Na, wo legen Sie Ihren Arm ab, wenn Sie im Flugzeug, im Kino oder in Theater sitzen? Im Schoß, auf den Armlehnen, oder nur einseitig, damit die neben Ihnen sitzende Person auch eine Armlehne hat?
Gibt es da feste Regeln oder gar Gesetze, die vorschreiben, wer welche Armlehne benutzen darf? Und was, wenn es Streit gibt? Die Berliner Zeitung hat nachgefragt.
Armlehnenstreit: Das sagt der Anwalt
Der Charlottenburger Rechtsanwalt Jan Bartholl hat beruflich hauptsächlich mit Zivilstreitigkeiten zu tun – in diesen Bereich würde auch ein Gerangel um die Armlehne fallen, so sie denn entsprechend aktenkundig wäre und vor Gericht landen würde.
Aber bekannt ist dem Experten so ein Fall nicht. „Streng genommen ist das ja auch keine juristische Frage, sondern eine Frage des zwischenmenschlichen Miteinanders, des Benehmens“, sagt der Anwalt. „Man spricht sich ab oder verhält sich so, dass es für alle Beteiligten passt.“
Grundsätzlich gelte das Hausrecht, haben also Kino- und Theaterbetreibende das letzte Wort. Im Flugzeug hat der Kapitän das Sagen.
„Bei Problemen sollte man sich immer zuerst an die Crew wenden, die eine deutliche Ansage machen kann“, rät Jan Bartholl. Ebenso seien Mitarbeitende im Theater, in der Oper, beim Ballett oder eben im Kino dazu befähigt, einzuschreiten, wenn sich jemand daneben benimmt.
Schlimmstenfalls kann jemand, der uneinsichtig ist, des Hauses verwiesen werden. Im Flieger ist das ein bisschen komplizierter, wie der Jurist weiß: „Wenn Menschen sehr renitent sind, kann der Captain sich entscheiden, zwischenzulanden und die Person von Bord zu schicken. Dann wird man von der Polizei abgeführt, bekommt eine Anzeige und muss die Kosten für die Zwischenlandung tragen.“
Diese bewegen sich schnell im mittleren Zehntausenderbereich – und keine Versicherung springt ein. Man hätte also damit gleich noch einen großen Berg Schulden. Hinzu kommt, dass andere Gäste und die Airline einen auch noch auf Schadensersatz verklagen können.
Außerdem werde in solch einem Fall ein lebenslanges Flugverbot seitens der Fluglinie verhängt. Auch Kinos und Theater können ein Hausverbot aussprechen – das gehört zum Hausrecht
Gibt es im Flugzeug ein Armlehnenrecht?
„Es gibt keine feste Regel, wem die Armlehnen gehören“, teilt die Lufthansa auf Nachfrage mit und ergänzt: „Bei 3000 Flügen täglich in der Lufthansa Group sind uns keine ernsthaften Streitereien um die Nutzung der Armlehnen bekannt.“
Die meisten Passagiere finden problemlos einen Weg, sich zu arrangieren. Vielfach nutzen die am Gang und am Fenster Sitzenden die dort befindlichen Lehnen und überlassen der Person auf dem Mittelplatz beide Armlehnen.
Das ist eine Gepflogenheit – nicht bindend, nicht zwingend, nicht jedem Menschen bekannt. Und deshalb gibt es auch keine Verpflichtung, sich daran zu halten.
Die Erfahrung jedoch zeige, dass „diplomatisches Geschick und miteinander zu reden auch hier, wie so oft im Leben, zu einer Einigung führt“, schreibt die Lufthansa.
Welche Armlehnenregeln gelten im Theater?
Es muss ja nicht immer gleich ein Gesetzesparagraf sein, sondern vielleicht eher ein ungeschriebenes Gesetz, das Theaterprofis kennen, für Laien aber ein Fettnäpfchen sind.
So wie die Frage, wie man denn nun in die besetzte Reihe hineinläuft: Wendet man den Menschen den Rücken und somit den Po zu, oder das Gesicht, den vielleicht etwas runden Bauch und somit irgendwie auch die Geschlechtsteile?! Ist schließlich sehr eng, wenn man an jemandem vorbei will ...
Laut inoffiziellem Theaterknigge sollte man beim Vorbeigehen den Menschen das Gesicht zuwenden, um ihnen eben nicht das Gesäß quasi ins Gesicht zu halten, wenn sie bereits in der Reihe sitzen. Eine ähnliche Benimmregel in Bezug auf die Armlehne gibt es jedoch nicht.
„Manche Dinge des Alltags sind dem Prozess des Aushandelns überlassen“, so Marion Troja, Pressesprecherin des Deutschen Bühnenvereins. „Also gilt es, sich im Publikum untereinander zu verständigen, wer den Arm wo und wie ablegt.“
Was hilft bei Reise- und Flugangst? Psychologin gibt Tipps
Unrasierte Beine und Tattoos: Swiss Air lockert Regeln für Bordpersonal
Mit wem muss man sich im Kino die Armlehne teilen?
Ähnlich wie alle zuvor Zitierten sieht es auch der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) Kino: „Es gibt keine offizielle Regel, zu welchem Platz welche Armlehne im Kino gehört. Und in den meisten Kinos sind die Armlehnen auch ausreichend groß, dass zwei Ellenbogen darauf Platz finden sollten“, teilt Jonas von Fehrn-Stender vom HDF mit.
Zudem ist es vor allem in den großen Kinopalästen so, dass die Sitze mittlerweile riesig sind und jeder Sessel seine eigenen Armlehnen, vielfach sogar einen eigenen Beistelltisch hat.
Die meisten Menschen sind einen Teil der Zeit ohnehin damit beschäftigt, mit der einen Hand die Nachobox oder Popcorntüte zu halten und mit der anderen sich selbst zu füttern. Ein idealer Zeitpunkt, die Armlehnen zu okkupieren …
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de