FC Union: Kreilach vor Startelf-Debüt

Mit 426 PS und 1463 Ballkontakten

Beim Spiel in Düsseldorf gibt Damir Kreilach am Freitag voraussichtlich sein Startelf-Debüt bei Union. Es soll der Auftakt zu einer starken Rückrunde sein, in der sich der Kroate für die Weltmeisterschaft in Brasilien bewerben möchte.

Max Bosse
5 Min
Zieht Bälle magnetisch an: Der Unioner Damir Kreilach.

Zieht Bälle magnetisch an: Der Unioner Damir Kreilach.

© imago/Ulmer Lizenz

Mit neuer Kraft ist der 1. FC Union nach Düsseldorf gereist. 426 PS stark ist der Mannschaftstransporter, der vor der Partie beim Bundesligaabsteiger (18.30 Uhr) erstmals zum Einsatz kommt. Um zu verdeutlichen, welche Power im Inneren schlummert, haben die Grafiker den Bus in Motorendesign lackiert. Wichtiger als der symbolisch aufgemalte Turbo ist jedoch die Tatsache, dass mit dem Bus Damir Kreilach seiner Rückkehr in die Startelf entgegenfährt. Beim enttäuschenden Remis gegen Dresden fehlte er wegen einer Gelb-Sperre.

Kreilach ließ sich von der Zwangspause nicht in seinem Trainingseifer bremsen. „Das ist normal“, sagt er. Die Reaktion seines Trainers zeigt jedoch, dass diese Selbstverständlichkeit nicht ganz normal ist. „Sehr eindrucksvoll“, nennt Uwe Neuhaus die Einstellung seines Mittelfeldspielers. Der Coach hat einst als Spieler selbst erlebt, wie schwer es ist, ins Wintertraining zu investieren, obwohl der Einsatz im nächsten Spiel nach Wochen der Arbeit ausgeschlossen ist. Wenn es unglücklich läuft, behauptet sich ein anderer auf der Position. So wie vor einem Jahr, als Björn Kopplin nach der Winterpause den Job vom gesperrten Marc Pfertzel übernahm.

An Kreilachs sofortiger Rückkehr lässt Neuhaus dagegen keinen Zweifel. „Die Bereitschaft an den Tag zu legen, noch mal mehr zu machen und den einen oder anderen mitzunehmen, auf eine Reise voller Arbeit“, lobt er den Kroaten, „das ist eine Mentalität, die ihn auszeichnet.“ Künftig nicht mehr zum Team gehören wird Christian Stuff. Der 31-Jährige verlässt Union nach acht Jahren. Der im Sommer auslaufende Vertrag wird nicht verlängert. Der Abwehrspieler rangiert mit 236 Pflichtspielen nach Jan Glinker (247) und Torsten Mattuschka (281) auf Rang drei der Liste mit den meisten Einsätzen für Union.

Für Kreilach spricht nicht nur der Fleiß, entscheidend sind die Früchte der Trainingsanstrengung, die sich auf dem Platz ernten lassen. Neuhaus hat sich geärgert, dass Union am zurückliegenden Spieltag gegen Dresden Punkte liegen ließ. „Wir müssen uns deutlich steigern“, fordert er. Die Künste eines Einzelnen werden nicht ausreichen, die ganze Mannschaft ist gefragt. Und genau hier liegt die Stärke des Mittelfeldspielers. Kreilach hat mehrfach bewiesen, dass die Einheit Union mit ihm besser funktioniert.

Was dem Teambus die PS, sind Kreilach die Ballkontakte. Mit 1463 Ballbesitzen war er die meistbespielte Schaltzentrale im Union-Gefüge, mehr als die Hälfte seiner knapp 400 Zweikämpfe hat der Kroate für sich entschieden. Zudem bedient kein Unioner seine Mitspieler häufiger und kaum einer läuft mehr als Kreilach.

Bei Aufstieg lockt die WM

Er ist das zuverlässige Getriebe von der Art, wie es auf dem neuen Mannschaftsgefährt abgebildet ist. Auf dem Heck des Busses sind zwei Ventilatoren gemalt. „STADAF-Turbo 12555“ steht daneben. Es ist ein heimeliges Rätsel in bewährter Vereins-Tradition. Die großen Lettern stehen für das Stadion an der Alten Försterei, die Ziffern für die Postleitzahl von Köpenick. Die Macht der Heimat soll in der Fremde mit Kreilach sein.

Allerdings hat zuletzt in Stockholm die dunkle Seite dieser Macht um sich gegriffen, und so hatten sich am Dienstag diejenigen zusammengesetzt, die ihre Mannschaft von den Tribünen aus antreiben. Beim Treffen der 42 Fanklubs sowie acht weiterer Gruppierungen der organisierten Fanszene ging es darum, sich kennenzulernen und auszutauschen. Denn Union zieht größere Kreise und so steigt die Gefahr, dass der Verein durch Krawallmacher aus der Anhängerschaft wirtschaftlich und sportlich schmerzhaften Schaden nimmt. Das Mittel gegen die Bedrohung sucht Union im Inneren.

Um Damir Kreilach zu finden, hatte sich der Verein allerdings weit aus Wohnzimmer und Vorgarten mit der Postleitzahl 12555 herausgewagt. 800 Kilometer Luftlinie sind es bis zur Adriaküste, wo der kroatische Jugendnationalspieler als gefeierter Kapitän den HNK Rijeka führte. Der Transfer belegte die größer werdenden Union-Kreise und war äußerst sorgfältig vorbereitet worden. Schließlich war es trotz der spielerischen Qualitäten ein Risiko, einem 24-Jährigen, der kein Deutsch spricht, den wichtigen Schalthebel in die Hand zu geben, der das Ineinandergreifen von Abwehr und Angriff regelt.

Die sprachlichen Bedenken wischte Kreilach jedoch mit Elan weg. Er wohnt nahe dem Goethe-Institut, um die trainingsfreien Stunden möglichst flexibel für Deutschunterricht zu nutzen. Das „frohe neue Jahr“, das er im Januar jedem gewünscht hat, fiel ihm bereits so leicht, wie ein unbedrängter Rückpass zum Torwart. Dass ihm das Jahr bislang nicht die erhoffte WM-Nominierung eingebracht hat, nimmt er frohen Mutes. „Ich muss mich auf Union konzentrieren“, sagt er. Der Plan könnte aufgehen, bei einem Aufstieg könnten die Chancen steigen. Nationaltrainer Niko Kovac hat angedeutet, dass er keine Zweitligaspieler haben wolle.

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