Aber die Wehren leiden an Nachwuchsmangel. Obwohl die Feuerwehr lange Zeit als die wichtigste Institution für ehrenamtliches Engagement auf dem Lande galt. Es gibt den Spruch: Ein Dorf ohne Kneipe oder ohne Feuerwehr ist kein Dorf mehr.
Landesweit haben diese Feuerwehren innerhalb von knapp zehn Jahren fast 20 Prozent ihrer aktiven Mitglieder verloren. Deshalb wird nun auch darüber nachgedacht, ob es die Möglichkeit gibt, eine Art Extra-Rente für Feuerwehrleute einzuführen. „Das wäre eine der Möglichkeiten, das ehrenamtliche Engagement der Feuerwehrleute zu würdigen“, sagte Werner-Siegwart Schippel, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes.
Frewillige Wehren erledigen 96 Prozent der Rettungseinsätze
In Brandenburg werden aktuell 96 Prozent aller Rettungseinsätze von den Freiwilligen Wehren erledigt. Deren Leute arbeiten rein ehrenamtlich und riskieren dabei ihr Leben. „Alles ohne echte Bezahlung“, sagte Schippel. Die Arbeitgeber bekommen bis zu 35 Euro überwiesen, damit sie die Feuerwehrleute bezahlen können für jene Stunden, die sie für die Allgemeinheit im Einsatz waren und nicht für die Firma arbeiten konnten. Neben diesem Lohnausgleich gibt es nicht viel. „Sie bekommen meist nur zehn Euro Prämie pro Einsatz“, sagte Schippel, „egal, wie viele Stunden sie dafür unterwegs sind.“
Zwei große Grundprobleme
Nach Prognosen von Fachleuten werden die Feuerwehren auch in den kommenden Jahren jedes Jahr bis zu drei Prozent ihrer Mitglieder verlieren. „Wir müssen dringend gegensteuern“, sagte Schippel. Denn schon jetzt sei es in einigen Regionen ein Riesenproblem, die sogenannte „Tageseinsatzbereitschaft“ zu garantieren – gemeint ist, dass im Ernstfall genügend Feuerwehrleute bereit stehen. Das sei besonders schwierig von Montag bis Freitag in den klassischen Arbeitszeiten. „Da müssen dann im Ernstfall die Kameraden aus gleich mehreren Wehren alarmiert werden, um genügend Leute zusammenzubekommen.“
Grundsätzlich leidet auch die Feuerwehr unter zwei gesamtgesellschaftlichen Problemen: Einerseits unter dem demografischen Wandel, also der zunehmenden Überalterung in der Gesellschaft.
„Wir verzeichnen bei den Feuerwehren zwar im Jugendbereich seit einiger Zeit wieder mehr Zulauf“, sagte Wolfgang Brandt vom Potsdamer Innenministerium. „Aber der Zulauf ist noch immer kleiner als der Verlust durch die altersbedingten Abgänge.“
Das andere Problem sei, dass immer weniger Feuerwehrleute in ihrem Heimatort eine Arbeit finden und damit Pendler sind. Sie sind dann zwar Feuerwehrleute im Heimatort, könnten aber nur am Wochenende zu Einsätzen mit ihren Wehren ausrücken.
Wie es mit der Nachwuchsgewinnung weiter gehen soll, wird derzeit auf fünf Regionalkonferenzen der Feuerwehren im Land diskutiert. „Wenn die Ende April abgeschlossen sind, wollen wir unsere Ideen und Vorschläge der Landesregierung unterbreiten“, sagte Feuerwehrchef Schippel.
Auch Steuervorteile möglich
Einer dieser Vorschläge sei eben eine Art Feuerwehr-Rente. „Am allerliebsten wäre mir natürlich eine bundesweit einheitlich Regelung“, sagte er. Es gäbe die Möglichkeit, dass Feuerwehrleute Rentenpunkte angerechnet bekommen oder dass ihnen Steuervorteile gewährt würden.
„Der Bundesverband will die Sache erst in den nächsten Jahren angehen“, sagte Schippel. Aber es sei schon früher eine Lösung nötig. Bislang gibt es Prämien oder Renten-Modelle in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. In Thüringen teilen sich die Kommunen, die für die Wehren zuständig sind, mit dem Land die Kosten für die Zusatzrente. Dort werden je nach Feuerwehrdienstjahren bis zu 80 Euro gezahlt. In Sachsen wird eine Prämie gezahlt, und in Sachsen-Anhalt können die Kommunen für ihre Leute eine Versicherung für eine private Zusatzrente abschließen.
„Das wird richtig teuer“
„Die Feuerwehr ist die größte und schlagkräftigste Truppe, wenn es um die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr geht“, sagte Schippel. Sie werde nicht nur zu Bränden gerufen. Bei mehr als die Hälfte der Einsätze geht es darum, nach Unfällen die Verletzten aus Autos zu schneiden oder Tote zu bergen. Da sich ein Netz von Autobahnen spinnennetzförmig von Berlin übers Land Brandenburg verteilt, müssen die kleine Feuerwehren bei Unfällen oft ran. Oder es geht darum, auf den Straßen Ölspuren zu beseitigen.
„Vom Land werden die Bemühungen in der Nachwuchsgewinnung unterstützt von Werbekampagnen, über Feuerwehrcamps bis zur Ausstattung von Jugendfeuerwehren“, sagte Wolfgang Brandt vom Innenministerium. Dafür gibt es jedes Jahr etwa 150.000 Euro aus Lottomitteln. „Die ganz jungen Leute zum Beispiel mit moderner Technik für die Jugendfeuerwehr zu begeistern, ist das eine“, sagte er. „Aber es ist noch einmal etwas anderes, die Leute zu halten, wenn sie erwachsen sind und arbeiten müssen.“
Aber allen sei eines klar: Wenn das Nachwuchsproblem nicht gelöst wird, müssen die Orte Berufsfeuerwehren gründen. „Und das wird richtig teuer“, sagte Brandt.
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