Verhalten war der Applaus, der gestern Abend gegen halb neun in der Max-Schmeling-Halle ertönte. Das lag zum einen daran, dass nur 3 712 Zuschauer gekommen waren, um das erste Spiel des Erstligisten Füchse Berlin im EHF-Cup zu sehen. Der andere Grund aber war die größtenteils bescheidene Leistung, die die Berliner gegen den HC Meshkov Brest gezeigt hatten. Am Ende siegten die Füchse zwar mit 22:20 (8:10), dieses nur kleine Polster bedeutet aber auch, dass für das Rückspiel am 30. November in Brest noch alles offen ist. „Wir haben nicht unser bestes Spiel gezeigt heute“, sagte Trainer Dagur Sigurdsson.
Behäbig starteten die Berliner in die Partie. Kreisläufer Jesper Nielsen war zwar nach seiner Nasenoperation erstmals in die Startformation zurückgekehrt und traf direkt das Tor, von den vorab deutlich formulierten Titelambitionen der Berliner war aber in den darauffolgenden Minuten wenig zu spüren. Zehn Fehlwürfe produzierten die Füchse allein in der ersten Hälfte und ließen die Gäste aus Weißrussland immer wieder ins Spiel kommen. „Brest hat gut in der Abwehr gestanden und wir hatten erhebliche Probleme im Angriff“, bemerkte auch Sigurdsson.
Die Partie lief so schleppend dahin, dass sogar die Tatort-Melodie, die stets beim Strafwurf eingespielt wird, kurzzeitig ausfiel. Erst 20 Minuten vor Schluss war zum ersten Mal ein lautstarker Applaus zu vernehmen: Es war der Moment, in dem Kapitän und Publikumsliebling Iker Romero das Parkett betrat. Der Spanier belohnte den Jubel mit drei Treffern binnen sieben Minuten (16:14). Er vermochte, sein Team für kurze Zeit aus der Lethargie zu befreien, doch mehr als die zwei Tore Vorsprung konnten die Füchse aufgrund der schlechten Wurfquote nicht herausholen.
Bewerbung als Ausrichter
So zeigte etwa Konstantin Igropulo seine bemerkenswerteste Leistung mit Verspätung: In der Pressekonferenz übersetzte er zuerst die Anmerkungen von Brests Trainer Zeljko Babic und Rückraumspieler Robert Markotic vom Kroatischen ins Englische, die an ihn gerichteten Fragen beantwortete er auf Deutsch. „Es ist vielleicht gar nicht so schlecht für unsere Motivation im nächsten Spiel, dass es jetzt so gelaufen ist“, sagte er. Im Rückspiel wollen die Füchse dem aktuell Drittplatzierten der weißrussischen Liga zeigen, dass der Respekt vor dem Gegner aus Berlin nicht unbegründet war. „Die Füchse waren die einzige Mannschaft, der wir wirklich aus dem Weg gehen wollten“, sagte Babic. Für die Weißrussen, die zum letzten Mal in der Saison 2003/2004 das Achtelfinale im EHF Cup erreicht haben und es in der Champions League nie über die Gruppenphase hinaus geschafft haben, wäre das Weiterkommen ein beispielloser Erfolg.
Doch Spielmacher David Spiler warnte: „Ich gehe davon aus, dass die Berliner im Rückspiel besser vorbereitet sind.“ Alles andere wäre für die Füchse nach der verpassten Champions-League-Qualifikation eine Katastrophe, schließlich haben sie sich als Ausrichter für die Finalspiele im Mai beworben. Auf eine motivierende Ansprache − so wie vor dem gestrigen Spiel − sollte der weise Geschäftsführer Bob Hanning dann allerdings lieber verzichten.
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