Seit gut 14 Jahren tut sich nichts mehr im Spreepark. Im einstigen Freizeitpark im Plänterwald wuchern Gras und Gebüsch über vergifteten Boden, die Kunststoff-Saurier sind umgefallen, es gibt Brandruinen und verrostete Karussell-Reste. Im vergangenen Jahr hatte das Land Berlin das Erbbaurecht vom insolventen Betreiber zurückgekauft. Seither wird nach einer Zukunft für das knapp 30 Hektar große Gelände am Treptower Spreeufer gesucht.
Eine Grundfrage scheint jetzt beantwortet: Das Gelände soll nicht wieder an einen privaten Investor vergeben werden. Die landeseigenen Grün Berlin GmbH soll es übernehmen. Experten also, die unter anderem die Gärten der Welt in Marzahn, das Tempelhofer Feld oder den Park am Gleisdreieck in Kreuzberg bewirtschaften. „Wir sind in Sondierungsgesprächen mit dem Liegenschaftsfonds“, sagte Grün-Berlin-Chef Christoph Schmidt der Berliner Zeitung. Noch fehle es aber an Voraussetzungen, um diese Gespräche positiv abzuschließen.
Spreepark - ein Rundgang in Bildern
1969 wurde der „Kulturpark Berlin“ gegründet.
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Mehr als eine Million Besucher kamen damals.
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1992 wählt der Senat die Spreepark GmbH als privaten Betreiber aus.
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1996 wird mit Norbert Witte ein Erbbaupachtvertrag über 65 Jahre geschlossen.
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Ende 2001 muss der Park jedoch geschlossen werden.
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Denn die Betreiber melden Insolvenz an.
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Und Norbert Witte setzt sich nach Peru ab. Auf diesem Foto ist Witte im September 2015 am Alexanderplatz in Berlin zu sehen.
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Der Park hatte zuletzt nur noch 300.000 Besucher jährlich.
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2004 wird Norbert Witte wegen versuchten Drogenschmuggels zu sieben Jahren Haft verurteilt. Vier Jahre später, 2008, kommt er vorzeitig frei.
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Ebenfalls 2008 gibt der Insolvenzverwalter den Park „mangels Masse“ an die Spreepark GmbH zurück. Das Gelände dient vor allem als Filmkulisse und für Events.
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Seit 2002 meldeten sich zahlreiche Kauf- und Pacht-Interessenten. Alle sprangen jedoch ab, weil sie die Schulden des insolventen Betreibers übernehmen hätten müssen.
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2013 initiiert das Finanzamt Treptow-Köpenick die Zwangsversteigerung des Erbbaurechts. Damit sollten die Steuerschulden eingetrieben werden. Berlin bietet mit, aber weil ein Privater den Verkehrswert (1,62 Millionen Euro) deutlich übertrifft, wird die Versteigerung abgebrochen.
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Im März 2014 erwirbt das Land Berlin dann doch das Erbbaurecht der insolventen Spreepark GmbH.
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Im April 2014 liegt der ehemalige Vergnügungspark bereits 13 Jahre brach.
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Zum 30. April 2014 geht das gut 20 Hektar große Gelände dann lastenfrei an Berlin.
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Auch der Hauptgläubiger, die Deutsche Bank, musste dem Kauf durch Berlin zustimmen.
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Die Schulden des insolventen ehemaligen Spreepark-Betreibers summierten sich zuletzt auf insgesamt mehr als 20 Millionen Euro.
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In der Nacht zum 11. August 2014 gibt es dann auch noch einen Großbrand im Spreepark. 100 Feuerwehrmänner sind im Einsatz. Es ist Brandstiftung.
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Im Oktober 2015 wird schließlich bekannt, dass der Park schon im Jahr 2016 wieder öffnen könnte.
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Die landeseigene Grün Berlin GmbH wird den Spreepark Anfang 2016 übernehmen. Sie wird entscheiden, was aus dem Vergnügungspark in Zukunft wird.
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Zu klären ist laut Schmidt unter anderem, wer für künftiges Personal und den laufenden Erhalt des Parks aufkommt. Auch die Grundsatzfrage, was im Spreepark stattfinden soll und was nicht und was dort wofür gebaut werden darf, müsse noch beantwortet werden. Schmidt: „Wir steigen nur ein, wenn wir wissen, dass es erfolgreich wird.“
Beim Liegenschaftsfonds gibt man sich diplomatisch. Sprecherin Marlies Masche sagt, der Spreepark habe es verdient, eine öffentliche Zukunft zu bekommen. Man wolle nicht wieder abhängig sein von einem privaten Investor. Und: „Das Unternehmen Grün Berlin hat bewiesen, dass es mit großen Anlagen umgehen kann.“
Als wichtigste Investition bezeichnen Grün-Berlin und Liegenschaftsfonds die Herstellung der Sicherheit auf dem Gelände. Es gibt dort zwar einen Wachschutz, doch der kann all die Neugierigen, die einen Blick auf die morbiden Reste einstiger Pracht werfen wollen, nicht abhalten. Gefahren lauern nicht nur in scharfkantigen Karussellresten, sondern auch in Erdlöchern. Und im Boden, der an einigen Stellen bis zu 2,40 Meter tief mit Arsen verseucht ist. Insgesamt, so schätzt man beim Liegenschaftsfonds, sind gut vier Millionen Euro nötig, um Schrott abzuräumen, Gefahrenquellen zu beseitigen und die Infrastruktur wie Strom- und Wasseranschlüsse wieder herzustellen.
Das Eierhäuschen gehört dazu
Dabei wurde ein weiteres Thema noch gar nicht besprochen. Es ist die Frage, was aus dem Alten Eierhäuschen, einem ehemals sehr beliebten Ausflugslokal mit direktem Spreezugang, wird. Das denkmalgeschützte Gebäude am Parkrand, das vom einstigen Spreeparkbetreiber – entgegen allen geschlossenen Verträgen – nie saniert wurde, ist morsch. Für seine Sanierung will der Bezirk Treptow-Köpenick mehrere Millionen Euro bereitstellen. Geld, das aus dem neuen Investitionsprogramm des Landes stammt, mit dem die Infrastruktur der wachsenden Stadt Berlin gefördert werden soll. Für den Grün-Berlin-Chef steht fest: „Das Eierhäuschen gehört zum Park.“ Interessenten, die das Haus nach der Sanierung betreiben wollen, gibt es reichlich. Schmidt: „Es kann aber nicht sein, dass mit Steuergeld saniert wird und die Einnahmen dann privatisiert werden.“
Es gibt also noch viele Fragen, die zu klären sind, ehe der Spreepark wieder für die Allgemeinheit zugänglich wird. In einer Frage scheint man sich indes einig zu sein: Das weithin sichtbare Riesenrad soll möglichst stehenbleiben. Als Wahrzeichen für einen Vergnügungspark, den es nicht mehr gibt. Und an dessen Fuß durchaus Veranstaltungen wie Theateraufführungen oder Konzerte denkbar sind. Auch dafür stehen Interessenten bereit. Das Theaterstück „Spuk unterm Riesenrad“, das dort schon aufgeführt wurde, könnte seine Renaissance erleben.
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