Formel 1

Zwischen Schrott und Hoffnung: Mick Schumachers Endspurt

Punkte müssen her. Fair oder ungerecht? Die Frage kann wohl nur Mick Schumacher selbst beantworten – am besten auf der Formel-1-Strecke.

dpa
4 Min
Mick Schumacher muss sich beim Großen Preis von Austin beweisen.

Mick Schumacher muss sich beim Großen Preis von Austin beweisen.

© dpa/Hasan Bratic

Mick Schumacher nutzte die Zeit auf der familieneigenen Ranch in Texas zum Spaß haben. Er weiß, nun wird es ernst. Er ahnt, was passieren muss. „Hoffentlich können wir die Wende schaffen“, sagt er vor dem Großen Preis der USA in Austin. Wenn er wir sagt, dürfte Mick Schumacher auch die Patzer und Fehler des Teams mit einschließen, die ihm schon bessere Platzierungen raubten. Mit Blick auf die Ergebnisse aber vor allem auch sich selbst meinen – es geht um seine Zukunft in der Formel 1.

39 Rennstarts für den Haas-Rennstall und die Zusammenarbeit seit nun fast zwei Jahren reichen den Teambossen nicht aus für ein Urteil über die Qualitäten des 23-Jährigen. In den kommenden vier Grand Prix bis zum Saisonende soll und muss sich Schumacher beweisen, während bereits öffentlich mit Rivalen geflirtet wird.

Mick Schumacher muss zeigen, dass er noch punkten kann

„Wenn er bei uns bleiben will, muss er uns zeigen, dass er noch punkten kann. Darauf warten wir“, sagte Gene Haas zuletzt der amerikanischen Nachrichtenagentur AP. Zwölf Zähler holte Mick Schumacher bisher, seit sieben Rennen schaffte er es nicht mehr in die Top Ten. Teamkollege Kevin Magnussen kommt auf 22 Punkte, der Däne, dessen Vertrag längst verlängert wurde, wartet aber auch seit sechs Rennen auf einen weiteren Zähler. Derart öffentlich infrage gestellt wie der Sohn von Rekordchampion Michael Schumacher wurde der 30-Jährige aus Roskilde nicht, der durch das Aus des russischen Piloten Nikita Masepin beim US-Rennstall zum Comeback in der Motorsport-Königsklasse gekommen war.

Teamchef Günther Steiner und Besitzer Haas entschieden sich vor der Saison 2021 zu einem gewagten Experiment. In Masepin und Schumacher setzten sie gleich auf zwei Neulinge in der Formel 1 – mit dem viel zu langsamen Auto war eh nichts zu holen. 2022 wollte Haas angreifen. Dann musste Masepin gehen, und mit ihm sein Vater und Team-Hauptsponsor im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine. In Magnussen holten Steiner und Haas einen alten Bekannten zurück, er war bereits von 2017 bis 2020 Stammpilot des US-Rennstalls.

Mick Schumacher hatte Masepin im Rookie-Duell im Griff. 20:2 endete der direkte Vergleich in der Qualifikation. Nun steht es aus der Sicht des Deutschen 5:13. Schwerer wiegen aber die kostspieligen Fehler des ersten Saisondrittels, als er in Saudi-Arabien nach einem schweren Quali-Crash im Rennen nicht mal antreten konnte und als er in Monaco den Wagen im Rennen zerlegte. „Ich denke, dass Mick viel Potenzial hat, aber sie wissen, dass er uns ein Vermögen kostet und er viele Autos zu Schrott gefahren hat“, betonte Gene Haas.

Haas flirtet mit anderen Fahrern

Das habe Geld gekostet, das sie einfach nicht hätten. Also halten sie nach Alternativen Ausschau. Den Kontakt mit Nico Hülkenberg bestätigte Steiner nun bei RTL und n-tv. Zuvor hatte er in einem Interview für Daniel Ricciardo geschwärmt. Beide sind – Stand jetzt – ohne Vertrag fürs kommende Jahr. 

„Er verdient es, in der Formel 1 zu fahren, nicht wegen seines Namens, das ist ein unglaublicher Name, aber er hat die Fähigkeit, hier zu sein“, sagte Formel-1-Chef Stefano Domenicali schon über Mick Schumacher. Es sei „extrem wichtig, dass Mick Schumacher weiter Karriere in der Formel 1 macht. So faszinierend und wichtig die Technik in der Formel 1 auch ist: Die Kids hängen sich Poster der Helden hinterm Steuer in ihr Zimmer“, betonte Formel-1-Direktor Ross Brawn. Doch schon als mehr als nur noch die beiden Cockpits bei Haas und beim britischen Williams-Team frei waren, schlug kein Rennstall zu. Das gehört auch zur Wahrheit um Mick Schumacher. 

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