Berlin - Glück, sagte Robert Lebeck, sei es gewesen, dass er in diesem Moment der Weltgeschichte an diesem Ort war – und vor allem, dass er in diesem Augenblick den Auslöser seiner Kamera gedrückt hat. Das Bild, das der damals 31-jährige Reporter schoss, zeigt den belgischen König Baudouin im Cabrio neben dem neu ernannten Präsidenten Joseph Kasavubu bei der Abschiedsparade im kongolesischen Leopoldville – und zwar in genau jenem Moment, in dem ihm ein Einheimischer seinen in der Sonne blitzenden Säbel entriss, ihn freudestrahlend schwenkte und damit genau in die Richtung des Fotografen davonlief.
Lebecks Foto fing jenen „entscheidenden Augenblick“ (Cartier-Bresson) ein, der zur Ikone für den Niedergang der Kolonialmächte in Afrika wurde. Als es 1962 das Plakat von Lebecks Ausstellung „Tokio–Moskau–Leopoldville“ in Hamburg zierte, führte das Foto zum Eklat, weil es die „Würde des weißen Mannes“ lächerlich machen würde. Für Lebeck belegte sein Glückstreffer auch seine Überzeugung, dass nur dann etwas ein Ereignis ist, wenn es medial erscheint, also publiziert wird. Und über den Mangel solch medienhistorischer Bild-Ereignisse konnte sich der vielfach ausgezeichnete Presse-Fotograf Lebeck nie beklagen. 1991 bekam er den Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Fotografie, 2007 erhielt er als erster Fotograf den Henri-Nannen-Preis für sein Lebenswerk
Ein "charmanter Dieb des Augenblicks"
Der 1929 in Berlin geborene Robert Lebeck studierte Völkerkunde, bevor er sich ganz für die Fotografie entschied. Von seiner ersten Frau bekam er 1952 seine erste Kamera – eine einfache Kodak Retina 1a. Dem klassischen Schwarz-Weiß der traditionellen Analog-Fotografie blieb er bis weit ins digitale Zeitalter hinein treu. Als Anfänger ohne professionelle Ausbildung arbeitete zunächst für die Revue und Kristall. Schon 1953, ganz zu Beginn seiner Karriere gelang ihm mit der Aufnahme des 18-jährigen Elvis Presley als Soldat im hessischen Friedberg ein außergewöhnliches Bild. Mit seinem sicheren Gespür für Augenblicke und Situationen schaffte er bald den Durchbruch. Lebeck wechselte ins Reporterteam beim Magazin Stern, wurde Chefredakteur bei Geo und kehrte schließlich zum Stern zurück, der ihn einmal einen „charmanten Dieb des Augenblicks“ nannte. Zu seinem Tod würdigte ihn das Magazin als „größten Foto-Chronisten unserer Zeit“.
Berühmt wurde er mit seinen überraschenden, oft intimen, aber niemals denunzierenden Porträts prominenter Personen aus Politik und Showgeschäft. Romy Schneider mit Schiebermütze, Joseph Beuys mit Axt, Willy Brandt bei seinem Kanzler-Rücktritt, Alfred Hitchcock hinter einer Tür – die Fotos des Chronisten des 20. Jahrhunderts schrieben selbst Mediengeschichte.
Am Samstag starb Lebeck im Alter von 85 Jahren in Berlin. (mit dpa)
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