Flughafen BER

Technik-Chef des BER unter Korruptionsverdacht

Wenn sich der Verdacht erhärten sollte, wäre es ein heftiger Rückschlag für das Projekt Hauptstadtflughafen: Gegen Technik-Chef Jochen Großmann wird wegen Korruptionsverdacht ermittelt. Er soll eine halbe Million Euro für eine Auftragsvergabe gefordert haben.

Frederik Bombosch
3 Min

Einer der wichtigsten Mitarbeiter der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) steht unter Korruptionsverdacht. Er soll im Rahmen einer Auftragsvergabe Schmiergeld in Höhe von einer halben Million Euro gefordert haben. Wie die FBB am Dienstag mitteilte, hat die Staatsanwaltschaft Neuruppin Ermittlungen aufgenommen. Staatsanwalt Frank Winter sagte der Berliner Zeitung: „Es ist ein ziemlich klarer Fall.“

Nach Informationen der Berliner Zeitung handelt es sich bei dem Mitarbeiter um Jochen Großmann, den Technikchef der FBB. Er ist unter anderem verantwortlich für den Umbau der Entrauchungsanlage im Terminal des zukünftigen Hauptstadtflughafens BER und gilt als einer der engsten Vertrauten von Flughafenchef Hartmut Mehdorn. Bestätigt sich der Verdacht, dann verliert er eines der wichtigsten Mitglieder des Sprint-Teams, das die Fertigstellung des BER vorantreiben soll.

Der Tatzeitraum liegt nach Angaben von Staatsanwalt Winter zwischen Dezember 2013 und Anfang Februar 2014. Kurz zuvor hatte die FBB einen wichtigen Auftrag für die Umplanung der Entrauchungsanlage des BER-Terminals an ein Darmstädter Ingenieurbüro vergeben. Nach Informationen der Berliner Zeitung forderte Großmann in diesem Zusammenhang die Schmiergeldzahlung. Das Geld floss aber nicht. Die Compliance-Abteilung des Unternehmens wurde vor wenigen Wochen auf Unregelmäßigkeiten aufmerksam und nahm Kontakt mit Mehdorn auf. Dieser überprüfte den Verdacht, stieß auf Indizien und informierte die Staatsanwaltschaft. Sie ermittelt nicht nur gegen Großmann, sondern auch gegen den Mitarbeiter des Ingenieurbüros. Am Dienstag untersuchten die Ermittler mehrere Büros und befragten Großmann.

Scheinvertrag mit Ingenieurbüro

Nach bisherigen Erkenntnissen nahm das Ingenieurbüro, dessen Name der Berliner Zeitung bekannt ist, für seine Planungsleistungen einen überhöhten Preis von der Flughafengesellschaft. Im Gegenzug hätte es einen Scheinvertrag zwischen dem Ingenieurbüro und einem von Großmanns Unternehmen gegeben. Er war zum Tatzeitpunkt noch nicht bei der Flughafengesellschaft angestellt, sondern freiberuflich als Berater tätig.

Staatsanwalt Winter lobte die Kooperationsbereitschaft der Flughafengesellschaft. „Alle Daten, die wir benötigten, wurden uns übermittelt“, sagte er. Darum würden auch keine Geschäftsräume der FBB durchsucht. Flughafensprecher Ralf Kunkel betonte: „Wir haben eine Nulltoleranzpolitik bei Korruptionsfällen.“ Der Verdachtsfall ist wegen der Summe besonders schwer – zumal der betreffende Auftrag im niedrigen siebenstelligen Bereich lag.

Großmann ist nach Informationen der Berliner Zeitung bereits von seinen Aufgaben entbunden worden. Der in Dresden lebende Sachse war seit vorigem Sommer am Flughafen tätig, wurde jedoch erst im Frühjahr fest angestellt. Noch vor zwei Wochen erläuterte der Ingenieur vor den Abgeordneten des BER-Sonderausschusses im brandenburgischen Landtag seine Pläne für den Umbau der Entrauchungsanlage, die als eines der größten Probleme am BER gilt. Großmann plante, den komplexesten Teil der Anlage in mehrere Segmente zu unterteilen. „Wir sind auf einem guten Weg“, versicherte er. Planungsunterlagen des Ingenieurs Alfredo di Mauro, der ursprünglich mit dem Projekt betraut war, hatte er zuvor zerstören lassen.

Martin Delius (Piraten), Vorsitzender des BER-Untersuchungsausschusses, sagte der Berliner Zeitung: „Wenn die Vorwürfe zutreffen, müssen alle Planungen, für die Großmann verantwortlich war, überprüft werden.“ Er forderte die rot-schwarze Koalition zudem auf, der Erweiterung des Untersuchungsauftrags zuzustimmen. Derzeit darf sich der BER-Untersuchungsausschuss nur mit den Vorgängen bis zum Jahr 2012 beschäftigen.

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