Berlin - Viele Berliner spüren die Folgen der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise in ihrem persönlichen Leben und wollen deshalb ihre Ausgaben senken. Das ergibt sich aus der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung zum Jahresende. Danach blickt jeder zweite Berliner mit Sorge auf die Wirtschaftsentwicklung im neuen Jahr. 54 Prozent der Bürger befürchten für 2012 einen Abschwung in Deutschland, so die repräsentative Umfrage unter 1003 Berlinern. Auch an zweiter Stelle der Sorgenliste steht mit der Angst vor finanziellen Verlusten, die 43 Prozent der Befragten äußern, ein ökonomisches Thema.
Auf die Frage, ob sie ihren Lebensstil unter dem Eindruck der Euro- und Finanzkrise geändert haben, geben 43 Prozent der Befragten an, dass sie versuchen, preisgünstiger einzukaufen. Knapp ein Drittel (31 Prozent) stellen größere Anschaffungen zurück, etliche verzichten auf Urlaub oder aufs Ausgehen.
Besonders Haushalte mit niedrigen Einkommen unter 1500 Euro schränken sich der Umfrage zufolge ein. In dieser Gruppe stellen 43 Prozent der Befragten größere Anschaffungen zurück, in besserverdienenden Kreisen (über 3000 Euro im Monat) nur 21 Prozent.
Die existenziellen Grundängste vor Krankheit (39 Prozent) und Unglücken in der Familie (34 Prozent) werden von den Berlinern erst nach der Sorge vor einer Wirtschaftskrise und finanziellen Verlusten genannt. Eine Verknüpfung mit der eigenen Situation auf dem Arbeitsmarkt scheint es aber mehrheitlich nicht zu geben. Die Unsicherheit über die Arbeitsplatzsituation (27 Prozent) steht bei erwerbstätigen Befragten mit der Furcht vor Terrorgefahren (28 Prozent) am Ende der Sorgenliste.
Das war bereits Ende des Finanzkrisenjahres 2008 so, als Forsa die gleichen Fragen schon einmal an die Berliner richtete. Damals dominierten die ökonomischen Sorgen noch deutlicher als jetzt. 64 Prozent sahen wirtschaftlich schwarz für einen Aufschwung im Jahr 2009, weit mehr als heute. Ende 2008 fürchteten insbesondere die älteren (und krisenerfahrenen) Berliner die Folgen einer neuen Schwächephase. Drei Viertel der über 60-Jährigen (73 Prozent) bekannten damals ihre Krisen-Ängste, jetzt sind es noch 57 Prozent. Möglicherweise entwickeln die Berliner angesichts der diversen Finanz- und Wirtschaftskrisen eine gewisse routinierte Gelassenheit – obwohl immerhin 39 Prozent angeben, dass sie persönlich die Auswirkungen der aktuellen Krise spüren und entsprechend handeln.
Signifikante Unterschiede zwischen Ost- und Westteil gibt es kaum, die Sorge vor dem Abschwung ist mit 53 Prozent im Osten und 54 Prozent im Westen fast identisch und liegt innerhalb der statistischen Fehlerquote von plus/minus 3 Prozentpunkten. Die Angst vor finanziellen Verlusten ist im Osten mit 48 Prozent jedoch stärker ausgeprägt als im Westteil mit 39 Prozent.
Die schlechten Erwartungen hinsichtlich der Wirtschaftslage hindern die Berliner jedoch nicht daran, für sich persönlich eher optimistisch ins Jahr 2012 zu blicken. 37 Prozent erwarten, dass für sie das kommende Jahr besser wird als 2011. 45 Prozent rechnen nicht mit Veränderungen, nur 16 Prozent rechnen mit Verschlechterungen.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de