Fethullah Gülen, der Anführer der nach ihm benannten religiösen Gülen-Bewegung, ist tot. Das meldete am Montag das der Bewegung nahestehende Medium Herkül im Onlinedienst X. Demnach starb Gülen am Sonntagabend in einem Krankenhaus in den USA im Alter von 83 Jahren. Er sei bereits länger in Behandlung gewesen. Der türkische Außenminister Hakan Fidan bestätigte am Montag entsprechende Medienberichte.
„Unsere Geheimdienstquellen bestätigen den Tod des Anführers der Feto-Organisation“, sagte Fidan bei einer Pressekonferenz unter Verwendung der türkischen Bezeichnung für Gülens Hizmet-Bewegung. Auch der Vorsitzende der Stiftung Dialog und Bildung, Ercan Karakoyun, bestätigte den Tod Gülens am Montag. Die Stiftung ist der deutsche Ableger der transnationalen Gülen-Bewegung, die in Deutschland unter anderem Schulen, Nachhilfezentren und Kindergärten betreibt.
Über den Behandlungsverlauf und die Todesursache wurden zunächst keine Angaben gemacht, es hieß jedoch, dass „die Ärzte in den kommenden Stunden Auskunft geben werden“. Dem türkischen Sender NTV zufolge soll Gülen an Demenz sowie Nierenversagen und Diabetes gelitten haben.
Türkei: Erdogan wirft Gülen vor, den Putsch 2016 initiiert zu haben
Die Gülen-Bewegung besteht aus verschiedenen Organisationen, die unter den Anhängern als Hizmet bekannt sind und sich unter Gülens Führung zusammengeschlossen haben. Sie zählt rund vier Millionen Mitglieder und führt weltweit 200 Schulen und weitere gesellschaftliche Einrichtungen. Gülen behauptete, er wolle damit den modernen Islam fördern. In Publikationen seiner Sympathisanten wird Gülen zudem als leidenschaftlicher Befürworter des interreligiösen und interkulturellen Austauschs dargestellt. Kritiker werfen der Bewegung allerdings Intransparenz vor und bezeichnen die Gemeinde als eine Sekte, die den Sturz der säkularen Ordnung der Türkei anstrebt.
Nach dem gescheiterten Putschversuch gegen die türkische Regierung am 15./16. Juli 2016 beschuldigten Präsident Recep Tayyip Erdogan und die AKP Erdogans einstigen Mentor Gülen, den Putschversuch initiiert zu haben. Die türkische Regierung stufte die Gülen-Bewegung zudem als Terrororganisation ein. Gegen etwa 700.000 mutmaßliche Gülen-Anhänger wurden Verfahren eingeleitet, rund 3000 von ihnen wurden zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Fethullah Gülen hatte eine Beteiligung an dem Putsch stets bestritten.
Gülen lebte zuletzt im Exil im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania. 2017 wurde ihm die türkische Staatsbürgerschaft entzogen. In den vergangenen Jahren war es um Gülen still geworden, er hielt sich aus der Öffentlichkeit zurück. (mit AFP)
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