Sorry, no registration!“, sagt ein Securitymitarbeiter vor dem Lageso zu einem Mann und will ihn wegschicken. Der Mann rückt seinem Kind die Kapuze zurecht, es regnet. Mit dem Finger zeigt er auf ein Papier. Ein anderer, jüngerer Herr versucht zu vermittlen, er spricht ruhig auf den Securitymitarbeiter ein: „Verstehen Sie? Das Kind ist krank.“ Der Mitarbeiter aber schüttelt seinen Kopf, „Sorry! Tomorrow is better“ sagt er. „Kommen Sie morgen wieder.“
Ein kalter Wind weht. Wie in den Wochen zuvor, warten auch am Mittwoch mehrere hundert Flüchtlinge auf dem Lageso-Gelände. Sie haben durchsichtige und dünne Regen-Capes über ihre Jacken gezogen, viele haben einen Regenschirm dabei, andere stellen sich in Zelten unter oder suchen unter Bäumen Schutz. Hauptsache nicht in eine Pfütze treten.
Kein Hinweis auf die Personalversammlung
An diesem Mittwoch wartet man hier noch länger als sonst, und das hat einen Grund: Im Lageso wird eine Personalversammlung abgehalten. Nahezu der komplette Betrieb wurde eingestellt, nur spärlich rücken einzelne Flüchtlinge vor. „Sie hätten einfach sagen sollen: Heute haben wir zu“, sagt Mariam wütend. Sie hat einen syrischen Flüchtling, den sie bei sich zu Hause privat beherbergt, hierhin begleitet. „Flüchtlinge bei dieser Kälte so warten zu lassen, das ist unverschämt.“ Auf dem ganzen Gelände gibt es kein Hinweisschild, dass sich wegen einer Personalversammlung alles verzögert. Hätte das nicht nach außen kommuniziert werden sollen?
„Am Dienstag um 17.16 Uhr haben wir eine Nachricht vom Lageso bekommen“, sagt Susan Hermenau, Sprecherin des Flüchtlingsheimbetreibers Prisod, der in Berlin für mehrere Flüchtlingsheime zuständig ist. „Das ist ziemlich kurzfristig.“ Daraufhin hätten die Mitarbeiter in den Heimen Infoflyer auf arabisch, persisch, russisch, albanisch und in anderen Sprachen gedruckt und verteilt, auf denen davor abgeraten wurde, sich am Mittwoch vor das Lageso zu begeben. „Aber das hilft alles nichts“, sagt sie. Viele Flüchtlinge würden sich dennoch anstellen, weil es ihre Hoffnung ist, dadurch schneller registriert zu werden.
Sonst, so denken sie, würden sie abgeschoben. „Viele haben Angst vor Abschiebung“, berichtet Hermenau. Sowieso würde die Prisod GmbH in den von ihr betriebenen Heimen schon seit mehreren Wochen Flüchtlingen davon abraten, sich vor dem Lageso anzustellen. Der Rückstau sei enorm, die Wahrscheinlichkeit, dass man am Ende umsonst gewartet hat, viel zu groß. „Der eine Flüchtling nimmt unseren Rat an, der andere nicht.“
„Auch Lageso-Mitarbeiter psychisch belastet“
Die Personalversammlung im Lageso wurde wie angekündigt um 14 Uhr beendet. Das bestätigt die Sprecherin des Lageso, Silvia Kostner. In der Versammlung habe der Personalrat vor allen Dingen „die Überlastung der Mitarbeiter“ und „die unschöne Wartesituation der Flüchtlinge“ angesprochen, „die wiederum auch Lageso-Mitarbeiter psychisch belastet“.
Nicht alle Mitarbeiter hätten an der Personalversammlung teilgenommen, deren Termin bereits monatelang feststand. „Dadurch konnte ein Notbetrieb für die Flüchtlinge aufrecht erhalten werden“, sagte Kostner. Ein Problem in der kurzfristigen Benachrichtigung der Flüchtlinge über die Personalversammlung sieht die Sprecherin nicht: „Für diesen Tag haben wir sowieso keine Termine vergeben.“ Eine frühere Kommunikation hätte ohnehin nicht Flüchtlinge davon abhalten, sich vor dem Lageso anzustellen.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de