Straßenverkehr

Führerscheinprüfung: Berlin verzeichnet stärksten Anstieg bei Betrugsversuchen

Es gibt immer mehr Betrugsfälle in Berliner Führerscheinprüfungen. Bundesweit lag die Hauptstadt auf Platz zwei bei den erfassten Fällen. Die Methoden sind ausgefeilt.

2 Min
Bei der theoretischen Führerscheinprüfung greifen vor allem in Berlin mehr Menschen zu unerlaubten Mitteln.

Bei der theoretischen Führerscheinprüfung greifen vor allem in Berlin mehr Menschen zu unerlaubten Mitteln.

© Sebastian Gollnow/dpa

Berlin ist das Bundesland mit dem größten Zuwachs an Betrugsversuchen bei theoretischen Führerscheinprüfungen. Im Jahr 2025 wurden dort 497 Fälle aufgedeckt – ein Plus von rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das geht aus aktuellen Zahlen des TÜV-Verbands hervor.

Bundesweit registrierten die Prüforganisationen 4239 Täuschungsversuche, ein leichter Anstieg von einem Prozent. Nach deutlichen Zuwächsen in den Vorjahren hat sich der Betrug damit auf hohem Niveau eingependelt.

Verhältnis von Betrugsfällen zu Prüfungen in Berlin sehr hoch

Im Bundesländervergleich für 2025 führt Nordrhein-Westfalen mit 1378 Fällen, gefolgt von Berlin und Bayern (449). Am wenigsten Fälle gab es im Saarland (19). Bemerkenswert: In Berlin wurden den TÜV-Daten zufolge im Jahr 2025 etwas mehr als 100.000 theoretische Führerschein-Prüfungen abgelegt, womit die Hauptstadt in dieser Statistik nur auf Platz sieben liegt. Damit ist die Zahl der registrierten Betrugsversuche im bundesweiten Vergleich anteilig sehr hoch.

„Gleichzeitig gehen wir von einem großen Dunkelfeld aus, da mutmaßlich nur ein Bruchteil der Täuschungen entdeckt wird“, sagte Fani Zaneta, Referentin für Fahrerlaubnis und Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband.

Trotz  Minikameras und Ohrhörern - Spickzettel bleibt Favorit

Gut jeder zweite Fall (53 Prozent) war laut TÜV-Verband professionell organisiert. In 36 Prozent der Fälle kamen technische Hilfsmittel wie nahezu unsichtbare Ohrhörer oder Minikameras zum Einsatz, über die Helfer aus der Ferne Lösungen mitteilten. In weiteren 17 Prozent versuchten Stellvertreter, die Prüfung anstelle der eigentlichen Fahrschüler abzulegen. Die übrigen 44 Prozent griffen auf klassische Spickzettel zurück.

„Organisierter Prüfungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt“, sagte Zaneta. Wer sich die Fahrerlaubnis erschleiche, gefährde die Verkehrssicherheit. Der TÜV-Verband fordert, dass Sperrfristen und medizinisch-psychologische Untersuchungen (MPU) bei organisierten Täuschungsversuchen bundesweit einheitlich angeordnet werden. Zudem sollten organisierte Betrugsversuche künftig als Straftatbestand gewertet werden – auch für beteiligte Dritte.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema