FORSCHUNG - Die US-Firma Geron behandelt einen gelähmten Menschen mit einer Embryo-Stammzell-Therapie. Es ist weltweit der erste Versuch dieser Art. Die Erfolgsaussichten der Methode beurteilen Fachleute völlig unterschiedlich.

Seit Jahren auf der Suche nach Wundermitteln

Sebastian Moll
3 Min

New York Es war ein triumphaler Tag für Thomas Okarma, den 55 Jahre alten Kalifornier aus Menlo Park im Silicon Valley - jener Gegend südlich von San Francisco, die eher für Innovationen im Bereich der Computertechnologie als der Biotechnologie bekannt ist. "Dies ist ein Meilenstein für uns", sagte der Direktor der Firma Geron am Montag (Ortszeit), "das Ergebnis langer, schwieriger Jahre der Forschung und Entwicklung."Tatsächlich hat man in Menlo Park hart darum gekämpft, der Welt an jenem Tag verkünden zu können, dass die ersten Tests eines Medikaments aus dem Hause Geron an einem menschlichen Patienten mit schweren Rückenmarksverletzungen begonnen haben. Das Produkt, gewonnen aus Embryonalen Stammzellen, macht Querschnittsgelähmten überall auf der Welt Hoffnung und könnte Geron eines der einträglichsten Patente in der Geschichte der Pharmazie bescheren.Der Traum vom JungbrunnenNach einem solchen Wundermittel sucht Geron von Anfang an. Der Biologe Michael West hat die Firma 1992 mit dem Venture-Kapital privater Finanziers gegründet. Seine Idee war, die Gene zu isolieren, die das Enzym Telomerase produzieren. Die gentechnische Produktion des Enzyms hätte potenziell den Menschheitstraum des ewigen Lebens erfüllen können: Telomerase hält den Alterungsprozess von Zellen auf. Und der Stoff kann das Wachstum von Krebszellen stoppen.Die Entwicklung des Mittels stellte sich allerdings als schwieriger heraus, als erwartet. Die Investoren wurden ungeduldig, Geron machte große Verluste. Deshalb machte West sich bald auf die Suche nach einem neuen biotechnischen Sensations-Produkt. Er kaufte die Rechte an Embryonalen Stammzellen, die Forscher an der Universität von Wisconsin entwickelt hatten. Um diesen Geschäftsbereich zu entwickeln, heuerte er 1997 Okarma an, einen Mediziner von der nahe gelegenen Universität von Stanford. Okarma hatte vorher eine Firma geleitet, die Blut- und Rückenmarkszellen erwachsener Patienten modifizierte und reinjizierte. Das Projekt war ein Flop - es fehlte ein funktionierendes Modell für die Massen-Vermarktbarkeit.Bei seiner Stammzellenforschung bleibt Geron von Restriktionen der Bush-Regierung weitgehend unberührt. Das Gros der Forschung fand bei einem Subunternehmen in Schottland statt - demselben Unternehmen, das das Schaf Dolly geklont hatte. Und auch der jüngste Entscheid eines amerikanischen Bundesgerichts gegen die Stammzellforschung kam Geron eher zugute: Lahmgelegt wurde lediglich die akademische Konkurrenz, die auf öffentliche Fördermittel angewiesen ist.Bis das Mittel GRNOPC1 marktreif ist, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Ohne den Durchbruch in dieser Woche wäre es für Geron fraglich gewesen, ob es überhaupt die Entwicklung hätte weiter betreiben können. Geron notiert seit langer Zeit schlecht an der Börse und macht pro Jahr 31Millionen Dollar Verluste. Nach 18Jahren der Ankündigungen sind die Investoren müde. Geron steht unter Druck, Resultate zu bringen. Am Montag stieg wenigstens schon mal der Aktienkurs - um 6,4 Prozent.------------------------------Foto: Thomas Okarma, Chef von Geron

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de