Reiner Sahm ist Steuerberater, Weltenbummler und Fotograf. Mit „India“ hat er nun seinen vierten Bildband herausgebracht. Für ihn erhielt er zum wiederholten Male den Preis als „Bester ausländischer Fotograf für Indien“, vergeben vom indischen Tourismusministerium. Außerdem wurde er mit dem Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet. 80 seiner Aufnahmen sind bis zum 18. November im Automobil Forum Unter den Linden ausgestellt.
200 Kilometer in fünf Stunden
Sahm blättert durch seinen Bildband und hat zu jedem Foto eine Geschichte parat. Insgesamt acht bis zehnmal – so genau weiß er es selbst nicht mehr – reiste der 71-Jährige für jeweils zwei bis drei Wochen nach Indien, um alle Teile des Landes dokumentieren zu können.
„Indien zu bereisen ist schwierig“, sagt er, „die Straßen sind katastrophal, wenn man in fünf Stunden 200 Kilometer vorankommt, ist das ausgezeichnet.“ Die Reisen plant Sahm vorher minutiös zu Hause, um alle Feste und jeden Tanz auf der Route zu erreichen. Dabei helfen ihm Reiseführer, das Internet und Reisebüros. „Die Vorbereitung ist ja fast das Schönste an meinen Reisen“, meint er.
Bei einem Bild im Band hält er inne. „Als ich in diese hinduistische Tempelanlage wollte, sollte ich die Kamera draußen lassen“, erzählt er. Eine Katastrophe, war er doch nur für die Fotos gekommen. Er verlangte den Leiter der Anlage und umschmeichelte ihn mit den Vorzügen des Landes, die im Bildband zur Geltung kommen sollten. „Als ich merkte, dass er schwach wurde, ergriff ich seine Hand und bedankte mich. Da konnte er mir nicht mehr absagen, wollte er nicht das Gesicht vor den Untergebenen verlieren.“
"Ein schönes Gesicht, oder?"
29 der 80 im Automobilforum gezeigten Bilder sind Panoramafotos. „Sie kommen dem menschlichen Auge entgegen“, erklärt Sahm, schließlich sehe der Mensch auch in einem Panorama. „Hier, schauen Sie“, sagt er bei einem Bild, „das ist ein Jain-Tempel. Die Anhänger tragen einen Mundschutz, um keine Tiere zu verschlucken.“
Er sei fasziniert vom Land und seinen Menschen. „Trotz der Armut, die vielerorts herrscht, haben die Leute ein Strahlen in den Augen“, schwärmt Sahm und beginnt, Mark Twain zu zitieren: „Es ist das einzige Land unter der Sonne, das für den Fürsten und den Bettler, den Gebildeten und den Unwissenden, den Weisen und den Toren, den Sklaven und den Freien den gleichen, unzerstörbaren Reiz besitzt.“
Der Glaube an die Wiedergeburt führe zu einer positiven Einstellung. „Man begegnet überall freundlichen und aufgeschlossenen Menschen. Wie zum Beispiel einer jungen Frau mit blauem Kopftuch. „Sie lief auf der Straße an uns vorbei“, erzählt Sahm.Er sagte zu seiner Frau: „Es tut mir leid, aber ich werde jetzt einer anderen hinterherlaufen.“ Gesagt, getan, Sahm bekam sein Foto. „Das ist doch ein schönes Gesicht, oder?“ Solch lebendige Bilder, die seiner Meinung nach im Bildband zu wenig vorkommen, zeigt er in der Ausstellung.
Von Indien hat er jetzt allerdings erst einmal genug. In seinem Haus in Dahlem wird er trotzdem nicht lange sitzen bleiben. Seine nächste Reise führt ihn zum Mount Everest. Gemeinsam mit anderen Mitstreitern will der passionierte Pilot den höchsten Berg der Erde mit einem Segelflugzeug umfliegen. „Ich muss halt immer an etwas arbeiten.“
Fotoausstellung „India“: Bis 18. November, Automobilforum Unter den Linden, Unter den Linden 21. Täglich von 10 bis 20 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.
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