Mit Essen spielt man nicht? Manchmal schon. Mit Essen darf man spielen, wenn’s den Appetit anregt und die Laune hebt oder der Gesundheit dient. Findet zumindest die Designerin Heather Adamson, die es gerade zu Ruhm im Netz bringt, weil sie Vergnügen, Kunst und Nahrung in Schüsseln und auf Tellern verbindet.
Die schottische Food- Bloggerin hat Emojis aus der Welt der Kurznachrichten befreit: den Smiley mit den großen, weißen Zähnen zum Beispiel oder den Affen, der sich die Augen zuhält. Und sie verziert Müsli oder Porridge am Morgen mit ihnen.
Wie das geht? Sie füllt eine Schüssel mit Bananen-Haferbrei und verziert die gesunde Basis dann zum Beispiel mit einem Emoji-Smiley. Das gelbe Gesicht schnitzt sie aus einer Mango, die weißen Zähne bastelt sie aus Kokosnussfleisch, und die Augen streut sie aus Chia-Samen drauf – fertig. Heather Adamson fotografiert ihre Kreationen und postet sie auf Instagram, wo sie als „Fresh Heather“ zu finden ist und 117.000 Follower hat.
Ein alter Bekannter, der Smiley mit den großen, weißen Zähnen - hier aus Mango, Kokosfleisch und Chia-Samen (für die Augen). Darunter ist Bananen-Porridge.
„Gesundes Essen muss nicht langweilig sein“, sagt Adamson, die 22 Jahre alte Schottin, die auf Zypern aufgewachsen ist, in Glasgow studiert hat und jetzt wieder in Limassol auf Zypern lebt. Grafik-Designerin ist sie, Frühstücks-Fan und Veganerin dazu.
Alle Food-Kreationen, die sie postet, versieht sie mit nützlichen Erklärungen zu gesundem Essen. Kein Ess-Emoji ohne Botschaft, was man noch ausprobieren könnte, um sich besser zu ernähren.
Er will nicht Böses sehen. Oder ist er nur scheu? Der Emoji-Affe zum Aufessen hat eine Apfelscheibe als Schnauze. Die Nasenlöcher sind aus Apfelkernen.
Eher niedlich als einschüchternd: das Gespenst aus Banane, Kokos-Paste und Buchweizen. Drunter wartet Schoko-Porridge.
Die Frau mit den Haaren - ein Emoji, das gerne nach Friseurbesuchen verschickt wird. Zu sehen ist eigentlich eine “Information Desk Person“. Hier komponiert aus Apfel, Joghurt und Kokosraspeln.
Food Art nennt man das, was Heather Adamson da macht. Food Art ist nicht neu, stammt ursprünglich aus Japan und versteht sich als Gebrauchskunst. Zahlreiche Food-Künstler zeigen ihre Kreationen, ebenso schön wie vergänglich, im Netz.
Ida Skivenes aus Norwegen zum Beispiel, die in Berlin lebt, präsentiert ihre Schöpfungen als @idafrosk bei Instagram: Kermit, den Frosch, gibt es als Marzipan-Küchlein; den Schriftsteller Dostojewski hat sie mit Pesto gezeichnet (Titel: „Pestojevsky“).
Mark Northeast wiederum, ein britischer Webdesigner, hat sich auf Food Design spezialisiert, nachdem er seinen mäkeligen Sohn Oscar unter anderem durch eine Eisenbahn aus Toast, Gurke und Möhren zum Essen bringen konnte – ein praktischer Zugang.
Fabelhafte Zeichnungen aus Essen oder auch Essensresten wiederum kreiert die Künstlerin Red Hong Yi aus Malaysia: Berühmt ist ihr Tigerkopf geworden, komponiert aus Karotten- und Rettichschnitzen.
Essbare Emojis allerdings gab es in der Food-Art-Szene bislang noch nicht, da hat Heather Adamson eine Nische entdeckt. Wie kam sie auf die essbaren SMS-Zeichen? Im vergangenen Jahr, berichtete sie in einem Daily-Mail-Interview, lieferte sie sich mit anderen Foodies einen kleinen Wettbewerb: Wer komponiert die beste Haferflockenbrei-Verzierung? Und schon war sie da, die Idee. Weitere leckere Emojis werden folgen. Sind ja auch zu schön. Fast zu schön zum Essen.
Herzlichen Glückwunsch: Die Hibiskus-Blüte, dem Emoji nachempfunden, schenkte sich Heather Adamson zum Geburtstag. Drunter: Kekse (zum Geburtstag mal kein Porridge). Die Blüte ist aus Apfelscheiben, rosa wurden sie durch Rote-Bete- und Beeren-Puder.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de