Die in der Nacht zu Mittwoch am Flughafen Leipzig/Halle gesichtete Drohne verfügte über eine „Sprengvorrichtung“. Das hat das Landeskriminalamt Sachsen am Mittwoch mitgeteilt. Das Fluggerät sei nach dem Fund mit einem Sprengstoffroboter untersucht worden, der Zünder sei entfernt worden.
Wegen der gesichteten Drohne und eines verdächtigen Gegenstands in der Nähe der Start-/Landebahn „Südpiste“ war der Flughafen Leipzig/Halle in der Nacht zu Mittwoch zeitweise gesperrt worden. Der Flugverkehr wurde für rund zwei Stunden komplett eingestellt, eine Passagiermaschine und mehrere Frachtflieger mussten auf andere Flughäfen umgeleitet werden. Zudem kam es zu einem Zusammenstoß zwischen einem Frachtflugzeug und einem weiteren unbekannten Flugobjekt. Das teilte die sächsische Landespolizei mit.
Die Zentralstelle Extremismus Sachsen (ZESA) bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen, Polizeiliches Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ), haben die Ermittlungen inzwischen übernommen. Der Flughafen gehört zum Bereich der kritischen Infrastruktur.
Am Mittwochmittag äußerte sich der sächsische Staatsminister des Innern, Armin Schuster, zu dem Vorfall: „Bei den Vorkommnissen am Leipziger Flughafen handelt es sich um einen sehr ernsten Sicherheitsvorfall. Deshalb ermitteln Landes- und Bundessicherheitsbehörden seit heute Nacht unter Hochdruck Hand in Hand. Unter anderem ist das Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen (GAZ Hybrid) und die Drohnenabwehr der Bundespolizei involviert. Ich stehe dazu auch in ständigem Austausch mit Bundesinnenminister Dobrindt.“
Flughafen wird von Nato und Bundeswehr genutzt
Der Flughafen Leipzig/Halle ist kein offizieller Militärflugplatz der Bundeswehr oder ausländischer Streitkräfte. Allerdings wird er seit Jahrzehnten von der Bundeswehr und der Nato für den Transport von Material und Großgerät genutzt.
Das Programm Strategic Airlift International Solution (SALIS) spielt dafür eine zentrale Rolle. Es regelt die Bereitstellung von strategischen Lufttransportkapazitäten mit Antonov-124-Transportflugzeugen. Konkret geht es um die Verlegung von Militärgroßgerät und auch Truppentransporte innerhalb von 72 Stunden in alle Teile der Welt.
Antonov-Transportflugzeuge am Flughafen Leipzig/Halle. An dem Airport wird auch Ausrüstung für die ukrainische Armee verladen. In der Nähe eines solchen Flugzeugs wurde eine Drohne gesichtet.
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Leipzig ist Basis der Antonov-Flotte
Die Antonov Logistics SALIS GmbH (ALS) ist die deutsche Tochter des staatlichen ukrainischen Flugzeugbauers Antonov. Sie organisiert am Flughafen Leipzig/Halle Schwerlasttransporte der Antonov Airlines und setzt für die NATO-Beschaffungsagentur NSPA das SALIS-Programm um.
Schon vor der russischen Invasion in der Ukraine standen dafür in Leipzig zwei An-124 bereit. Sie transportierten auf Abruf übergroßes Gerät für NATO- und EU-Staaten. Als Russland am 24. Februar 2022 angriff, befanden sich fünf An-124 von Antonov auf Einsätzen außerhalb der Ukraine. Das Unternehmen stationierte sie anschließend in Leipzig und verlagerte Planung, Wartung und Flugbetrieb an den sächsischen Flughafen.
Seither ist Leipzig die Einsatzbasis der Flotte für zivile Spezialfracht und militärische Charter. Öffentlich einsehbare Flugdaten bei Flightradar24 zeigen dabei keine feste Linien- oder Pendelverbindung: Die Maschinen fliegen je nach Auftrag weltweit; eine wiederkehrende Strecke führt jedoch zwischen Leipzig und dem polnischen Flughafen Rzeszów-Jasionka, dem zentralen westlichen Logistikdrehkreuz für Hilfsgüter und militärische Unterstützung der Ukraine. Zu einzelnen Ladungen oder Auftraggebern äußert sich Antonov in der Regel nicht.
Im Juli 2025 wurde zudem eine sechste, seit Kriegsbeginn in Kiew-Swjatoschyn gestrandete und modernisierte An-124 nach Leipzig ausgeflogen - auf Flightradar24 erschien sie erst nahe der polnischen Grenze.
Seit diesem Jahr baut Antonov seine Präsenz am Standort Leipzig weiter aus. Im Nordbereich des Flughafens entsteht ein neuer, dauerhafter Wartungshangar, der 2027 in Betrieb gehen soll.
Die Logistikflüge erfolgen über die Startbahn 2. Genau hier stand am Dienstagabend auch jene Maschine der Antonov Logistics SALIS GmbH, in deren Nähe zunächst die Drohne und später auch der unbekannte Gegenstand entdeckt wurden. Was sie geladen hatte? Dazu gibt es keine Auskunft. Dafür den Hinweis, dass der Flugbetrieb am Drehkreuz Leipzig Halle seit den Morgenstunden für zivile Maschinen wieder planmäßig laufe.
Betroffen waren in der Nacht vor allem Reisende aus Palma de Mallorca und der große DHL-Frachtstandort am Airport. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand nach Angaben der Polizei zu keinem Zeitpunkt. Die Startbahn Süd ist weiter gesperrt, heißt es vonseiten der Polizei. Das habe aber keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb, da dort heute ohnehin Wartungsarbeiten geplant gewesen seien, so eine Flughafensprecherin.
Wie es in der Nacht zum Polizeieinsatz kam
Auslöser war zunächst die Sichtung einer Drohne. Daraufhin wurde der Flugbetrieb gestoppt. Der Vorfall ereignete sich nach Polizeiangaben am Dienstagabend gegen 23.40 Uhr. Zunächst sei ein unbekanntes Objekt gesichtet worden, anschließend habe man im Bereich der südlichen Start- und Landebahn einen Gegenstand gefunden.
Ein mutmaßlich zweites unbekanntes Flugobjekt stieß zudem mit einem Frachtflugzeug zusammen, nachdem dieses aufgrund der zuvor erfolgten Sperrung der Landebahn wieder durchstartete. Bei der Maschine konnten nach der Landung in Hannover leichte Beschädigungen festgestellt werden.
Am Flughafen Leipzig/Halle kam ein Entschärfungsroboter zum Einsatz.
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Landes- und Bundespolizei rückten mit einem größeren Aufgebot an. Im Einsatz war auch ein Sprengstoffroboter, um den unbekannten Gegenstand zu untersuchen.
Das Landeskriminalamt Sachsen richtete am Mittwoch ein Hinweistelefon sowie ein Hinweisportal ein. Zeugen, die sich im Zeitraum ab Dienstagnachmittag bis Mittwochmorgen im Bereich des Flughafens Leipzig/Halle befanden und Hinweise zu Personen, Fahrzeugen sowie zu Fahrzeugbewegungen machen können, werden gebeten, dies zu tun. Auch Hinweise aus den sozialen Medien oder dem Internet sind von Bedeutung.
Passagierflug und Frachtmaschinen umgeleitet
Die Sperrung traf sowohl Urlauber als auch die Logistikbranche. Eine verspätete Passagiermaschine der Fluggesellschaft Marabu aus Palma de Mallorca konnte nicht wie geplant landen.
Die Maschine wurde nach Nürnberg umgeleitet und erreichte Leipzig erst später in der Nacht. Das geht aus Daten des Flugverfolgungsdienstes Flightradar24 hervor.
Auch der Frachtverkehr am DHL-Hub war betroffen. Ab etwa Mitternacht kam es dort zu erheblichen Behinderungen, geplante Abflüge verzögerten sich bis in die Morgenstunden.
Der Logistikkonzern DHL bestätigte lediglich einen „Vorfall“ im Umfeld des Flughafens, der von den Behörden untersucht werde. Zu Auswirkungen oder möglichen Mehrkosten durch die Umleitungen wollte sich das Unternehmen nicht äußern.
Polizei und Feuerwehr im Einsatz auf dem Rollfeld.
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Nach rund zwei Stunden konnte der Flughafen den Betrieb schrittweise wieder aufnehmen. Um 1.55 Uhr wurde der Flugverkehr wieder freigegeben. Seitdem lief der gesamte Verkehr über die Nordpiste des Flughafens. Die Südpiste blieb zunächst gesperrt, weil dort nach Spuren gesucht wurde.
Flughafen Leipzig/Halle ist wichtiges Drehkreuz
Der Frachtverkehr, sowohl zivil als auch zunehmend militärisch, hat eine große Bedeutung am Flughafen Leipzig. Er ruft immer wieder Bürgerinitiativen und Anwohner auf den Plan, die den Fluglärm nachts beklagen. Wie groß der Anteil der Militärtransporte ist, die über den Flughafen Leipzig/Halle abgewickelt werden, ist nicht einfach zu ermitteln.
Die Fluglärmkommission Sachsen registrierte für 2024 insgesamt 545 Flüge der Antonov-Maschinen. In 405 Fällen handelte es sich dabei um eine militärische Nutzung im Rahmen des Charterverkehrs. Also Maschinen, die im Auftrag der Nato, der Bundeswehr oder anderer Bündnispartner geflogen sind.
Was genau die Maschine transportieren und ob dabei auch Rüstungsexporte eine Rolle spielen, wollten einige Bundestagsabgeordnete und die Fraktion Die Linke im Oktober vorigen Jahres wissen. Sie stellten eine kleine Anfrage an die Bundesregierung, die aber mit Verweis auf die schutzwürdigen Interessen von Partnernationen Deutschlands sowie deren Sicherheitsarchitektur unbeantwortet blieb.
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