FIFA-Präsident Gianni Infantino hat die WM-Vergabe an Saudi-Arabien für das Turnier 2034 in einem Beitrag auf Instagram als „perfekt“ verkauft. Der Schweizer listete am Dienstagabend die kommenden Austragungsorte auf und führte neben den bereits verkündeten Gastgebern USA, Kanada und Mexiko für 2026 sowie Spanien, Marokko, Argentinien, Paraguay und Uruguay für 2030 auch Saudi-Arabien für 2034 auf und freute sich über „drei Ausgaben, fünf Kontinente und zehn Länder“, die in die Veranstaltung „der größten Show der Welt“ involviert seien. „Das macht Fußball wirklich global“, schrieb Infantino.
Es war eine schnöde Mitteilung vom anderen Ende der Welt, die den Weg für Saudi-Arabien praktisch endgültig frei machte. Der australische Verband kündigte zum Stichtag am Dienstag an, sich nicht um die Fußball-WM 2034 zu bewerben. Kurz darauf bestätigte auch die FIFA, dass lediglich Saudi-Arabien eine Interessenerklärung abgegeben hat und damit als einziger Kandidat bei der Vergabe in einem Jahr verbleibt. So lange wollte Infantino aber offenbar nicht mehr warten und verkaufte die Entscheidung bereits am Abend in einem Instagram-Post als perfekt. Die zu erwartenden Diskussionen besonders in Deutschland über Menschenrechte, Abhängigkeiten und die Untrennbarkeit von Sport und Politik werden vergebens sein.
Das von der saudischen Presseagentur am 23. Oktober 2023 zur Verfügung gestellte Bild zeigt den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (r.) und FIFA-Präsident Gianni Infantino (2.v.r.).
© SPA/AFP
Der Bewerbungsprozess sei im Konsens vom FIFA-Council angenommen worden, schrieb Infantino. Nach dem Rückzug von Australien früher am Tag gab es keinen Konkurrenten mehr für die Bewerbung von Saudi-Arabien. Die Bewerbungsfrist für die WM 2034 war am Dienstag abgelaufen. Saudi-Arabien steht wegen Menschenrechtsverletzungen massiv in der Kritik.
„Nach den Investitionen, die wir gerade in den Fußball und den Sport generell sehen, ist eine Fußball-Weltmeisterschaft quasi der logische Höhepunkt und in gewisser Art und Weise auch die Fortsetzung dessen, wie es Katar gemacht hat“, sagte der Islam- und Politikwissenschaftler Sebastian Sons der Deutschen Presse-Agentur.
Der 42 Jahre alte Berliner ist unter anderem Experte für Sportpolitik im arabischen Golfraum. „Es ist ein Partner, den wir mittlerweile brauchen: energiepolitisch, sicherheitspolitisch, aufgrund auch der Lage in der Region. Und das muss eben auch im Rahmen einer Fußball-Weltmeisterschaft zumindest diskutiert werden“, sagte Sons über Saudi-Arabien.
Das Königreich ist noch umstrittener als der Gastgeber der Endrunde 2022, der kleine Nachbar Katar. Er wolle die beiden Länder gar nicht vergleichen, sagte Wenzel Michalski in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur. Die Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien sei aber noch einen Grad schlimmer als in Katar, betonte der Deutschland-Direktor von Human Rights Watch. Für ihn steht fest: Eine WM in Saudi-Arabien gehe nicht.
„Weil die FIFA sich eine Menschenrechtsagenda gegeben hat, die besagt, dass Ausrichter von Weltmeisterschaften Menschenrechte einhalten müssen. Und das ist bei Saudi-Arabien bekanntermaßen überhaupt nicht der Fall“, erklärte Michalski. Sie doch dorthin zu vergeben, wäre Betrug an denen, die der FIFA glauben würden, die sich gegebenen Menschenrechtsstandards auch zu verwirklichen.
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