Kampfkunstfilme zu produzieren, ist eindeutig gesünder, als in ihnen zu spielen. Wer an Martial-Arts-Kino denkt, assoziiert als erstes den Namen Bruce Lee, der 1973 mit nicht einmal 33 Jahren starb. Der Mann jedoch, der als Erfinder des Genres gilt, wurde mehr als dreimal so alt: Der Filmproduzent Run Run Shaw starb gestern in Hongkong im Alter von 106 Jahren; er erlebte das Filmgeschäft somit vom Stummfilm bis zur 3 D-Technik.
Miteinander zu tun bekamen es Bruce Lee und Run Run Shaw jedoch nicht. Mit seiner ersten Rolle als Kampfsport-Genie Kato in der US-Fernsehserie „The Green Hornet“ wurde Bruce Lee zwar auch in China berühmt. Aber als Shaw ihm einen Langzeitvertrag über mehrere Filme vorlegte, war Lee die übliche Einstiegsgage von 2000 Dollar zu niedrig, und so kam es nicht zur Zusammenarbeit. Damals, 1967, waren Run Run Shaw und sein Bruder Runme Shaw längst die beherrschenden Filmproduzenten in Hongkong und das auch aufgrund kühler Kalkulation: „Filme sind Kunst, aber auch ein Geschäft, wenn man das für einen Moment vergisst, hat man schon Geld verloren.“ Also wurde auch an einen Bruce Lee nichts verschenkt.
Zwischen Shanghai und Singapur
Run Run Shaw wurde am 23. November 1907 in Shanghai als eines von sieben Kindern eines Textilkaufmanns geboren und erlebte bewegte Zeiten: Die britische Kolonialmacht war 1927 gerade aus Shanghai vertrieben, da veranstaltete die regierende Kuomintang ein Massaker an den Kommunisten, die bis dahin ihre Verbündeten gewesen waren. Als Shaw mit seinem sechs Jahre älteren Bruder Runme 1927 eine Filmproduktion gründen wollte, reisten sie ins ruhigere, noch von den Briten beherrschte Singapur. 1930 kam ein Filmstudio dazu.
1942 wurde Singapur von den Japanern erobert, und Run Run Shaw vergrub in weiser Voraussicht Geld und Schmuck im Wert von vier Millionen Dollar im Garten. Nach dem Zweiten Weltkrieg grub er es wieder aus und konnte gleich wieder in die Produktion von Filmen einsteigen – allerdings verlegten die Brüder ihre Firma nun nach Hongkong.
In weiser Voraussicht
Die Shaw Brothers waren selbst für asiatische Verhältnisse erschreckend fleißig. Bis zum Tod Runme Shaws 1985 sind hier über tausend Filme entstanden, das heißt bis zu 30 im Jahr, das meiste davon Martial Arts. Kaum ein Titel ist ins Englische oder gar Deutsche übersetzt wie „Das Schwert der gelben Tigerin“ oder „Die 36 Kammern der Shaolin“. Der typische Run Run Shaw-Film ist im Westen nur schweren Videojunkies wie Quentin Tarantino ein Begriff. Im Westen wurde der Name Run Run bekannter als einer der Produzenten des stilprägenden „Blade Runner“ von Ridley Scott.
Run Run Shaw wurde unermesslich reich. Neben der Filmproduktion betrieb er in Hongkong einen Fernsehsender. Er baute ein Kinoimperium in Südostasien auf und erstreckte seine Unternehmungen auch auf andere Geschäftsfelder, so war er Teilhaber der Kaufhauskette Macy’s in den USA.
In Hongkong steht auf zahlreichen Gebäuden sein Name, denn Shaw hat viele Milliarden Dollar für öffentliche Einrichtungen gespendet und gestiftet, nicht zuletzt den „Nobelpreis Asiens“, den Shaw Prize. Im Unterschied zu den aggressiven Helden seiner Filme war Run Run Shaw ein mildtätiger Mann.
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