Wenn in der Anna-Lindh-Schule in der Guineastraße Feuer ausbricht und das Treppenhaus in Brand gerät, müssen die Mädchen und Jungen am Fenster warten. Solange bis die Feuerwehr kommt und sie von draußen rettet. Einen zweiten Fluchtweg gibt es nicht.
Bricht in der Anna-Lindh-Schule Feuer im Treppenhaus aus, haben die Kinder keine Chance.
© camcop media / Andreas Klug
Dass diese Lösung, die das Bezirksamt offiziell rausgegeben haben soll, lebensgefährlich klingt, versteht selbst Helen mit ihren sieben Jahren. „Wenn es brennt, müssen wir da oben warten“, sagt sie zu ihrer Mutter Anke E.
Die Fluchttreppe kommt bis zum 20. August
Die Mutter ist in der Elternvertretung der Anna-Lindh-Schule aktiv und macht sich mit der Schulleitung für eine Fluchttreppe an der Außenwand stark. Briefe an das Bezirksamt halfen nichts. Das Amt berief sich auf den Bestandsschutz des denkmalgeschützten Gebäudes. Außerdem stehe eine Sanierung für zehn Millionen Euro bevor.
Die Familie schaltete einen Anwalt ein. Und weil es für solche Klagen einen Betroffenen braucht, klagte offiziell Helen (vertreten durch ihre Eltern) gegen das Land Berlin (vertreten durch den Bezirk Mitte).
Ende 2017 einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich. Mit Konsequenzen: Der Bezirk wird den Flur des zweiten Stocks in den nächsten Wochen sperren. Die Fluchttreppe kommt bis zum 20. August. „Es ist wohl einmalig, dass jemand gegenüber dem Staat sein Recht auf Leib und Leben einklagt. Der Staat muss doch seine Kinder schützen“, regt sich die Mutter auf. Und ergänzt: „Ich bin erst zufrieden, wenn die Fluchttreppe da ist.“
Anke E. hätte lieber das Geld und die Kraft in die Schule investiert als in die Verhandlung. „Wir wollen uns nicht profilieren, wir machen uns einfach Sorgen um die Schule“, sagt sie. Denn immer mehr Kinder kommen an die Brennpunkt-Grundschule, die mit 900 Jungen und Mädchen schon aus allen Nähten platzt.
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