Film-Premiere: Zwiebeln schneiden ohne hinzuschauen

Kostja Ullmann geht es wie jedem Schauspieler: Unglaublich dürfen ihm Rollen gern geraten, unglaubwürdig allerdings nicht. Die Hauptrolle im Kinofilm „Mein Blind Date mit dem Leben“ war in dieser Hinsicht gefährlich, denn diesen Saliya Kahawatte, den er da spielte, gibt es wirklich. Und seine Lebensgeschichte klingt dermaßen märchenhaft, dass man als Darsteller sein Handwerk beherrschen muss, um ihr echtes Leben ...

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Kostja Ullmann geht es wie jedem Schauspieler: Unglaublich dürfen ihm Rollen gern geraten, unglaubwürdig allerdings nicht. Die Hauptrolle im Kinofilm „Mein Blind Date mit dem Leben“ war in dieser Hinsicht gefährlich, denn diesen Saliya Kahawatte, den er da spielte, gibt es wirklich. Und seine Lebensgeschichte klingt dermaßen märchenhaft, dass man als Darsteller sein Handwerk beherrschen muss, um ihr echtes Leben einzuhauchen.

Saliya war 15 Jahre als sich seine Sehkraft innerhalb kurzer Zeit auf gerade mal noch fünf Prozent reduzierte. Plötzlich sah er wie durch eine Milchglasscheibe nur noch sehr grobe Farbmuster und Umrisse. Von seinem Traum, eine Lehre im Bereich Gastronomie/Hotellerie zu absolvieren wollte er sich allerdings nicht verabschieden. Er verschwieg sein Handicap, lernte ganz gewissenhaft Abläufe auswendig und täuschte seiner Umgebung so jahrelang erfolgreich vor, deutlich mehr zu sehen als es in der Realität der Fall ist.

Kontaktlinsen mit eingeschränkter Sehkraft

Für Ullmann waren die Begegnungen mit Saliya Kahawatte für die Vorbereitung auf diese Rolle wichtig: „Ich habe mich zwei Monate vor Drehbeginn mit Saliya getroffen und mit ihm seinen Alltag verbracht. Wir waren von Anfang an auf einer Wellenlänge. Dabei habe ich versucht herauszubekommen, wie er seine Umwelt so lange so erfolgreich täuschen konnte.“ Kontaktlinsen, die seine Sehkraft auf fünf bis zehn Prozent einschränkten, halfen dem Schauspieler dabei, sich in die Rolle einzufinden.

Ein Training in einem Luxushotel gehörte dazu, damit Ullmann glaubwürdig den Hotelprofi spielen konnte. „Dort habe ich gelernt, Tische einzudecken, Gemüse zu schneiden, Cocktails zu mixen und Betten zu machen.“ Seitdem decke ich gern den Tisch und schneide ziemlich flott und ohne hinzuschauen Zwiebeln.“ Inzwischen hat sich sein Blick für die Probleme von Menschen mit Behinderung geschärft: „Seitdem ich mich damit so intensiv beschäftigt habe, sehe ich überall, wie wenig behindertengerecht unsere Städte sind.“ Gleich nach der Premiere verabschiedete sich Ullmann Richtung Afrika, wo er jetzt mit Anna Maria Mühe seinen neuen Film „Der Weg zum Kilimandscharo“ dreht.

Jacob Matschenz spielt in „Mein Blind Date mit dem Leben“ Saliyas besten Freund Max. Der erkennt schnell dessen Behinderung und hilft ihm, die Täuschung der Umgebung zu perfektionieren. Beste Freunde sind oft die Rollen, die bei Schauspielern nicht so beliebt sind. Weil sie als Wasserträger angelegt sind und von den Drehbuchautoren nicht so interessant gestaltet wurden. Diesmal sah Matschenz dieses Problem nicht. „Und außerdem würde ich alles spielen, wenn Kostja dabei ist.“

Dessen Rolle hätte schnell kippen können: „Ich habe darauf vertraut, dass Kostja da keinen Murks spielt und bin nicht enttäuscht worden. Das ist fantastisches Popcornkino.“ Die Fertigkeiten von Saliya findet Matschenz faszinierend: „Wir sind uns neulich mal an einem Büfett begegnet, nachdem wir uns Stunden vorher schon getroffen hatten. Er sprach mich ganz sicher mit meinem Namen an. Er hatte sich das schemenhafte Farbmuster meiner Bekleidung gemerkt. Faszinierend.“

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