Freiwillige Feuerwehr übernimmt
Tatsächlich musste während des Einsatzes am Dong Xuan Center nach Angaben der Feuerwehr „der Grundschutz auf zahlreichen Feuerwachen im Stadtgebiet“ von Freiwilligen Feuerwehren (FFW) übernommen werden. Das Problem hierbei: Obwohl die freiwilligen Männer und Frauen den Grundschutz für unsere Stadt übernehmen sollen und auch müssen, wenn die Berufsfeuerwehr zu einem Großeinsatz wie in Lichtenberg ausrücken muss, stehen die FFWler laut Senat „in Abhängigkeit ihrer beruflichen und privaten Verpflichtungen nicht jederzeit planbar zur Verfügung“. Doch warum ist die Berufsfeuerwehr überhaupt auf die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr angewiesen, wenn es darum geht, den Grundschutz für die Berliner Bevölkerung zu garantieren?
Fakt ist, dass bis auf wenige Ausnahmen keine der 34 Berliner Feuerwachen die geplante Soll-Stärke ihrer Einsatzkräfte tatsächlich erreicht. So sind berlinweit durchschnittlich nur 866 statt der eingeplanten 1.038 Einsatzkräfte verfügbar, was eine Ist-Stärke von nur knapp 83 Prozent bedeutet (siehe Karte). „Die Zahlen zeigen deutlich, wie die Leistungskraft der Feuerwehr niederbrennt und der Senat nur zusieht“, sagt Luthe. Die Personalpolitik reiche „nicht einmal aus, den niedrigen Leistungsstand der Feuerwehr von 2012 zu halten, geschweige denn besser zu werden“.
Brandstiftung als Mittel des Terrorismus
Vor dem Hintergrund, dass „Islamisten mittlerweile auch Brandstiftung als Mittel des Terrorismus“ wählen würden, sei es „grob fahrlässig, die Feuerwehr so zu vernachlässigen, wie es der Senat tut“. Daher werde die FDP „mit 100 Millionen Euro Zusatzinvestitionen in Sicherheit deutlich mehr Mittel zur Stärkung der Feuerwehr für den Haushalt beantragen“, als es derzeit der Fall sei. Besonders dringend benötige man „Nachwuchs, den wir nur mit konkreten Angeboten statt Abwarten gewinnen werden“.
Panikmache oder nüchterne Feststellung? Die Zahlen sprechen für sich: Durchschnittlich alle 67 Sekunden muss die Berliner Feuerwehr zu einem Einsatz ausrücken, über 460.000 Mal im Jahr. Da aktuell etwas über 3,7 Millionen Menschen in der Hauptstadt leben und auch weiterhin mit einem Bevölkerungsanstieg zu rechnen ist, wird zudem auch die Zahl der Feuerwehreinsätze steigen. „All unser Streben und Handeln dient nur einem Ziel: Den Menschen in unserer Stadt, die sich in einer akuten Notlage befinden, schnellstens die bestmögliche Hilfe zu bringen“, heißt es im Leitbild der Feuerwehr.
Doch innerhalb der Truppe mehren sich die Stimmen, dass dieses Leitbild schlichtweg nicht mehr zu erfüllen ist. So haben die Retter nach Angaben des privaten Feuerwehr-Vereins BerlinBrennt e.V. neben den steigenden Einsatzzahlen mit „Personalmangel, der über Jahre hinweg durch Einsparungen aufgebaut wurde, daraus resultierend einer steigenden Belastung jedes einzelnen Kollegen und in der Folge einer Erhöhung des Krankenstandes, welche das Problem noch verschärft, zu kämpfen“.
Menschenleben gefährdet
Die Folge dieser „von Feuerwehrführung und Politik seit Jahren sehenden Auges hingenommenen Misere“ sei, dass die Berliner Feuerwehr „ihrer gesetzlichen Aufgabe nicht mehr nachkommen kann“ und in der Folge „jeden Tag Menschenleben gefährdet“ seien.
Zumindest im aktuellen Fall des Großbrands im Dong Xuan Center war das nicht der Fall. Dennoch entstand ein Millionenschaden. Weshalb das Feuer überhaupt ausbrach, muss nun von den Brandermittlern der Berliner Polizei geklärt werden.
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