Freizeit- und Beratungsangebot: Berlin plant erstes queeres Jugendzentrum

Die Einrichtung soll ihren Betrieb 2018 aufnehmen.

BLZ
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Erstmals wird in Berlin ein queeres Jugendzentrum eingerichtet. Dieses Angebot soll sich gezielt an lesbische, schwule, bisexuelle sowie trans- und intersexuelle und queere Jugendliche richten. Zusammengefasst werden diese sexuellen Präferenzen unter dem gewöhnungsbedürftigen Kürzel LSBTTIQ.

Für das queere Jugendzentrum seien derzeit jährlich 175.000 Euro im Doppelhaushalt eingeplant, bestätigte die Senatsverwaltung für Jugend auf Anfrage. Bis zum Herbst erarbeite die Verwaltung ein Konzept. Unklar sei noch, wo das Jugendzentrum untergebracht werde. „Queere Jugendliche können und sollen natürlich auch jedes andere Jugendzentrum in Berlin besuchen“, sagte Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD). „Wir wissen aber, dass diese Jugendlichen einen Ort für sich benötigen, um sich miteinander auszutauschen.“

Das aus dem englischen kommende Wort „queer“ steht inzwischen für alle Personen, die nicht der heterosexuellen Geschlechternorm entsprechen. Das queere Jugendzentrum war von der rot-rot-grünen Mehrheit im Abgeordnetenhaus beschlossen worden. „Ob im Elternhaus, in der Schule, am Ausbildungsplatz oder im öffentlichen Raum – Diskriminierungserfahrungen gehören für diese Jugendlichen zum Alltag“, teilten die queerpolitischen Sprecher Melanie Kühnemann (SPD), Carsten Schatz (Linke) sowie Anja Kofbinger und Sebastian Walter (Grüne) mit. Berlin müsse LSBTTIQ-Jugendliche beim Coming-out besser begleiten.

„Vier- bis sechsfach erhöhtes Suizidrisiko“

Die Sprecher wiesen daraufhin, dass queere Jugendliche in dieser oft schwierigen Lebensphase besonderen psychosozialen Belastungen ausgesetzt seien. Es gehe um die persönliche Unsicherheit, was die sexuelle Orientierung angeht, oder um die Frage, wie man diese öffentlich macht. Diese Jugendlichen hätten deshalb ein „vier- bis sechsfach erhöhtes Suizidrisiko“. Damit hatten die Fraktionen ihren Antrag begründet. Im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag war zuvor festgelegt worden, dass in Berlin in dieser Legislaturperiode „mindestens ein queeres Jugendzentrum mit berlinweitem Auftrag“ eingerichtet werden soll.

Jörg Steinert vom Lesben- und Schwulenverband findet ein solches Unterstützungsangebot in einem queeren Jugendzentrum sehr wichtig. „Diese Arbeit kann zukünftig durch hauptamtliche Beraterinnen und Berater weiter unterstützt werden“, zeigte sich Steinert zufrieden. Ganz besonders komplex sei oft die Lage von transsexuellen Jugendlichen.

In anderen deutschen Städten wie Köln, Düsseldorf, Hamburg oder Frankfurt/Main gibt es solche queeren Jugendzentren schon wesentlich länger. In Berlin betreibt der Verein Lambda seit dem Jahr 2014 ein queeres Jugendhaus in der Generatorenhalle des alten Umspannwerkes in der Sonnenburger Straße. Dort kommen aber vor allem Ehrenamtliche zum Einsatz, die bestimmte Coming-out-Gruppen leiten. Dies funktioniert nach dem Peer-to-Peer-Ansatz, wonach Betroffene selbst anderen helfen.

2018 soll es los gehen

„Ein Jugendzentrum arbeitet eher mit Pädagoginnen und Pädagogen zusammen, die bestimmte Kurse oder Gruppen leiten“, sagt Kay-Alexander Zepp vom Jugendnetzwerk Lambda. „Dort gibt es auch bestimmte Ferien- und Freizeitangebote.“ Besonders häufig hätten transsexuelle Jugendliche oder Transgender Beratungsbedarf. „Da geht es um rechtliche Aspekte“, sagte Zepp. „Darf das Zeugnis auf den Namen, den ich mir ausgesucht habe, ausgestellt sein? Was ist, wenn ein Lehrer meinen neuen Namen nicht gebrauchen will?“ Auch medizinische Fragen zur Hormonbehandlung oder zu chirurgischen Eingriffen würden viele umtreiben.

Die Senatsverwaltung wird nun voraussichtlich ein Interessenbekundungsverfahren durchführen. Dann dürfte der Betreiber des neuen Jugendzentrums feststehen, das im Jahr 2018 seinen Betrieb aufnehmen soll. Derzeit verschafft sich die Jugendverwaltung per Abfrage in anderen Bundesländern und Bezirken zudem eine Übersicht, welche Formen queerer Jugendarbeit überhaupt bekannt sind.

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