Großbritannien

Frauenfeindlichkeit in „epidemischem Ausmaß“: So sollen Englands Schulen „Incel-Kultur“ bekämpfen

Britischen Kindern soll künftig beigebracht werden, sich Misogynie zu widersetzen. Schulen werden aber auch davor gewarnt, „Jungen zu stigmatisieren, weil sie Jungen sind“.

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Schüler im Unterricht

Schüler im Unterricht

© photothek/imago

In Großbritannien sollen Schüler der Sekundarstufe künftig über die „Incel“-Kultur und die Zusammenhänge zwischen Pornografie und Frauenfeindlichkeit unterrichtet werden. Der Schritt ist Teil der lang erwarteten neuen gesetzlichen Leitlinien der Regierung zum Lehrplan, die am Dienstag veröffentlicht wurden.

Ab nächstem Jahr sollen die Lehrpläne für die Sekundarstufe demnach unter anderem um folgende Themen erweitert werden: Aufklärung über sexuelle Normen, die von so genannten „unfreiwillig im Zölibat lebenden Männern“ (Incels) oder Online-Influencern vertreten werden, KI-generierte sexuelle Bilder und Deepfakes sowie „Sexualethik jenseits der Zustimmung und das Bewusstsein für Machtdynamiken“.

Der neue Leitfaden soll dabei einen neuen Schwerpunkt auf positive Vorbilder für Jungen legen und „Mythen über Frauen und Beziehungen, die in der ‚Manosphäre‘ online verbreitet werden“, in Frage stellen, berichtet das britische Nachrichtenportal Guardian. Gleichzeitig sollen die Schulen davor gewarnt werden, „Jungen zu stigmatisieren, weil sie Jungen sind“.

Eine weitere größere Änderung besteht darin, dass die vorgeschlagenen Altersgrenzen für bestimmte Themen nicht mehr in den Leitfaden aufgenommen werden. Schulen werden jedoch aufgefordert, sicherzustellen, dass ihr Lehrplan „relevant, alters- und stufengerecht“ ist.

Laut Umfrage: Frauenfeindlichkeit an Schulen nimmt drastisch zu

Zeitgleich veröffentlichte das britische Bildungsministerium die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter Schülerinnen und Schülern, aus denen hervorgeht, dass frauenfeindliche Einstellungen an Sekundarschulen, ein „epidemisches Ausmaß“ angenommen hätten, wie das Ministerium schreibt.

Nach Angaben der Behörde gaben mehr als die Hälfte der befragten Schüler (54 Prozent) im Alter von elf bis 19 Jahren an, allein in der vergangenen Woche Kommentare gehört zu haben, die sie als frauenfeindlich bezeichnen würden, während mehr als ein Drittel (37 Prozent) Kommentare gehört haben soll, die sie um die Sicherheit von Mädchen fürchten lasse.

Die britische Bildungsministerin, Bridget Phillipson, sagte dazu: „Kinder werden heute mit Inhalten bombardiert – ob es nun Instagram-Influencer sind, die unmögliche Erwartungen an unser Aussehen stellen, oder Algorithmen, die junge Menschen in einen Strudel von Lastern von Glücksspiel bis Drogen ziehen“. Der neue Lehrplan werde den Kindern von Anfang an „eine positive Einstellung vermitteln und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber schädlichen Inhalten auf altersgerechte Weise stärken“, so die Ministerin. Die Schulen werden in diesem Herbst mit der Umsetzung der neuen Leitlinien beginnen, die ab September 2026 verbindlich sein werden.

Im Jahr 2020 wurde in Großbritannien die Beziehungs- und Sexualerziehung für alle Schüler der Sekundarstufe eingeführt. Eltern haben jedoch das Recht, ihre Kinder aus dem Unterricht zu ziehen.

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