Erstmals hat ein Politiker öffentlich eingeräumt, dass der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) nach seiner Eröffnung auf Jahre Verluste machen wird. „Aufgrund meiner bisherigen Kenntnisse gehe ich davon aus, dass der Flughafen in den 2020er-Jahren in die Gewinnzone gelangt“, sagte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba (CDU), am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Dort wurde Bomba, Mitglied des Flughafen-Aufsichtsrats, zu der Pannenserie befragt, die eine Eröffnung des Airports bisher unmöglich machte.
Vor dem Gremium belastete Bomba die damalige Geschäftsführung schwer. Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen habe trotz kritischer Nachfragen aus dem Aufsichtsrat kein realistisches Bild vom Zustand der Baustelle gezeichnet. Flughafen-Chef Rainer Schwarz habe zwar einen guten Flugbetrieb in Tegel organisiert, beim Risikomanagement des BER aber versagt.
Unmut der Gesellschafter
Kritiker und einige Bürgerinitiativen weisen schon lange darauf hin, dass der BER auch nach seiner Inbetriebnahme zunächst vom Geld der Steuerzahler finanziert werden muss. Diese Defizite in unbekannter Millionenhöhe müssten von Berlin und Brandenburg sowie dem Bund, den drei Gesellschaftern des Flughafens, getragen werden. Im Oktober hatte bereits der Bund der Steuerzahler Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Flughafens geäußert und von einem Beispiel der Kostenexplosion und Verschwendung gesprochen. Er ging davon aus, dass die direkten Baukosten die Fünf-Milliarden-Grenze übersteigen werden.
Dass der zuletzt genannte Finanzrahmen von 4,3 Milliarden Euro nicht zu halten sein wird, dem wird auch von Politikern nicht mehr widersprochen. Erst im vergangenen Herbst hatten die Gesellschafter 1,2 Milliarden Euro nachschießen müssen. Angeblich haben die Kosten inzwischen bereits 4,7 Milliarden erreicht, wie aus der Aufsichtsratssitzung im Oktober verlautete. In Gesellschafterkreisen gibt es zunehmend Unmut darüber, dass von Seiten der Flughafengesellschaft noch keine exakten Zahlen vorgelegt wurden, welche Summen der BER bisher verschlungen hat.
Termin vermutlich nicht vor Herbst 2015
Nach dem Geheimpapier des Projektsteuerers WSP/CBP, das die Bild-Zeitung am Freitag veröffentlichte, dürften die Gesamtkosten in Richtung sechs Milliarden Euro klettern. Der brandenburgische Staatssekretär Rainer Bretschneider sprach gegenüber der Berliner Zeitung von Spekulationen. „Ich will aber nicht ausschließen, dass es teurer als bisher geplant wird“, sagte er. „Im Moment hat die Gesellschaft aber noch genug Geld, um bis in das Jahr 2014 hinein arbeiten zu können.“
Staatssekretär Bomba sagte: „Ich kenne das Papier nicht.“ Vor dem Untersuchungsausschuss erklärte Bomba, dass er bereits im April 2012, einen Monat vor der Absage des Eröffnungstermins, Zweifel an der pünktlichen Inbetriebnahme des BER geäußert habe.
Der Termin der Flughafen-Eröffnung, der nun Anfang des nächsten Jahres bekannt gegeben werden soll, dürfte allerdings kaum vor Herbst 2015 liegen. Aufsichtsräte hoffen, dass es wenigstens im Frühjahr 2016 soweit sein kann. Allein der aufwendige Umbau der Entrauchungsanlage, die vor zehn Tagen Siemens übertragen wurde, dauert – wenn die Planungen abgeschlossen sind – nach offiziellen Angaben anderthalb Jahre. Daran muss sich eine fünfmonatige Flughafen-Testphase anschließen.
Die zuletzt geplante Eröffnung am 27. Oktober diesen Jahres hatte der damalige Flughafen-Geschäftsführer Rainer Schwarz im Januar abgesagt – kurz darauf musste er gehen.
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