Der Druck auf Fifa-Präsident Gianni Infantino wächst. Prinz Ali bin al-Hussein, Präsident des jordanischen Fußballverbandes, wirft der Führung des Weltverbandes vor, seinem Land zustehende Gelder zurückzuhalten und finanzielle Hilfe mit einer Unterstützung Infantinos zu verknüpfen. Die Vorgänge liefen auf „Erpressung“ hinaus, schrieb der frühere Fifa-Vizepräsident auf X.
Jordanien wartet demnach seit Dezember auf das Preisgeld für den zweiten Platz beim Fifa Arab Cup 2025 in Katar. Die Mannschaft hatte das Finale gegen Marokko verloren. Nach damaligen Berichten jordanischer Medien standen dem unterlegenen Finalisten 4,2 Millionen US-Dollar zu. Bis heute sei das Geld für die Spieler nicht ausgezahlt worden, erklärte bin al-Hussein.
Die Schlinge zieht sich zu: Infantino steht bei der Fifa vor der Entmachtung
Jordanien-Chef schildert Gespräch während der WM
Nach Darstellung des Verbandspräsidenten verweigerte die Fifa seinem Verband über Monate auch in anderen Angelegenheiten Unterstützung. Während der Fußball-Weltmeisterschaft sei ihm dann mündlich mitgeteilt worden, dass es dem jordanischen Verband „sehr helfen würde“, wenn er Infantino unterstütze.
„Wir haben ihn bisher nicht unterstützt und werden das auch jetzt ganz sicher nicht tun“, schrieb bin al-Hussein. Jordanien lege Wert auf ethische Grundsätze. „Aber die gesamte Situation läuft auf Erpressung hinaus, und wir weigern uns, das zuzulassen.“
Der Jordanier legte keine Belege für das von ihm geschilderte Gespräch vor. Unklar ist auch, wer ihm die Botschaft innerhalb der Fifa übermittelt haben soll. Der Weltverband wurde von mehreren Medien, darunter Reuters und dpa, um eine Stellungnahme gebeten. Eine öffentliche Antwort lag zunächst nicht vor.
Bin al-Hussein gehört seit Jahren zu den bekanntesten Gegnern der Fifa-Führung. Von 2011 bis 2015 saß er als Vizepräsident im damaligen Exekutivkomitee. Bei der Präsidentenwahl 2015 trat er gegen Sepp Blatter an. Ein Jahr später kandidierte er erneut und belegte bei der Wahl, aus der Infantino als Sieger hervorging, den dritten Platz.
Auch US-Städte warten auf zugesagte Fifa-Gelder
Die Vorwürfe aus Jordanien werden von einem weiteren Bericht über ausstehende Zahlungen begleitet. Mehrere US-Städte, die im Sommer Spiele der Weltmeisterschaft ausgerichtet hatten, warten laut dem Sportportal The Athletic auf sogenannte Legacy-Gelder der Fifa.
Vier Vertreter von Gastgeberstädten berichteten dem Medium anonym, ranghohe Fifa-Vertreter hätten jeder Stadt eine Million US-Dollar zugesagt. Das Geld sollte in Fußballplätze, Infrastruktur und soziale Projekte fließen. Die Zusage sei mehrfach mündlich bestätigt worden. Eine Auszahlung sei bislang jedoch nicht erfolgt, weshalb mehrere Städte bei der Fifa nach dem Stand der Zahlungen fragten.
Infantino hatte vergleichbare Zahlungen zuvor öffentlich für die US-Gastgeber der Klub-WM 2025 angekündigt. Die Verantwortlichen der WM-Städte gingen nach Angaben von The Athletic davon aus, ebenfalls eine Million US-Dollar zu erhalten. Eine öffentliche Zusage des Weltverbandes für die Gastgeber der Weltmeisterschaft gab es allerdings nicht.
Ein Zusammenhang zwischen den ausstehenden Geldern für Jordanien und den Zahlungen an die US-Städte ist nicht belegt. Beide Vorgänge werfen jedoch neue Fragen über den Umgang der Fifa mit finanziellen Zusagen auf.
Infantino bestellt Fifa-Führung zur Krisensitzung nach Rabat
Die Anschuldigungen treffen Infantino zu einem heiklen Zeitpunkt. Nach Berichten der britischen Zeitung The Times und des Senders Sky hat der Fifa-Präsident führende Mitarbeiter für Mittwoch zu einer Krisensitzung nach Rabat einbestellt. Was dort konkret besprochen werden soll, blieb zunächst offen.
Infantino kämpft seit Tagen um seine Machtbasis. Auslöser ist sein inzwischen aufgegebener Plan, Anteile an einer neuen Gesellschaft zu verkaufen, die unter anderem die kommerziellen Rechte an den Weltmeisterschaften verwalten sollte. Vorgesehen war der Verkauf von 20 Prozent an private Investoren. Die Fifa wollte damit 4,2 Milliarden US-Dollar einnehmen.
Der Vorschlag löste heftigen Widerstand aus. Die europäischen Mitgliedsverbände beschlossen, bei einer Umsetzung sämtliche Fifa-Wettbewerbe zu boykottieren. Auch der nordamerikanische Verband Concacaf lehnte das Modell ab. Der asiatische Verband AFC kritisierte vor allem, dass die Kontinentalverbände vorab nicht ausreichend einbezogen worden seien. Infantino zog den Plan schließlich zurück.
Besonders heikel war, dass den nationalen Verbänden im Zusammenhang mit einer Zustimmung deutlich höhere Zahlungen in Aussicht gestellt worden waren. Laut Reuters sollte ein Teil der zusätzlichen Milliarden an die 211 Mitgliedsverbände fließen. Kritiker sahen darin den Versuch, Zustimmung über finanzielle Anreize zu sichern.
Enge Mitarbeiter gehen auf Distanz zu Infantino
Auch innerhalb der Fifa bröckelt Infantinos Rückhalt. Generalsekretär Mattias Grafström bezeichnete die Vorgänge rund um das Investorenmodell in einer internen Nachricht als „traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen“. Die Organisation sei in einen Aufruhr geraten, der nur schwer zu verstehen und zu akzeptieren sei. Infantino nannte er dabei nicht ausdrücklich.
Arsène Wenger, bei der Fifa für die globale Fußballentwicklung zuständig, erklärte, er sei in die Pläne nicht einbezogen worden und habe erst durch Medienberichte davon erfahren. Der Rückzug des Projekts sei „absolut notwendig“ gewesen. Infantinos enger Berater Carlos Cordeiro war bereits zuvor aus Protest zurückgetreten.
Mehrere europäische Verbände haben ihre Unterstützung für eine weitere Amtszeit Infantinos inzwischen zurückgezogen. Über die Fifa-Präsidentschaft wird am 18. März 2027 in Rabat abgestimmt. Bin al-Hussein machte mit seiner Erklärung deutlich, dass Infantino mit seiner Stimme nicht rechnen kann.
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