Schon am Vormittag reichte die Warteschlange um die Ecke bis zum Reichstagsufer: Denn mehr als 500 Besucher durften am Sonntag nicht gleichzeitig ins ARD-Hauptstadtstudio, und so mussten sich die Wartenden beim Tag der offenen Tür gedulden. Nur wenn Besucher herauskamen, wurden neue eingelassen. Bis zum Abend wurden 4 000 Besucher gezählt. Wer einmal in dem Gebäude an der Wilhelmstraße war, hatte es in der Regel nicht eilig, wieder hinaus zu kommen. Denn das Angebot war groß. Im Erdgeschoss konnten Kinder ihren eigenen Trickfilm drehen. Mitarbeiter der Kika-Sendung Trickboxx zeigten ihnen, wie man mit buntem Papier und ein paar ausgeschnittenen Figuren eine Unterwasserwelt bastelt. In der ersten Etage hatten die Landesrundfunkanstalten ihre Stände, verteilten Kugelschreiber, Schlüsselanhänger und Infoblätter. Hier stand auch das Tagesschau-Team, allen voran Nachrichtensprecher Jo Brauner. Er war umlagert von Besuchern, schrieb fleißig Autogramme und erzählte, dass er mal Lehrer werden wollte. Aber die Zulassungsbestimmungen zum Studium seien zu streng gewesen. "Ich hätte nicht gedacht, dass der so locker ist", sagte eine ältere Dame, die ihm zugehört hatte. "Im Fernsehen wirkt er immer so streng." Noch vergnügter ging es daneben vorm Bildschirm zu. Da zeigte die Tagesschau-Mannschaft einen Zusammenschnitt der witzigsten Sendepannen: Nachrichtensprecher, deren Stühle zusammensacken, Korrespondenten, die nicht merken, dass sie auf Sendung sind und Ähnliches. In den Räumen links und rechts der Stände konnten sich die Besucher über die Arbeit beim ARD-Hörfunk informieren. Ein Stockwerk höher waren die Fernsehredaktionen zugänglich. Mitarbeiter erklärten, wie der Ton nachbearbeitet wird oder digitale Schnittplätze funktionieren. Ein Publikumsmagnet war das Fernsehstudio im vierten Stock. Die Besucher durften sich auf dem Moderatorensessel von Thomas Roth ("Bericht aus Berlin") niederlassen und der Kamera ins Auge blicken. Dann wurde ein Foto vor dem Hintergrund, der auch in der Sendung zu sehen ist, aufgenommen und ausgedruckt. Ein älteres Ehepaar aus Berlin probierte es aus und war von dem Aufwand, der für eine Sendung betrieben wird, beeindruckt. "Ich wusste gar nicht, was für ein Rattenschwanz da dranhängt", sagte die Frau. Andere Besucher probierten vor der Kamera verschiedene Posen aus - mal mit, mal ohne Hut, mal lächelnd, mal ernst. Wer sich nicht schön genug fand, konnte sich nebenan schminken lassen. Maskenbildnerin Liane Herbst grundierte, puderte und färbte. Und verriet, warum sie auch das Putzmittel Sidolin im Schminkschrank hat. "Die Kamera sieht alles, auch schmutzige Brillengläser."------------------------------Foto: Küsschen für die Maus - im ARD-Hauptstadtstudio gab es am Sonntag auch für Kinder was zu gucken.
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