Ausgerechnet Berlin! Ausgerechnet die Hauptstadt! Und ausgerechnet das Bundesland, das bis vor Kurzem von einem bekennenden Schwulen regiert wurde, wird im Bundesrat nicht für die sogenannte Ehe für alle stimmen. Sollte es Klaus Wowereit gelegentlich bereut haben, sein Amt nicht mehr innezuhaben, dass er an diesem Tag die Stadt vor den Augen Deutschlands und der Welt nicht repräsentieren muss, wird ihn erleichtern.
Brigitte Fehrle ist Chefredakteurin der Berliner Zeitung und lebt seit 35 Jahren in Berlin. Sie kam 1990 erstmals zur Berliner Zeitung, liebt die Komische Oper und die Schaubühne. Joggt und fährt Fahrrad. Sagt: Berlin ist meine Stadt. Vermisst aber immer noch die knackigen Brezeln ihrer schwäbischen Heimat. Auf berliner-zeitung.de kommentiert sie Themen, die Berlin bewegen.
Nirgendwo ist schwul oder lesbisch sein selbstverständlicher
Welche Blamage für eine Stadt, die doch sonst keine Grenzen kennt, wenn es darum geht, sich selbst zu loben. Weltoffen, liberal, hip, tolerant. Alle zukunftsgewandten Superlative reklamiert Berlin für sich. Und das Gute ist: Sie stimmen. Nirgendwo in Deutschland ist es selbstverständlicher, schwul oder lesbisch zu sein, als in Berlin. Nirgendwo prägen auch Schwule und Lesben selbstverständlicher die öffentlichen Räume als in Berlin.
Peinlich und blamabel
Nur eine kleine Exklave macht eine Ausnahme: die Berliner CDU. Dem Landesverband der Konservativen ist die Disziplin gegenüber der Bundespartei offenbar wichtiger als der Ruf der Stadt. Das ist peinlich und blamabel. Es ist aber auch scheinheilig. Denn wenn es gilt, vom Glamour der Schwulenszene – zum Beispiel bei der Aidsgala im Tipi – etwas abzubekommen, ist wer gern dabei? Die Berliner CDU. Geht es aber wie jetzt darum, mutige Fakten für das Alltagsleben zu schaffen, drückt sich wer? Die Berliner CDU.
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