem Sattel – das ist meins. Wobei die sofortige Ortbarkeit unter Beibehaltung sonstiger optischer Diskretion nur ein angenehmer Nebeneffekt ist. Auch dass ich mich immer schon zuhause fühle, wenn ich das jeweils aktuelle Muster meines Stattelbezugs erspähe, das, weil ich die Bezüge selbst nähe, immer auch anderswo in meinem Haushalt vorkommt, ist bloß ein Kollateralvorteil. Das Selbernähen ist übrigens nicht schwer. Mein Schnittmuster ist ein aufgetrennter Uralt-Bezug, aber es gibt auch Vorlagen. Geschwungenes Dreieck, außenrum ein Streifen, den umnähen, Gummizug rein, fertig. Je fester der Stoff ist, desto fummeliger ist es allerdings, mit Anstand um die schmale Stelle herumzunähen, das Kinn gewissermaßen. Aber glücklicherweise halten die Bezüge eine Weile. Ich nehme beschichtete Baumwolle mit Tiermustern. Erst Füchse, dann Schmetterlinge, jetzt die Eulen – man gönnt sich ja sonst nichts. Aber der wichtigste Grund, den Sattel zu beziehen, ist natürlich, trocken anzukommen. Jeder, dessen Sitz mal eine Fahrt lang durch einen winzigen Riss Restregenwasser abgegeben hat, weiß, was ich meine. Aber das versteht sich ja eigentlich von selbst. Petra Kohse
Hält trocken und sieht gut aus - Ein bunter Sattelbezug für das Fahrrad.
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Mantel - Ganz blau in Mode
Hackenschuhe gehören dazu. Aber wie dämlich sieht das aus, wenn man mit Hackenschuhen zu sportlicher Regenjacke Fahrrad fährt? Man ist ja schließlich eitel, erst recht jetzt, wo die Zeit der Röcke und Kleider wieder anbricht. Offenbar sind die meisten Fahrrad-Klamotten-Designer Männer, die meinen, wer Rad fährt, muss nicht schick aussehen. Aber es gibt sie, trendige Mäntel, die vor Kälte schützen, die winddicht sind, atmungsaktiv und absolut wasserdicht. Zwei Frauen in Amsterdam, leidenschaftliche Radlerinnen, haben sie unter dem Logo Happy Rainy Days kreiert, weil sie selbst lange vergeblich nach stylishen Regenjacken suchten. Man kann die Trenchcoats in Knallrot, in Sonnengelb oder Azurblau kaufen, mit Blümchen und Streifen oder ganz dezent. Mein Mantel ist dunkelblau und schon viele Jahre alt. Ohne ihn gehe ich nicht aus dem Haus. Im Winter passt locker eine Daunenjacke drunter. Im Sommer, wenn es warm wird, lässt er sich ganz einfach in der Seitentasche verstauen. Er knittert nicht mal. Und Hackenschuhe passen bestens dazu. Sabine Deckwerth
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