Festmeile am Brandenburger Tor

Berlin streitet um den Tiergarten-Zaun

Um den Sicherheitszaun rings um die Festmeile am Brandenburger Tor gibt es Meinungsverschiedenheiten. Während die Innenbehörde eine fest installierte Absperrung um den östlichen Teil des Großen Tiergartens favorisiert, ist der Bausenator dagegen.

Uwe Aulich
4 Min
Für die große Party soll in diesem Jahr ein Zaun um den östlichen Teil des Großen Tiergartens gezogen werden.

Für die große Party soll in diesem Jahr ein Zaun um den östlichen Teil des Großen Tiergartens gezogen werden.

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Für die Silvesterparty am Brandenburger Tor laufen die Vorbereitungen längst auf Hochtouren. Am heutigen Donnerstag werden die Veranstalter mit den Sicherheitsbehörden zusammensitzen und die Sicherheitsvorkehrungen besprechen. Erstmals wird der östliche Tiergarten rings um die Festmeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule nicht nur teilweise sondern komplett mit einem provisorischen Zaun abgesperrt.

Security und Polizei sollen verstärkt Streife am Zaun entlang gehen, damit es keine Durchbrüche wie bei anderen Großevents in diesem Jahr gibt und niemand unkontrolliert auf die Partymeile gelangt. Die Besucher der Party müssen sich zudem auf schärfere Taschenkontrollen einstellen.

2,40 Meter hoch und standfest

Weil der bisher aufgestellte Bauzaun keinen Schutz etwa vor gewaltbereiten Besuchern bietet, drängt der Bezirk Mitte schon seit Monaten mit seinem Konzept zum Ausbau der Festmeile auf einen fest installierten Sicherheitszaun. Der soll 2,40 Meter hoch sein und internationalen Sicherheitsanforderungen entsprechen. In dieser Frage kann der Bezirk jetzt mit der Unterstützung durch die Innenverwaltung rechnen.


Der Bauzaun: Bei Großveranstaltungen auf der Straße des 17. Juni ordnet der Bezirk Mitte an, dass das Festgelände mit einem Sicherheitszaun abzusperren ist. An den Zugängen gibt es Personen- und Taschenkontrollen. Das Aufstellen des Zauns kostet 170.000 bis 250.000 Euro pro Veranstaltung, Schäden an der Vegetation nicht eingerechnet.

Der feste Zaun: Er wird von den Sicherheitsbehörden favorisiert. Er ist 2,40 Meter hoch, fest im Boden verankert und hält kleinen Lkw stand. Kosten für den gut vier Kilometer langen Zaun: 3,5 Millionen Euro. Der Zaun erfüllt die hohen Sicherheitsstandards für Sportveranstaltungen etwa der Uefa. Alle Zugänge außerhalb von Veranstaltungen bleiben geöffnet.

Der mobile Zaun: Das System wird in Italien eingesetzt. Die Zaun-Elemente haben einen Betonfuß, sie werden mit Gabelstaplern versetzt. Zaun-Kosten: 2,8 Millionen Euro. 1,2 Millionen sind für Aufbau und Sicherung der Wege nötig. In Italien bleibt der Zaun während der Festsaison stehen. Ein versenkbarer Zaun ist zu teuer, kostet bis zu 20 Millionen Euro.


„Der Zaun ist weniger eine politische Entscheidung als vielmehr eine Frage der Sicherheit“, heißt es. Innensenator Frank Henkel (CDU) teile die fachlichen Stellungnahmen von Polizei und Feuerwehr. So plädiert die Polizei für einen stabilen Zaun.

Vorteil: „Durch die feste Verbindung mit dem Erdreich wird die Standfestigkeit des Zaunes verbessert, das Risiko des Umstoßens beziehungsweise Einreißens vermindert und somit ein unkontrolliertes Eindringen in den Veranstaltungsraum wesentlich erschwert.“ Und die Feuerwehr argumentiert: „Die bauliche Bereitstellung eines stabilen Zaunes reduziert Zerstörungen und damit auch die Möglichkeit des unkontrollierten Zugangs von weiteren Besuchern in bereits ausgelastete Bereiche des Veranstaltungsgeländes.“

42 Millionen Euro soll der Ausbau der Festmeile kosten, wie ihn der Bezirk plant, gefördert zu 90 Prozent aus Bundesmitteln. Wasser- und Stromleitungen sollen verlegt und Rettungswege verbreitert werden. Nach dem Terror-Anschlag auf den Boston-Marathon im April mit drei Toten und der Love-Parade-Katastrophe 2010 in Duisburg mit 21 Toten gibt es „im Sinn der Sicherheit der Besucher zu dem festen Außenzaun keine Alternative“, sagt Baustadtrat Carsten Spallek (CDU).

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) jedoch hat den Ausbau der Festmeile blockiert, weil er den Zaun ablehnt. Müller sorgte dafür, dass die Unterlagen neun Monate nicht geprüft wurden. Und sagt, dass die Großveranstaltungen 20 Jahre lang hervorragend funktioniert hätten. Dem entgegnet Harald Büttner, Chef der Straßenbehörde in Mitte: In diesem Jahr sei nicht eine Veranstaltung mängelfrei verlaufen.

So gab es bei der 150-Jahr-Feier der SPD und beim Deutschlandfest Zaundurchbrüche, Security und Polizei konnten verhindern, dass die Störer auf das Festgelände gelangten. Beim Berlin-Marathon wiederum stellte eine Mutter ihren Kinderwagen, in dem sich Kochtöpfe befanden, unmittelbar hinter der VIP-Tribüne ab, ohne dass es die Security bemerkte.

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) macht Druck auf Berlin wegen der bevorstehenden Fußball-WM und des Champions-League-Finals 2015 in Berlin. Die Bedingung: Ohne stabilen Zaun – egal, ob fest installiert oder mobil – keine Fanmeile. Nachdem das Konzept vom Senat nicht bearbeitet wurde, ergänzt der Bezirk derzeit die Unterlagen. „In der ersten Dezemberwoche übergeben wir sie wieder dem Senat“, so Büttner. Er ist noch optimistisch, dass bis zur WM ein Zaun installiert werden kann.

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