Es gibt im Moment das Gefühl, dass die Welt ein bisschen feststeckt. Wie ein Karren, der mit einem Rad im Graben hängt und nicht vorankommt – festgehakt zwischen der Macht der globalen Märkte und der Furcht vor dem Klimawandel, zwischen den Chancen der digitalen Revolution und der Sorge vor dem Überwachungsstaat. Wer bringt Bewegung? Benjamin Barber hat einen ungewöhnlichen Vorschlag.
Der US-Politologe wünscht sich eine Welt, in der nicht mehr Präsidenten und Nationalstaaten regieren, sondern Städte und ihre Bürgermeister. Ein Welt-Parlament, an dessen Tisch nicht die Vertreter von China, Brasilien oder den USA sitzen, sondern die Oberhäupter von Peking, Rio de Janeiro oder New York. Der US-Politologe war einer von 20 Rednern bei der Berliner Falling-Walls-Konferenz an diesem Wochenende – einer Art Science-Slam für Spitzenforscher, bei der sie die ihre Ideen für eine bessere Zukunft präsentieren.
Bürgermeister pragmatischer als Präsidenten
„Bürgermeister sind keine Ideologen“, sagt Barber. „Sie sind pragmatischer und zupackender als Präsidenten oder Premierminister.“ In der Stadt hätten sie gar keine andere Wahl, als zu handeln. Der Müll muss von der Straße, die U-Bahn muss rollen, die Kinder zur Schule gehen.
Nationalstaaten seien dagegen ein Modell, das einmal eine Zeit lang nützlich war, mit dem sich die globalen Probleme von heute aber nicht mehr lösen lassen. Klimawandel, Terrorismus, Epidemien, Internet, Finanzkrise. Das überschreitet Grenzen, das ist weltumspannend. „Nationalstaaten arbeiten gegeneinander statt gemeinsam Probleme zu lösen“, sagt Barber. Städte kooperieren dagegen schon jetzt in weltweiten Partnerschaften, tauschen sich aus, helfen sich. Städte seien nicht nur die Wiege der Demokratie, sondern der Ort, wo sie tatsächlich stattfindet – am Place de la Bastille, auf dem Tahrir oder dem Taksim-Platz. Erst kam die Stadt, dann irgendwann der Staat.
Nun also: Wowereit als Weltretter ? Meint Barber das wirklich?, haben sich einige Zuhörer im Stillen gefragt. Doch mitten in Berlin, erwähnt der Redner den Bürgermeister der Stadt, in der er spricht, nicht mit einem Wort. „Lassen Sie uns nicht länger über Angela Merkel oder Barack Obama reden, sondern über Olaf Scholz, den Bürgermeister von Hamburg“, schlägt er vor.
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