Cubana de Aviación stellt die Flüge CU471 und CU470 zwischen Madrid, Santiago de Cuba und Havanna ab Dienstag ein. Das teilte die staatliche kubanische Fluggesellschaft am Sonntag in Havanna mit. Der mit der Durchführung der Flüge beauftragte Betreiber habe die sofortige Streichung angekündigt. Gekaufte Tickets sollen erstattet werden.
Cubana begründet den Schritt mit Risiken aus einem Dekret, das US-Präsident Donald Trump am 1. Mai 2026 unterzeichnet hat. Es sei ein Fall höherer Gewalt, auf den das Unternehmen keinen Einfluss habe.
Die Strecke wurde zusammen mit der spanischen Fluggesellschaft Plus Ultra Líneas Aéreas im sogenannten ACMI-Modell betrieben. Dabei stellt die andere Airline Flugzeug, Besatzung, Wartung und Versicherung gegen Bezahlung. Schon zuvor hatte Cubana den Verkehr zwischen Spanien und Kuba wegen der Energiekrise auf der Insel auf einmal pro Woche reduziert. Die Streichung trifft auch Reisende aus Ostkuba, für die der Zwischenhalt in Santiago de Cuba eine direkte Verbindung nach Spanien bot.
Neues US-Dekret zielt auf Drittstaaten
Hintergrund ist ein Dekret des Weißen Hauses vom 1. Mai. Es erlaubt der US-Regierung, auch Personen und Unternehmen außerhalb der USA mit Sanktionen zu belegen, wenn sie in bestimmten Bereichen der kubanischen Wirtschaft tätig sind. Auch ausländische Banken, die Geschäfte mit solchen sanktionierten Personen abwickeln, können von US-Konten ausgeschlossen oder selbst mit Vermögenssperren belegt werden.
Havanna verweist regelmäßig auf die seit 1962 bestehende US-Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade als zentrale äußere Ursache für Kubas ökonomische Schwierigkeiten. Die Uno-Vollversammlung fordert seit 1992 in jährlichen Resolutionen mit großer Mehrheit ein Ende dieser Blockade.
Folgen für Reisende und Frankfurt-Route
Bereits zuvor hatten mehrere Airlines ihre Flugverbindungen nach Kuba wegen Kerosinmangels reduziert. Kuba ist bei der Energie- und Treibstoffversorgung stark auf importiertes Öl angewiesen. Die Trump-Regierung hat zu Jahresbeginn venezolanische Öllieferungen an Kuba blockiert und droht jedem Land, das die Insel mit Treibstoff beliefert, Strafzölle an.
Die spanische Iberia setzt ihre Direktflüge zwischen Madrid und Havanna vom 1. Juni bis zum 24. Oktober 2026 aus. Air Canada verschob die Wiederaufnahme ihrer Kuba-Flüge auf den 1. November, Air Transat auf den 20. Juni, mit geringerer Sommerkapazität. Air Europa hält ihre Verbindung zwischen Madrid und Havanna vorerst aufrecht. Auf dem Rückflug von Havanna nach Madrid ist wegen Treibstoffmangels am Flughafen Havanna bis einschließlich 31. Mai ein Tankstopp in Santo Domingo vorgesehen.
Die Einschnitte treffen einen Markt, in dem die Zahl internationaler Besucher Anfang 2026 bereits um 30 Prozent unter dem Vorjahreswert lag. Der Tourismussektor des karibischen Inselstaats ist auf ausländische Quellmärkte und internationale Verkehrsverbindungen angewiesen. Die Einkommen vieler Menschen in Kuba hängen direkt oder indirekt vom Tourismus ab.
Seit Dezember 2025 flog Cubana zusammen mit Plus Ultra von Frankfurt am Main nach Holguín und Havanna. Zum 1. April wurde diese Route auf einen wöchentlichen Flug am Mittwoch reduziert. Als Grund nannte Orlando Ramos Blanco, Leiter des kubanischen Fremdenverkehrsamts in Berlin, gegenüber dem Branchenmedium Travel Trade Caribbean die Treibstoff-Blockade. Dass Plus Ultra die Verbindung zwischen Kuba und Deutschland weiter betreibt, ist jetzt fraglich.
Der Ökonom Paolo Spadoni von der Augusta University im US-Bundesstaat Georgia sagte Reuters, ein vollständiger Zusammenbruch des Tourismussektors würde „eine unhaltbare Situation für die kubanische Wirtschaft schaffen und deren Überleben gefährden“. Aus Sicht Havannas zielt die unter Trump verschärfte Politik gegenüber Kuba auf einen Sturz der Regierung und die Rückkehr der Insel unter US-Vorherrschaft.
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