Fifa-Präsident Gianni Infantino hat den Machtkampf in der Führung des Weltverbandes vorerst überstanden. Nach einer Krisensitzung in der marokkanischen Hauptstadt Rabat stellten sich Generalsekretär Mattias Grafström und die anwesenden Mitglieder der Geschäftsleitung demonstrativ hinter den 56-Jährigen.
Sie hätten ihre „uneingeschränkte Unterstützung für Fifa-Präsident Gianni Infantino“ bekräftigt, teilte der Weltverband am späten Mittwochabend mit. Infantino wiederum habe Grafström und der Fifa-Verwaltung seine volle Unterstützung für deren Arbeit bei der Umsetzung „seiner Vision“ zugesichert.
Wer genau an der Krisensitzung teilnahm, teilte die Fifa nicht mit. Die Erklärung dokumentiert auch keine Abstimmung im Fifa-Rat oder unter den 211 Mitgliedsverbänden. Sie spricht ausdrücklich nur von den anwesenden Mitgliedern der Geschäftsleitung.
Fifa-Krise: Erpressungsvorwurf gegen Infantino und offene Millionen für US-Städte
Fifa erklärt Infantino zum einzigen gewählten Amtsträger
In der Erklärung hob der Weltverband hervor, Infantino sei der „einzige Amtsträger“, der von den 211 nationalen Mitgliedsverbänden gewählt worden sei. Der Schweizer führt die Fifa seit 2016 und will sich im März 2027 für eine weitere Amtszeit bis 2031 wählen lassen.
Die Formulierung wirkt wie eine Antwort auf die offene Kritik aus Infantinos eigener Verwaltung. Generalsekretär Grafström hatte die Entwicklung um den gescheiterten Investorenplan in einer internen Nachricht als „traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen“ bezeichnet. Infantino erwähnte er dabei nicht namentlich.
Deutlicher war zuvor Fifa-Geschäftsführer Kevin Lamour geworden. Die Mitarbeiter seien bei der Vorbereitung des Projekts „getäuscht“ worden, erklärte er laut der Nachrichtenagentur AP. Lamour bezeichnete das Vorhaben als das Projekt einer einzelnen Person. Infantinos Berater Carlos Cordeiro trat aus Protest zurück.
Nach der Sitzung veröffentlichte Infantino auf Instagram ein Foto, auf dem er und Grafström lächelnd mit erhobenem Daumen zu sehen sind. Die Ergebnisse des Treffens würden nach seiner Darstellung die Führung der Fifa stärken und helfen, das Vertrauen in den Verband wiederherzustellen.
Fifa entschuldigt sich für Fehler beim Investorenplan
Zugleich räumte die Verbandsspitze erstmals ausdrücklich Fehler beim Umgang mit dem Investorenmodell ein. Es sei nicht beabsichtigt gewesen, dass sich der Fifa-Rat und die Mitgliedsverbände von dem Verfahren ausgeschlossen fühlten. Der Prozess hätte anders organisiert werden müssen.
In einem gesonderten Schreiben entschuldigte sich die Fifa bei ihren Verbänden und versprach, die Vorgänge aufzuarbeiten. Ein Bericht soll dem Fifa-Rat bei dessen nächster regulärer Sitzung vorgelegt werden.
Unmittelbar nach dem Eingeständnis verschärfte der Weltverband jedoch den Ton. Die Fifa werde künftig keine „Angriffe auf ihre Integrität, gute Führung und ordnungsgemäßen Verfahren“ mehr dulden, hieß es. Wen der Verband damit konkret meinte und welche Maßnahmen er erwägt, ließ er offen.
Infantinos Milliardenplan löste Boykottdrohung aus
Auslöser der schwersten Führungskrise in Infantinos Amtszeit war sein Plan für eine neue kommerzielle Tochtergesellschaft namens Fifa Forward Enterprise. Sie sollte die kommerziellen Rechte an Wettbewerben wie der Weltmeisterschaft und der Klub-WM verwalten.
Private Investoren sollten bis zu 20 Prozent der Anteile übernehmen. Bei einer Bewertung von rund 20 Milliarden US-Dollar wollte die Fifa auf diese Weise etwa 4,2 Milliarden US-Dollar einnehmen. Den 211 Mitgliedsverbänden stellte Infantino bei einer Zustimmung jeweils bis zu 20 Millionen US-Dollar als Einmalzahlung sowie höhere Fördermittel in Aussicht.
Die Pläne waren innerhalb der Fifa über Monate in einem kleinen Kreis vorbereitet worden. Die Uefa, der nordamerikanische Verband Concacaf und der asiatische Verband AFC kritisierten, dass sie vor der Präsentation nicht ausreichend einbezogen worden seien. Die 55 europäischen Verbände drohten mit einem Boykott aller Fifa-Wettbewerbe, sollte das Modell umgesetzt werden. Infantino zog den Vorschlag daraufhin zurück.
Rückendeckung beendet den Machtkampf um Infantino nicht
Der Schulterschluss in Rabat verschafft Infantino zunächst Rückhalt in der eigenen Verwaltung. Der politische Streit mit den Kontinentalverbänden ist damit jedoch nicht beigelegt. Die Uefa erklärte nach dem Rückzug des Projekts, sie habe das Vertrauen in Infantinos Führung verloren. Auch Concacaf verlangt eine umfassende Überprüfung der Vorgänge. Mehrere europäische Nationalverbände zogen ihre Unterstützung für Infantinos Wiederwahl zurück.
Am Mittwoch erklärte zudem der kanadische Premierminister Mark Carney, er habe kein Vertrauen mehr in Infantino. Die mangelnde Einbeziehung führender Mitarbeiter sei ein „fataler“ Fehler in der Verbandsführung gewesen, sagte Carney.
Auch der Erpressungsvorwurf des jordanischen Verbandspräsidenten Prinz Ali bin al-Hussein bleibt unbeantwortet. Er hatte erklärt, der Fifa-Verband seines Landes warte seit Dezember auf Preisgeld und habe die Botschaft erhalten, Unterstützung für Infantino könne bei der Lösung seiner Probleme helfen. Die Fifa wies diesen Vorwurf bislang nicht öffentlich zurück.
Infantino besitzt dennoch weiter Rückhalt, vor allem in Teilen Afrikas und Asiens. Unter anderem haben sich Katar, Kuwait, der Libanon, Sri Lanka, Indonesien und die Philippinen hinter ihn gestellt. Ein klarer Gegenkandidat für die Wahl am 18. März 2027 ist bislang nicht hervorgetreten.
Die Schlinge zieht sich zu: Infantino steht bei der Fifa vor der Entmachtung
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