Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin schlittert durch Pleite gegen Hoffenheim in eine Krise

Das 0:2 gegen die TSG ist für die Eisernen die vierte Niederlage in Serie. Immerhin zeigt die Elf von Urs Fischer in der zweiten Hälfte eine Reaktion.

5 Min
Und kann es nicht fassen: Unions Robin Gosens erlebt mit Union die vierte Niederlage in Serie.

Und kann es nicht fassen: Unions Robin Gosens erlebt mit Union die vierte Niederlage in Serie.

© Contrast/Imago

Wie steckt die Mannschaft des 1. FC Union Berlin drei Niederlagen in Serie, im Besonderen auch die Last-Minute-Enttäuschung beim Champions-League-Debüt gegen Real Madrid weg? Nicht so, wie sich das die Verantwortlichen und die Anhänger der Eisernen erhofft hatten. Das ist jedenfalls die Antwort, die man am späten Sonnabendnachmittag auf die eingangs gestellte Frage geben kann.

Die Elf von Urs Fischer erwischte im Stadion An der Alten Försterei im Duell mit der TSG Hoffenheim jedenfalls einen rabenschwarzen Tag, unterlag mit 0:2 (0:2) und wird sich nach der vierten Niederlage in Serie mit der unliebsamen Frage nach einer etwaigen Krise auseinandersetzen müssen. Vor allem die Art und Weise, wie sich die Eisernen im Besonderen im ersten Spielabschnitt präsentierten, gibt nämlich allemal zu denken. Allein mit den Personalproblemen, die fraglos gegeben sind, lassen sich diese schrecklichen 45 Minuten nicht erklären.

Drei Tage nach dem durchaus lobenswerten Auftritt im Estadio Santiago Bernabéu nahm  der Schweizer Fußballlehrer hinsichtlich seiner Startformation zwei Wechsel vor. Den einen - Janik Haberer für Aïssa Bilal Laïdouni - aus freien Stücken, den anderen - Brenden Aaronson für Alex Kral - zwangsweise. Denn Kral sollte an sich von Beginn an ran, sah sich dann aber zum Abbruch seines Warmlaufprogramms gezwungen, zog eine halbe Stunde vor Spielbeginn seine Fußballschuhe wieder aus und verschwand in der Kabine.

EISERN Magazin Nr. 8

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Für den Tschechen rückte der Franzose Lucas Tousart auf die Position des zentralen Mittelfeldspielers. Der US-Amerikaner Aaronson und der Allgäuer Haberer kamen auf den Halbpositionen zum Einsatz. Und einen dürfen wir an dieser Stelle natürlich nicht vergessen, klar: den Italiener Leonardo Bonucci, der gegen die Kraichgauer nun auch sein Debüt in der Bundesliga gab und von Beginn an in jedweder Hinsicht gefordert war. 

Beim Aufbauspiel, wobei er innerhalb von fünf Minuten dreimal mit langen Bällen vergeblich versuchte, die Angreifer Sheraldo Becker und Kevin Behrens ins Spiel zu bringen. Beim Verteidigen, wobei er mit einem geschickten Tackling erst mal einen Durchbruch von Maximilian Beier verhinderte. In der 22. Minute allerdings stand er bei einem langen Pass auf Andrej Kramaric zwei, drei Schritte zu weit vorne, eilte dem Kroaten dann flugs hinterher, packte den Stürmer kurz an der Schulter, sodass dieser zu Fall kam. Schiedsrichter Deniz Aytekin konnte nicht anders, als auf Elfmeter zu entscheiden, verschonte Bonucci mit einer weiteren Strafe. Kramaric wiederum nutzte vom Punkt die Chance zur Führung. 

Fischer wechselt nur einmal

Für gewöhnlich zeigen sich die Eisernen von so einem Rückschlag unbeeindruckt, sind zu einer Reaktion fähig. Doch dieses Spiel war irgendwie anders. Nicht einen gezielten Torschuss brachte die Offensive in der ersten Hälfte zustande, während der Abwehrverbund weiter von den Gästen drangsaliert wurde. In der 38. Minute aus Sicht der Eisernen über die linke Seite. Grischa Prömel, der ehemalige Unioner, tauchte da auf, passte ungehindert nach innen - und erneut war Bonucci nicht im rechten Moment am rechten Fleck, konnte Beier nicht mehr am letztlich erfolgreichen Torschuss hindern. Es hieß 0:2.  

Hat sich sein Bundesligadebüt bestimmt anders vorgestellt: Leonardo Bonucci.

Hat sich sein Bundesligadebüt bestimmt anders vorgestellt: Leonardo Bonucci.

© City-Press

Fischer konnte nicht glauben, was er da zu sehen bekam. Drei Minuten später foulte der ansonsten doch so zuverlässige Danilho Doekhi den herausragenden Beier. Aytekin entschied erneut auf Strafstoß, was seine Spieler fast ausnahmslos hinnahmen. Schließlich meldete sich der Videoassistent bei Aytekin, möglicherweise liege der Tatort doch vor und nicht im Strafraum. Aytekin revidierte schließlich seine Entscheidung. Der Freistoß blieb ohne Folgen.

Baumann lässt die Unioner verzweifeln

In der Halbzeit nahm Fischer nur einen Wechsel vor, brachte David Fofana für den enttäuschenden Aaronson. Und mit Fofana eine dritte Spitze, gemäß dem Motto: Fast alles oder nichts.

Nach einer Stunde Spielzeit und einem Geschenk von Robert Skov, dessen verunglückten Querpass Behrens allerdings nicht zum Anschlusstreffer nutzen konnte, kam dann tatsächlich so etwas wie „Wende-Stimmung“ auf. Ab diesem Zeitpunkt war es quasi ein Spiel auf ein Tor. Und das mit Chancen in ganz enger Taktung, bei denen Hoffenheims Keeper wiederholt Oliver Baumann seine Klasse unter Beweis stellte. 

Bei einem Flachschuss von Tousart kam er noch mit den Fingerspitzen an den Ball (62.). Bei einem Dribbling mit Abschluss von Fofana blieb er in aller Ruhe stehen (70.). Und womöglich hätte er 60 Sekunden später auch noch den Kopfball von Haberer pariert, musste er aber nicht, weil Kollege Kevin Vogt am zweiten Pfosten als „Ersatztorwart“ mit dem Kopf zur Stelle war. Auch in der 84. Minute war der 33-Jährige hellwach, als Fofana ihn mit einem Schuss auf die kurze Ecke zu überwinden versuchte. Der Rest der Unioner Bemühungen verlor sich irgendwo zwischen den Hoffenheimer Abwehrbeinen.

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