Berliner Wirtschaft

Das Kapital ist digital

Die Mehrheit der Berliner spricht der Digitalwirtschaft eine besondere Bedeutung zu.

Theresa Dräbing
3 Min
Die zweitägige "Noah Conference" gilt als eines der führenden Branchen-Events der europäischen Digitalwirtschaft und fand am 13. und 14. Juni 2019 in der STATION Berlin statt.

Die zweitägige "Noah Conference" gilt als eines der führenden Branchen-Events der europäischen Digitalwirtschaft und fand am 13. und 14. Juni 2019 in der STATION Berlin statt.

© imago images / Stefan Zeitz

Dass die Digitalwirtschaft für Berlins Wirtschaft einen hohen Stellenwert hat, würde wohl auch der Großteil der Berlinerinnen und Berliner unterschreiben. In einer Forsa-Umfrage im Auftrag der media.net Berlin-Brandenburg gaben von 1001 Berlinern ab 18 Jahren 89 Prozent der Befragten an, dass die Digitalwirtschaft für die Wirtschaft in Berlin wichtig oder sehr wichtig sei – auch wenn der Wirtschaftszweig Wissenschaft und Bildung für die künftige Entwicklung von noch mehr Befragten genannt wurde, steht die Digitalwirtschaft damit in den Augen der Befragten auf einer Stufe mit der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie mit der Tourismuswirtschaft.

Ob die Digital-Branche diesen Stellenwert halten kann, wird aber auch davon abhängen, ob Unternehmen auch künftig genügend Fachkräfte finden. Fast alle Altersgruppen unter den Befragten sind sich einig, dass dazu Ausbildungsinitiativen nötig wären, nur die 18- bis 29-Jährigen halten attraktivere Löhne für noch stärker geeignet, um das Fachkräfteproblem zu lösen.

Anwerbung ausländischer Fachkräfte

Fragt man Claus Pretzell, Volkswirt bei der IBB, kann der Fachkräftemangel in der Branche jedoch weniger in niedrigem Gehalt begründet sein. „Berliner Digital-Unternehmen zahlen überdurchschnittlich gute Löhne“, sagt er. Mit im Schnitt 4 750 Euro brutto liege der Verdienst deutlich über dem Durchschnittsverdienst aller Berliner von 3 400 Euro brutto.

Hingegen stimmt er zu, dass die Ausbildung wie die Umschulung in der Digitalwirtschaft nicht vernachlässigt werden dürfe. „Natürlich ist es aber so, dass gerade Start-ups, die stark und schnell wachsen, erst einmal auf Fachkräfte zurückgreifen, die bereits gut ausgebildet sind“, so Pretzell. Dies sind häufig auch Fachkräfte aus dem Ausland. Dass eine Anwerbung ausländischer Fachkräfte eine geeignete Maßnahme sei, glauben laut Forsa aber die wenigsten Berlinerinnen und Berliner. Am überzeugtesten ist davon interessanterweise die Altersgruppe 60 Jahre und älter, wo eine Anwerbung ausländischer Fachkräfte fast jeder zweite gut finden würde.

Der Fachkräftemangel jedenfalls gilt für viele Unternehmen in Berlin wie andernorts auch als größte Gefahr für eine konjunkturelle Abkühlung. Die Wirtschaft insgesamt steht gerade vor einer Eintrübung. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte deutschlandweit im Frühling um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch bekannt gab. Zum Jahresanfang war die deutsche Wirtschaft noch um 0,4 Prozent gewachsen. 

Claus Pretzell von der IBB prognostiziert dennoch weiter gute Zeiten für Berlin – wenigstens für die Digitalbranche. „Wir sehen derzeit keine Eintrübung und gehen davon aus, dass sich das Wachstum weiter fortsetzen wird“, sagt er.