Florida

Versuchte Russland, einen Doppelagenten in den USA zu töten?

Die New York Times berichtet von einem gescheiterten Mordkomplott in Florida. Der Fall sei eine „unverschämte Ausweitung“ von Putins Rache an ehemaligen Agenten.

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Nach den Fällen von Alexander Litwinenko und Sergei Skripal in Großbritannien habe Wladimir Putin ein Ziel auf amerikanischem Boden ins Visier genommen, so die New York Times.

Nach den Fällen von Alexander Litwinenko und Sergei Skripal in Großbritannien habe Wladimir Putin ein Ziel auf amerikanischem Boden ins Visier genommen, so die New York Times.

© Mikhail Klimentyev/imago

Im Fall Litwinenko war es gelungen, im Fall Skripal nicht – die Suche des russischen Präsidenten Wladimir Putin nach Rache an ehemaligen russischen Geheimdienstagenten, die zu westlichen Informanten wurden. Nun heißt es in einem Bericht der New York Times, Agenten eines russischen Nachfolgers des KGB hätten 2020 versucht, auch einen in den USA ansässigen ehemaligen Agenten zu töten. Damit habe der ehemalige KGB-Agent Putin neue Grenzen überschritten in seiner „Verachtung“ derjenigen, die Staatsgeheimnisse an den Westen verraten. Das Medium verweist auf ein neues Buch eines amerikanischen Sicherheitsexperten sowie auf Quellen aus den Reihen des amerikanischen Geheimdienstes CIA.

Ziel der Operation war mutmaßlich der frühere Doppelagent Aleksandr Poteyev. Obwohl das Attentat auf ihn scheiterte, hatte der Fall schwerwiegende Folgen. Es gab Vergeltungsschläge und Sanktionen; jeweils zehn russische und amerikanische Diplomaten wurden ausgewiesen, darunter Stationsleiter von CIA und SWR, des russischen Auslandsgeheimdiensts, in Moskau beziehungsweise Washington.

Der Fall stelle eine „unverschämte Ausweitung von Putins Kampagne der gezielten Attentate“ dar, so die Autoren des Berichts, sowie einen „gefährlichen Tiefpunkt“ in den Beziehungen zwischen den amerikanischen und russischen Geheimdiensten. Das Attentat im englischen Salisbury 2018 auf Sergei Skripal, einen ehemaligen Agenten des russischen Militärnachrichtendienstes GRU, hätte bei Sicherheitsbeamten in den USA die Angst ausgelöst, ein ähnlicher Vorfall könne auf amerikanischem Boden folgen. Diese Sorgen seien berechtigt gewesen, heißt es in dem Bericht. Skripal und seine Tochter starben beinahe an der Wirkung des Nervengifts Nowitschok.

Neues Buch schildert Details des Attentatsversuchs

Mehr zum Attentat wird geschildert in der britischen Ausgabe des Buchs „Spies: The Epic Intelligence War Between East and West“ des Sicherheitsexperten Calder Walton. Das Werk erscheint am 29. Juni. Die Behauptungen in seinem Buch zum Attentat und dessen Folgen habe die New York Times unabhängig verifizieren können, heißt es in dem Bericht. Dazu gehören Details des ausgeklügelten Plans, mit dem die russischen Behörden offenbar versuchten, an Poteyev heranzukommen.

Russische Beamte sollen den mexikanischen Wissenschaftler Hector Alejandro Cabrera Fuentes, der als Mikrobiologe an der Universität Gießen promovierte, erpresst haben, indem seiner russischen Frau und ihren zwei Töchtern 2019 die Ausreise aus Russland nach Deutschland verweigert wurde, heißt es in Gerichtsdokumenten. Bei einem Besuch bei seiner in Moskau gestrandeten Familie sollen Beamte Fuentes überzeugt haben, ein Grundstück in der Nähe von Poteyevs Haus in Florida „zu sichern“, um den Standort und Kennzeichen von dessen Auto festzustellen.

Doch Fuentes verpfuschte offenbar den Plan und wurde in den USA festgenommen – wobei er seine Anleitungen aus Moskau verriet. Fuentes soll nicht bewusst gewesen sein, welche hohe Bedeutung Poteyev als Ziel in dem Komplott hatte, in das er verwickelt worden war. Er wurde trotzdem in den USA zu vier Jahren Haft verurteilt.

Aleksandr Poteyev: Der Doppelagent, der elf russische Spione verpfiff

Aleksandr Poteyev war einst ein hochrangiger Beamter der SWR, wurde aber ab 1999 zu einem Doppelagenten und Informanten für die amerikanische CIA. Dabei soll er Informationen verraten haben, die 2010 zur Festnahme von elf russischen Spionen der SWR führten, die im Verborgenen an der Ostküste der USA gelebt hatten. Dafür verurteilte ihn 2011 ein Moskauer Gericht zu einer Haftstrafe von 25 Jahren; zu dem Zeitpunkt hatte sich Poteyev allerdings bereits in Florida niedergelassen im Rahmen eines CIA-Programms, das ehemalige Spione schützen soll.

Bereits vor 2020 sollen russische Geheimdienstagenten in die USA geschickt worden sein, um Poteyev zu finden, heißt es im Bericht der New York Times. 2016 berichteten russische Medien irrtümlich von seinem Tod – obwohl er in dem Jahr in der Stadt Miami im Bundesstaat Florida einen Angelschein erwarb und sich als Wähler für die amerikanischen Republikaner registrieren ließ. Das habe er alles unter seinem richtigen Namen getan, schreibt die New York Times mit Verweis auf „staatliche Unterlagen“.

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