Haben Sie gewusst, an welchem Fenster des Kanzleramtes Gerhard Schröder immer steht und genüsslich eine Zigarre raucht? Wahrscheinlich nicht. Sicherlich war Ihnen auch nicht klar, dass es in Berlin keine Porno-Kinos gibt, weil Menschen, die gern andere Menschen nackt und in eindeutiger Pose beobachten möchten, in den Großen Tiergarten gehen. Völlig neu ist bestimmt noch diese Tatsache: Walter Ulbricht hat das Stadtschloss sprengen lassen, weil er darin nicht wohnen wollte. Er wollte lieber in ein schickes neues Haus einziehen mit Tanzsaal und Kellerdisko. Dann hat er dorthin - schlauer Mann - regelmäßig das Volk zu Partys eingeladen. Und die waren so gut, dass der Berliner Ossi im Allgemeinen das Haus nun nicht mehr hergeben möchte. Schon gar nicht für ein neues Stadtschloss im Stil der steifen Preußen.Sie glauben das alles nicht? Wohl lange nicht mehr im Regionalexpress gefahren. Das ist in diesen Urlaubszeiten ein Erlebnis ganz eigener Art - ein wenig skurril vielleicht, aber spannend. Der aufregende Teil der Reise beginnt an der Stadtgrenze, in Spandau zum Beispiel. Die Türen gehen auf und herein steigen Menschen aus Bad Soden-Allendorf. "Hier sind wir Helmut, hier drüben ist noch Platz." Dann ist der Waggon voll. Lesen ist zwecklos. Die Neuen übernehmen das Reiseprogramm. Bald steht der Leitwolf am Zugfenster und beschreibt die vorüberziehende Stadtlandschaft. Der Lehrter Bahnhof, heißt es nun, über den streiten die Berliner immer. "Ich glaub, die wollen den wieder abreißen." "Aber der ist doch ganz schön." Köpfeschütteln. "Ist das hier Kreuzberg?" "Nee, es brennen ja keine Autos." Und so langsam beschleicht einen das Gefühl, dass wir Berliner uns vielleicht doch zu viel mit uns selbst beschäftigen. Da draußen in der weiten Welt, ist unser Ruf jedenfalls mehr als zweifelhaft.
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