Wer sein Geld in Investmentfonds anlegt, dem kann es passieren, dass das Gesparte in Branchen wie die Atom- und Rüstungsindustrie fließt oder in Unternehmen investiert wird, die Kinderarbeit billigen. Denn Finanzprodukte sind nicht immer nachhaltig nach ethischen, sozialen oder ökologischen Kriterien. Das betrifft nicht nur Fondsanleihen, sondern ebenso Sparverträge oder das Girokonto bei der Hausbank.
Um auszuschließen, dass das Gesparte in unökologische oder unethische Branchen gesteckt wird, kann man explizit auf nachhaltige Finanzprodukte setzen.
Doch gibt es hierbei eine Schwierigkeit: Es gibt keine gesetzlich festgelegten Vorgaben, was als ethisches, ökologisches oder soziales Finanzprodukt gelten darf. Wie erkennt ein Verbraucher also die Produkte? Wie ist die Rendite-Erwartung bei nachhaltigen Anlagen? Wir klären die wichtigsten Fragen.
Die Verbraucherzentrale Bremen davor, der Werbung uneingeschränkt zu vertrauen
In allen Bereichen gibt es Alternativen: Erst einmal so viel: Es gibt für jede Anlageform nachhaltige Produkte, egal, ob Sparanlagen, Riester, Aktien- oder Rentenfonds, ökologische Lebensversicherungen oder Fondssparpläne und Anleihen, die sozialethische Investments durchführen.
Banken, die ethisch oder ökologisch nachhaltig wirtschaften, werden zwar sicherlich damit werben, da dies gemeinhin als positiv angesehen wird. Allerdings warnt die Verbraucherzentrale Bremen davor, der Werbung uneingeschränkt zu vertrauen. Denn nachhaltig ist eben nicht gleich nachhaltig.
Wer damit wirbt, ethischen Kriterien zu folgen, muss noch lange keine ökologischen Standards beachten. „Ein Anlageprodukt kann auch ökonomisch nachhaltig sein. Das ist dann sicherlich auch positiv für den Verbraucher, bedeutet aber nicht, dass die Produkte auch unter den Kriterien ,ethisch‘ oder ,ökologisch‘ nachhaltig sein müssen“, sagt Monika Pietsch-Hadré von der Verbraucherzentrale Bremen.
Eine Nachhaltigkeitsstrategie ist der „Best-In-Class-Ansatz“
Deswegen sollten sich Anleger zuallererst überlegen, wie sie ihren persönlichen Nachhaltigkeitsbegriff definieren. Darüber hinaus gibt es verschiedene Nachhaltigkeitsstrategien. Nach dem „Ausschlussansatz“ etwa agieren Banken, die unethische Branchen wie etwa Atomkraft, Pornografie oder Rüstung ausschließen.
„Besonders schwer ist die Berücksichtigung bestimmter Ausschlusskriterien, wenn diese auf allen Ebenen Anwendung finden sollen“, sagt Frank Wieser, Geschäftsführer des PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf. „Etwa nicht nur für die einzelnen Aktien, sondern zusätzlich für deren Zulieferer. Die einzelnen Aktien kann man relativ schnell auf bestimmte Kriterien hin prüfen, die Zulieferer dieses Unternehmens sind kaum prüfbar“, so der Vermögensverwalter.
Eine weitere Nachhaltigkeitsstrategie ist der „Best-In-Class-Ansatz“. Dieser bedeutet aber nur, dass die Investments jeweils in das nachhaltigste Unternehmen der Branche gesteckt wird. Es kann also theoretisch trotzdem ein Chemiekonzern sein, der mit seiner Produktion der Umwelt schadet, nur eben am wenigsten von allen aus seiner Branche.
Die GLS Bank kommt in Tests am besten weg
Direkte Investitionen, etwa in Bildungsprojekte und erneuerbaren Energien tätigen kirchliche und alternative Banken. Diese Institute bieten auch Tagesgeld- oder Girokonten zu vergleichbaren Konditionen wie andere Banken an.
Es gibt einige Initiativen, die die Transparenz und Nachhaltigkeit von Finanzprodukten verbessern wollen. Auf der Website fairfinanceguide.de lässt sich zumindest für zehn große deutsche Banken prüfen, wie fair diese anlegen.
Nischenmarkt
Nach einer Studie des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG) vom Juni finden nachhaltige Investments in Deutschland immer stärkere Verbreitung. So gab es in dem Bereich im vergangenen Jahr einen Anstieg von 15 Prozent auf knapp 157 Milliarden Euro. Laut dem FNG habe insbesondere der Dialog mit Unternehmen zu Nachhaltigkeitsfragen zugenommen.
Der nachhaltige Anlagemarkt hat damit in Deutschland seit 2008 in jedem Jahr stärker zugelegt als der konventionelle Markt. Auch wenn er mit rund 2,8 Prozent im Vergleich zum Gesamtmarkt noch verschwindend gering ist.
In Österreich und der Schweiz liegt der Marktanteil mit 7,6 Prozent und 7 Prozent deutlich höher.
Etwa die Hälfte der Unternehmen, die sich als nachhaltig definieren, handeln nach dem „Ausschlussansatz“. Dieser Ansatz schließt systematisch bestimmte Investments wie Unternehmen, Branchen oder Länder aus, wenn diese gegen spezifische Kriterien verstoßen. Häufigstes Ausschlusskriterium war hier 2016, wie auch in den Vorjahren die Produktion und der Handel von Waffen. Menschenrechtsverletzungen und Arbeitsrechtsverletzungen folgten auf Platz zwei und drei.
Die GLS Bank, die das Geld der Sparer in Form von Krediten an ökologische und soziale Projekte gibt, kommt hierbei am besten weg. Hingegen rangieren die Landesbank Baden-Württemberg und die Postbank bei dieser Bewertung auf dem letzten Platz. Die Bewertungen, die die Macher vornehmen, ergeben sich aus den Richtlinien der Banken, die in öffentlichen Dokumenten dargestellt sind.
Viele fordern einen Mindeststandard für nachhaltige Finanzprodukte
Des Weiteren existieren unterschiedliche Labels und Siegel, etwa das des Forums Nachhaltige Geldanlage. Für die Vergabe gibt es Mindestanforderungen sowie Nachhaltigkeitskriterien in den Bereichen Menschen- und Arbeitsrechte, Umweltschutz sowie zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung.
Doch solche Siegel seien zum einen nicht verbindlich, zum anderen auch nicht sehr verbreitet. „Es wäre vielmehr wünschenswert, wenn es einen allgemeinen Mindeststandard für nachhaltige Finanzprodukte gäbe, an dem sich Verbraucher orientieren können“, sagt Pietsch-Hadré.
Die Verbraucherzentrale selbst hat Finanzinstitute ebenso nach bestimmten Kriterien geprüft, die Ergebnisse können unter verbraucherzentrale-bremen.de eingesehen werden.
Es zeigen sich positive Korrelation zwischen Nachhaltigkeitskriterien und Finanzergebnissen
Ob es sich rentiert: Wie auch bei herkömmlichen Geldanlage kommt es bei der Rendite letztlich auf das Ausbalancieren von Sicherheit, Streuung und Risiko an. „Man kann auch mit sauberen Branchen und Technologien Geld verdienen, zu marktüblichen Renditen.
Und da gelten die gleichen Regeln: Es gibt gut laufende und schlecht laufende Produkte, die Sicherheit erhöht sich, wenn man seine Geldanlagen breit streut.“
Fragt man Vermögensverwalter aus der Praxis, erhält man dazu unterschiedliche Antworten: Andreas Görler, Vermögensverwalter bei Pruschke & Kalm, sagt, dass verantwortungsvoll agierende Unternehmen finanziell erfolgreicher seien und beruft sich dabei auf eine Studie. „Die Ergebnisse zeigten eine positive Korrelation zwischen Nachhaltigkeitskriterien und Finanzergebnissen.“
Der Anleger braucht einen langen Atem
Vermögensmanager Wieser äußert sich zurückhaltender: „Auf lange Sicht sollten nachhaltige Anlagen mindestens die Rendite einspielen, die auch mit herkömmlichen Anlagen erzielt wird.
Allerdings kann es zwischenzeitlich echte Renditelücken geben, denn Nachhaltigkeit kostet die Unternehmen erst einmal Umsatz und Gewinn und wirkt sich erst später aus. Der Anleger sollte sich also vorher darüber im Klaren sein, dass er einen langen Atem benötigt.“
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