Am Dienstag wurde in Berlin-Köpenick öffentlich trainiert. Etwas mehr als 100 Zuschauer hatten sich auf den Weg an den Nebenplatz des Stadions An der Alten Försterei gemacht, um zu schauen, wie die Profis des 1. FC Union Berlin die jüngste Negativserie weggesteckt haben. Der Großteil war aber vor allem deshalb gekommen, um zu schauen, wer da überhaupt alles auf dem Rasen stand – und wer nicht.
Neben dem Langzeitverletzten András Schäfer fehlen in Rani Khedira und Robin Knoche auch weiterhin zwei absolute Stammspieler. Erstgenannter verletzte sich vor über sechs Wochen beim Pokalspiel in Walldorf, Knoche ist seit dem Tag vor der Partie bei Real Madrid am vergangenen Mittwoch nicht mehr einsatzfähig.
Während Vize-Kapitän Khedira schon allein deshalb so wichtig wäre, weil Spielführer Christopher Trimmel aktuell mit einem Platz auf der Bank Vorlieb nehmen muss und dessen Kommandos auf dem Platz fehlen, lässt sich die Abwesenheit Knoches auch in Zahlen messen. Im Sommer vor drei Jahren schloss er sich den Eisernen an, verpasste bis zur vergangenen Woche genau drei Spiele. Union verlor alle drei.
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Nach dem 0:1 in Madrid und dem 0:2 gegen Hoffenheim hat sich diese erschreckende Bilanz erweitert: Fünf Spiele ohne den Abwehr-Organisator, fünf Niederlagen. Der 31-Jährige ist im System von Trainer Urs Fischer einfach nicht zu ersetzen. Auch nicht von Leonardo Bonucci, der im Bernabéu zwar einen überragenden Tag erwischte, drei Tage später gegen Hoffenheim aber an beiden Gegentoren unmittelbar beteiligt war.
Bei Knoches Rückkehr dürfte sich trotzdem die Frage stellen, welche Rolle der italienische Europameister bekommt. „Mit dem Trainer haben wir darüber geredet. In meiner Karriere habe ich schon in der Vierer- und Dreierkette gespielt. Meistens habe ich in der Mitte gespielt, aber es ist kein Problem für mich nach rechts zu rücken. Ich hab das schon einige Male in der Nationalmannschaft und bei Juventus gemacht“, sagte Bonucci am Dienstag.
Urs Fischer ist nicht nur als Trainer, sondern auch als Moderator gefragt
Er will Knoche nicht um jeden Preis den Platz streitig machen. Allerdings ist Bonuccis Versetzung auf die rechte Seite auch alles andere als ein Selbstläufer. Dort hat sich Danilho Doekhi trotz mehrerer Patzer gegen Hoffenheim in den letzten Monaten kontinuierlich stabilisiert. Torgefährlich ist der Hüne auch noch, sodass Fischer ihn eigentlich nicht aus der Mannschaft nehmen kann.
Der Schweizer, das wird in diesen Tagen mehr und mehr deutlich, ist neben seinem Job als Trainer auch noch als Moderator gefragt. Der stärkste Kader, den der 1. FC Union Berlin jemals hatte, hat zur Folge, dass einige Egoismen und Alphatiere aufeinandertreffen, die nicht auf der Bank sitzen möchten. Die Frage, warum er denn nicht wie viele andere Top-Spieler Europas auch nach Saudi-Arabien gewechselt sei, wies Bonucci mit dem Verweis auf seine sportlichen Ambitionen zurück.
Gekommen, um seinen Mitspielern nur zuzuschauen, ist Bonucci nicht. Für den Moment nimmt er die Knoche-Rolle ein, führt seine jüngeren Nebenleute. Nur, was ist, wenn Unions „Mr. Unverzichtbar“ baldigst wieder voll belastbar ist? Die Personalie auf der Khedira-Position ist unterdessen nicht weniger spannend. Vor der Abwehr hat sich Alex Král in den ersten Wochen dieser noch jungen Saison als absolut zuverlässig erwiesen. Auch der Tscheche wird seinen Platz nicht freiwillig räumen und trotzdem, ohne Knoche und Khedira scheint es bei den Eisernen gerade einfach nicht zu funktionieren.
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