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Friedensorganisation IPPNW lädt nach Jena: Mediziner debattieren über Aufrüstung

Die Friedensorganisation IPPNW tagt vom 24. bis 26. April 2026 in Jena. Auf dem Programm: Aufrüstung, Fukushima nach 15 Jahren und ein öffentliches Friedenssingen.

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Ulrich Gottstein, Mitbegründer der deutschen Sektion der IPPNW bei der Eröffnung einer Ausstellung zu den 70. Jahrestagen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, am Mittwochabend (08.07.2015), in Frankfurt am Main.

Ulrich Gottstein, Mitbegründer der deutschen Sektion der IPPNW bei der Eröffnung einer Ausstellung zu den 70. Jahrestagen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, am Mittwochabend (08.07.2015), in Frankfurt am Main.

© epd/IMAGO

Die deutsche Sektion der „Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW) hält ihr Jahrestreffen samt Mitgliederversammlung vom 24. bis 26. April 2026 in Jena ab. Veranstaltungsorte sind der Hörsaal 3 des Universitätscampus in der Carl-Zeiß-Straße sowie das Akademiehotel. Die Programmpunkte am Freitag und Sonntag sind ohne Anmeldung kostenfrei zugänglich, der Samstag mit Mitgliederversammlung und Workshops bleibt den Mitgliedern vorbehalten.

Eröffnet wird die Tagung am Freitagabend durch Prof. Ekkehard Schleußner von der IPPNW-Regionalgruppe Jena, Thüringens Gesundheitsministerin Katharina Schenk (SPD) und die IPPNW-Vorsitzende Dr. Angelika Claußen. Im Anschluss spricht Prof. Klaus Dörre, emeritierter Soziologe der Friedrich-Schiller-Universität Jena, zum Thema „Nach der ‚Zeitenwende‘: Rüstung erzeugt Krieg“. Dörre kritisiert, dass die Bundesregierung Hunderte Milliarden Euro investiere, um Deutschland „kriegstauglich“ zu machen, während der sozial-ökologische Umbau auf der Strecke bleibe. Er greift den Begriff der „Doppelindustrie“ des Philosophen Günther Anders auf: Die Rüstungsbranche produziere nicht nur Waffen, sondern erzeuge zugleich permanent neuen „Waffenbedarf“. Der deutsche Militärsektor stoße zudem  jährlich 4,5 Millionen Tonnen CO₂ aus, ein F-35-Kampfjet pro Flugstunde mehr als ein durchschnittlicher Bundesbürger im ganzen Jahr.

Der Samstag beginnt mit einer Begrüßung durch Jenas Bürgermeister Johannes Schleußner. IPPNW-Arzt Dr. Alex Rosen berichtet anschließend von seiner Reise in die kürzlich wieder geöffnete Evakuierungszone von Fukushima, die er im September 2025 – 15 Jahre nach Beginn der Atomkatastrophe – besucht hatte. Es folgen sechs Workshops, unter anderem zur Militarisierung des Gesundheitswesens, zu einer „Entspannungspolitik 2.0“, zum Engagement gegen die Stationierung von Mittelstreckenwaffen in Europa und zur humanitären Lage in Gaza. Begleitend wird die Ausstellung „Menschheitsverbrechen im 20. Jahrhundert“ mit Bildern aus der japanischen Maruki-Galerie zu Atombombenabwürfen gezeigt.

Der Sonntag widmet sich der europäischen Asylpolitik. Die Rechtsanwältin Claire Deery hält eine Keynote zur Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS). In der Podiumsdiskussion „Auf dem Weg in eine Abschiebegesellschaft?“ wird kritisiert, dass Deutschlands Umsetzung der EU-Regeln ab 2026 in Härte über die europäischen Vorgaben hinausgehe – mit Freiheitsbeschränkungen, Leistungskürzungen und beschleunigten Abschiebeverfahren. Mit auf dem Podium sitzen Ulrike Schneck (BAfF e.V.), Désirée Gapé (Black Action Jena) und eine Vertreterin von ROSA e.V.

Zum Abschluss lädt die IPPNW um 13:30 Uhr zu einem öffentlichen Friedenssingen auf den Kirchplatz Jena ein. Erwartet werden Chöre, Musikgruppen und Solisten. Wer den Anmeldeschluss verpasst hat, kann sich telefonisch bei der Geschäftsstelle melden.

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