Fußball-Bundesliga

2:1 gegen Mönchengladbach: Union Berlin bleibt dank Last-second-Tor Spitzenreiter

Ekstase in der Alten Försterei: Danilho Doekhi köpft die Eisernen in der siebten Minute der Nachspielzeit zurück an die Tabellenspitze.

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Robin Knoche, Jamie Leweling und Sven Michel (v. l.) feiern den 2:1-Sieg des 1. FC Union Berlin gegen Borussia Mönchengladbach.

Robin Knoche, Jamie Leweling und Sven Michel (v. l.) feiern den 2:1-Sieg des 1. FC Union Berlin gegen Borussia Mönchengladbach.

© City-Press/Florian Pohl

Ein später Ausgleich und ein noch späterer Siegtreffer haben das verhindert, was lange nicht möglich schien: Der 1. FC Union Berlin hat gegen Borussia Mönchengladbach nicht nur die zweite Bundesliganiederlage am Stück verhindert, sondern durch einen Last-second-2:1-Sieg sogar die Tabellenführung verteidigt. Ein Kopfballtreffer von Danilho Doekhi nach einer Ecke von Jamie Leweling versetzte die Zuschauer in der siebten Minute der Nachspielzeit in Ekstase. 

Union ist seit 11. September Tabellenführer der Bundesliga

Genau sieben Wochen zuvor, am 11. September, hatte sich der 1. FC Union mit einem 1:0-Sieg beim rheinischen Rivalen der Borussia, dem 1. FC Köln, an die Tabellenspitze der Bundesliga geschossen und seither alle Angriffe abgewehrt. Hatte die Mannschaft von Urs Fischer die Poleposition an einem Spieltag mal vor dem Anpfiff der eigenen Partie kurzzeitig verloren, so wurde sie 90 Minuten später wieder zurückerobert. Natürlich wäre der Kaderplaner Oliver Ruhnert auch nach dem Spiel gegen Mönchengladbach wieder am FC Bayern München vorbeigezogen, „weil wir dann wieder drei Punkte mehr auf dem Konto hätten“, wie er vor der Partie am Mikrofon von DAZN erzählte.

Dafür hatte sein Trainer die Mannschaft gegenüber der vorherigen Partie auf zwei Positionen verändert. András Schäfer ersetzte Morten Thorsby im Mittelfeld der Eisernen und für Christopher Trimmel rückte Timoteusz Puchacz nicht nur in der Abwehr in die Startelf, sondern feierte damit sogar sein Bundesligadebüt. Im Sommer 2021 war der Pole nach Berlin gekommen, aber bislang lediglich auf internationaler Ebene in der Europa- und Conference League sowie in einem DFB-Pokalspiel für die Eisernen zum Einsatz gekommen. In der Rückrunde der vergangenen Spielzeit war er sogar an Trabzonspor in die Türkei verliehen worden und galt im Sommer als Kandidat für einen Vereinswechsel. Gegen Mönchengladbach also stand er erstmals in der Bundesliga für die Unioner auf dem Rasen. „Weil er es sich einfach verdient hat“, wie Urs Fischer vor dem Spiel erklärte, „er hat gegen Heidenheim ein gutes Spiel gemacht und unter der Woche gut trainiert. Diesen Einsatz hat er sich redlich verdient.“

Bevor er seine ersten Bundesligaminuten erhielt, wurden in Marvin Friedrich und Andreas Luthe kurz vor dem Anpfiff erst mal zwei Spieler offiziell verabschiedet, die in den vergangenen Jahren zahlreiche Spiele für die Eisernen absolviert haben. Während Luthe (58 Partien für die Unioner) am Tag zuvor mit dem 1. FC Kaiserslautern in der 2. Bundesliga im Einsatz war und sich bei milden Temperaturen die Partie von der Tribüne anschauen konnte, war Friedrich auf dem Platz gefordert. So sehr er sich bei seiner Rückkehr an die Alte Försterei über die Präsente freute, wollte der Verteidiger seinem Ex-Verein, für den er 124 Spiele bestritt, nun im Trikot der Borussia keine Geschenke machen.

In der Anfangsphase aber sah er den offensiven Druck seines ehemaligen Vereins aus nächster Nähe. Während der in den vergangenen Wochen überzeugende und treffsichere Janik Haberer mit zwei Torschüssen für erste Gefahrenmomente sorgte, fiel Puchacz als Flankengeber und Standardschütze auf. Anders als in so manch anderen Spielen dieser Saison standen die Unioner nicht nur dicht gestaffelt und waren um das Verdichten der Räume bemüht, sondern setzten die Gäste auch früh in deren Hälfte unter Druck. In der 29. Minute wurde diese mutige Ausrichtung vermeintlich belohnt. Da Rani Khediras Fernschuss allerdings von Sheraldo Beckers Ellenbogen abgefälscht den Weg ins Tor fand, wurde die 1:0-Führung nach einer Überprüfung des VAR zurückgenommen.

Die Mittel der Gäste gegen optisch überlegene Unioner: defensiv mit fünf, sechs Spielern rund um den eigenen Strafraum stehen, offensiv mit langen Bällen in die Spitze und Standardsituationen für Gefahr sorgen. Und das mit Erfolg. Einen Freistoß von Alassane Plea hatte Frederik Rönnow Mitte der ersten Hälfte noch gut pariert, nach einer Ecke von Lars Stindl aber war der Union-Torwart gegen den Kopfball vom völlig frei stehenden Nico Elvedi machtlos (33.). Um ein Haar hätte Marcus Thuram nur Momente nach Wiederanpfiff sogar auf 2:0 erhöht. Einen langen Ball hatte er per Hacke über Rönnow gelegt, ihn aber anschließend per Kopf auf und nicht in das Tor gelegt.

Trotz des Rückstandes verzichtete Urs Fischer in der Halbzeit auf personelle Veränderungen, dürfte seinen Spielern aber sicher in der Kabine ein paar taktische Dinge mit auf den Weg gegeben haben, um gegen die tief stehenden Gäste zum Erfolg zu kommen. Und weil die Wirkung der Worte nicht reichte, kamen nach einer knappen Viertelstunde der zweiten Hälfte doch drei frische Leute. Trimmel, Genki Haraguchi und Sven Michel sollten für neue Impulse sorgen. Weitere 15 Minuten später jedoch war weder auf der Anzeigetafel noch auf dem Spielfeld eine große Veränderung zu sehen. Das sah auch Fischer, brachte mit Kevin Behrens und Jamie Leweling noch zwei offensive Kräfte, um zumindest zum Ausgleich zu kommen.

Keine fünf Minuten später war der hergestellt. Eine Flanke aus dem Halbfeld von Diogo Leite nickte Behrens per Kopf ein und plötzlich war sogar noch genug Zeit für den Sieg. Eine Kopie dieses Angriffs hatte den fast wahr gemacht, aber Christopher Trimmels Treffer wurde wegen einer Abseitsstellung zu Recht aberkannt. In der Nachspielzeit aber köpfte Doekhi nach einer Ecke von Leweling die Alte Försterei in Ekstase.

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