Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist auf den höchsten Wert seit mehr als zwei Jahrzehnten gestiegen. Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Donnerstag in seiner aktuellen Analyse mitteilte, wurden im ersten Quartal 2026 insgesamt 4.573 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert. Einen derart hohen Wert hatte es zuletzt im dritten Quartal 2005 gegeben – die aktuelle Insolvenzwelle übertrifft damit sogar die Zahlen während der Finanzkrise 2009.
Allein im März meldeten 1.716 Personen- und Kapitalgesellschaften Insolvenz an. Das entspricht einem Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vormonat Februar und 18 Prozent im Vergleich zum März des Vorjahres. Noch drastischer fällt der Vergleich mit den Vor-Corona-Jahren aus: Gegenüber einem durchschnittlichen März der Jahre 2016 bis 2019 liegt die Zahl der Pleiten um 71 Prozent höher. Einen höheren Monatswert gab es laut IWH zuletzt im Juni 2005.
Besonders hart trifft es einzelne Branchen und Regionen. Das IWH, das seit Januar 2020 eigene branchenspezifische Daten erhebt, verzeichnete im März die höchsten jemals gemessenen Insolvenzwerte im Baugewerbe, im Handel sowie bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen. Regional stachen Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen mit neuen Höchstständen seit 2020 hervor. Das Statistische Bundesamt selbst veröffentlicht keine branchenspezifische Aufschlüsselung für Personen- und Kapitalgesellschaften.
Düstere Aussichten für die nächsten Monate
Rund 54.000 Arbeitsplätze waren im ersten Quartal 2026 von Insolvenzen betroffen – der höchste Wert seit dem dritten Quartal 2020, als unter anderem große Unternehmen wie Esprit, Vapiano und Wirecard in die Insolvenz gingen. Den größten Anteil der gefährdeten Stellen verzeichnete wie schon in den Vorquartalen das verarbeitende Gewerbe mit rund 16.000 Jobs.
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Im März selbst waren in den zehn Prozent der größten insolventen Unternehmen etwa 14.000 Arbeitsplätze betroffen. Dieser Wert liegt zwar 40 Prozent unter dem Vormonat und 15 Prozent unter dem Niveau vom März 2025, übersteigt den Durchschnitt eines typischen Vor-Corona-März aber um 77 Prozent. Der starke Anstieg bei der Gesamtzahl der Insolvenzen geht dem IWH zufolge vor allem auf eine Häufung von Pleiten bei kleineren Unternehmen zurück, zugleich lag die Zahl der betroffenen Beschäftigten in den größten 10 Prozent der insolventen Unternehmen 40 Prozent unter dem Vormonat und 15 Prozent unter dem Niveau von März 2025.
Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, zeichnete ein düsteres Bild für die kommenden Monate. Die vom Institut erhobenen Frühindikatoren, die dem tatsächlichen Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorauslaufen, seien im Februar und März auf „ungewöhnlich hohe Werte“ gestiegen. Müller erklärte: „Unsere Frühindikatoren lassen für das zweite Quartal 2026 wenig Raum für Optimismus. Wir erwarten weiterhin sehr hohe Insolvenzzahlen. Es ist möglich, dass sich die sehr hohen Werte aus dem März wiederholen.“
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Das IWH gilt als eine der führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Insolvenzforschung in Deutschland. Der monatlich veröffentlichte IWH-Insolvenztrend wertet die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft diese mit Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen. Die Ergebnisse liegen damit deutlich schneller vor als die amtliche Statistik, die mit etwa zwei Monaten Zeitverzug veröffentlicht wird, und weichen laut IWH nur geringfügig von den amtlichen Zahlen ab. Die erfassten Insolvenzen von Kapital- und Personengesellschaften decken nach Angaben des Instituts in der Regel mehr als 90 Prozent der von Unternehmensinsolvenzen betroffenen Arbeitsplätze und 95 Prozent der Forderungen ab.
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