Forsa-Umfrage

Die Wähler fremdeln mit Berlins Sozialdemokraten

Aktuelle Forsa-Umfrage: Eine klare Mehrheit der Berliner wünscht sich einen neuen Regierenden Bürgermeister. Doch die potenziellen Nachfolger bewerten sie schwach. Die Wähler sehen eine fehlende Bürgernähe der SPD.

Jan Thomsen
4 Min
Der Vorsitzende der Berliner SPD, Jan Stöß (l.) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

Der Vorsitzende der Berliner SPD, Jan Stöß (l.) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

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Sie ist zum einen eine Vertrauenskrise. Mit der SPD im rot-schwarzen Senat sind zurzeit nur noch 31 Prozent der Befragten zufrieden, der Wert ist seit Januar um vier Punkte gesunken. Auch der Koalitionspartner CDU liegt zwar mit 33 Prozent Zufriedenheit nur wenig darüber, doch die Frage nach der aktuellen Wahlabsicht zeigt, dass die Berliner der Union von Frank Henkel offenbar mehr zutrauen: 30 Prozent würden CDU wählen, wenn am Sonntag Berlin-Wahl wäre. Die SPD bleibt bei blamablen 23 Prozent, dem schlechtesten Wert seit 2009. Nun sind schwache Werte in der Mitte einer Wahlperiode eher die Regel als die Ausnahme. Doch die SPD schwächelt schon länger – und die Zahlen von Forsa geben keinen Anlass zu Optimismus.

Von den Unzufriedenen bemängelt ein Viertel eine „fehlende Bürgernähe“ der Genossen. Die SPD kümmere sich zu wenig um die Probleme der normalen Bürger, lautet die Kritik. Die Partei habe zudem „keine klare Linie“ und es fehle ihr ein soziales Profil, sagt mehr als jeder zehnte Unzufriedene. Insbesondere Bildung, BER und Wohnungsbau sind die als problematisch eingestuften Themen – Themen also, bei denen die Sozialdemokraten mit ihren Zuständigkeiten in der Verantwortung stehen. Auf Bildungs- und Mietenpolitik ist das SPD-Führungspersonal sogar ausdrücklich stolz und wähnt sich erfolgreich. Viele Bürger sehen das ganz offenbar anders. Allerdings sind die Probleme nicht nur auf dem eigenen Berliner Mist gewachsen. Zwei Drittel der Hauptstädter sagen, auch der schlechte Zustand der SPD insgesamt, die in den Bundestagswahlen 2009 und 2013 die schlechtesten Ergebnisse ihrer Geschichte einfuhr, sei mitverantwortlich.

Sehr vielen Bürgern passt dabei die gesamte Richtung nicht. Der stärkere Linkskurs der Berliner SPD, ausgerufen vor allem vom derzeitigen Landesvorsitzenden Jan Stöß, findet bei den Berlinern nur wenig Sympathie: 62 Prozent aller Befragten plädieren für eine Orientierung hin zur politischen Mitte, um das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen. Nur 28 Prozent wollen lieber noch weiter nach links rücken. Selbst unter ausdrücklichen SPD-Anhängern ist die Meinungsverteilung nahezu identisch. Einen stärkeren Linkskurs der Sozialdemokraten wünschen sich dagegen fast drei Viertel der Linken-Anhänger und immerhin knapp die Hälfte der Grünen. CDU-Wähler lehnen dies erwartungsgemäß klar ab.

Keiner mit Mehrheit

Dass Wowereit, der nach eigenen Worten erst Ende 2015 entscheiden will, ob er erneut kandidiert, nicht das einzige Personalproblem der Sozialdemokraten darstellt, liegt nach den Forsa-Daten auf der Hand. Keiner seiner vier möglichen Nachfolger schafft es, mehr als gut ein Drittel der Bürger für sich einzunehmen (siehe Grafik links). Ob Parteichef Stöß, Fraktionschef Raed Saleh, Bausenator Michael Müller oder Arbeitssenatorin Dilek Kolat: Stets gibt es deutlich mehr ablehnende als befürwortende Stimmen. Am schlechtesten schneidet dabei Kolat ab. Zwei Drittel der Berliner und auch der SPD-Anhänger wollen sie nicht als Wowereit-Nachfolgerin. Insbesondere der Osten Berlins fremdelt mit Kolat, ähnlich wie bei Raed Saleh.

Jan Stöß kommt im Vergleich der vier zwar auf die besten Werte, aber selbst unter SPD-Anhängern gibt es eine Mehrheit gegen ihn als Kandidaten für das Amt des Regierenden Bürgermeisters. Durchaus überraschend sind die Werte für Bausenator Müller, früher lange Wowereit-Intimus, der sich aus der Konkurrenz der Möchtegern-Thronfolger in den vergangenen Monaten eher zurückgezogen hatte. Er schneidet schlechter ab als Stöß, aber besser als Saleh. Der junge Fraktionschef wiederum hat nach seinem Versuch, Stöß zu stürzen, unter SPD-Wählern stark an Zuspruch eingebüßt.

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