Fußball-Bundesliga

Schwarzer September: Der 1. FC Union Berlin verliert auch in Heidenheim

Die Elf von Urs Fischer muss mit dem 0:1 beim Aufsteiger die fünfte Niederlage in Serie hinnehmen. Gegen Ende fehlt die Durchschlagskraft für ein Comeback.

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Union-Keeper Rönnow fliegt beim 0:1 durch Beste vergeglich.

Union-Keeper Rönnow fliegt beim 0:1 durch Beste vergeglich.

© Imago/Hofer

Urs Fischer weiß ja an sich was zu tun ist, damit die Mannschaft des 1. FC Union Berlin nach ein paar Rückschlägen wieder zu sich findet und wieder positive Ergebnisse erzielt. Das hat der Schweizer Fußballlehrer in den vergangenen fünf Jahren hinlänglich bewiesen. Nun ist es allerdings so, dass die Eisernen am Sonnabendnachmittag beim Gastspiel in Heidenheim mit einem 0:1 (0:0) ihre fünfte Niederlage in Serie hinnehmen mussten. Vier in der Liga, eine in der Champions League. Was in der höchsten deutschen Spielklasse erst mal den Sturz auf Platz elf zur Folge hat. Und am Sonntag könnten die Augsburger und die Bremer noch an Union vorbeiziehen. Von einem schwarzen September, weil ohne jeglichen Punktgewinn, darf nun die Rede sein. Und nun auch tatsächlich von einer Krise.

In Abwesenheit des aufgrund einer Muskelverletzung nicht einsatzfähigen Robin Knoche gab Leonardo Bonucci wieder den Abwehrchef, vor ihm agierten im zentralen Mittelfeld in Abwesenheit von Rani Khedira gleich zwei Spieler, nämlich Lucas Tousart und Alex Kral. Man könnte also auch von einer Doppelsechs sprechen, die in einer Viererkette durch die Außenspieler Robin Gosens (links) und Christopher Trimmel (rechts) ergänzt wurde. 

EISERN-Magazin Nr. 8
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So etwas hatte man bei Union von Beginn an schon lange nicht mehr gesehen, was auch für den Drei-Mann-Sturm gilt. Dabei sollte David Datro Fofana über den linken Flügel Rabatz machen, Sheraldo Becker dergleichen über den rechten Flügel, während Kevin Behrens in der Sturmmitte die Innenverteidiger der Gäste nerven sollte. Kurzum: Fischer hatte - wie schon zur zweiten Hälfte beim 0:2 gegen Hoffenheim - von einem 3-5-2 auf ein 3-4-3 bzw. auf ein 5-2-3 umgestellt, mit der Maßgabe, dass sein Team doch bitte wieder ein bisschen mehr von diesem „typisch Union“ auf den Platz bringe als zuletzt.

Beckers feiner Hackentrick

Und das war auch der Fall - mit den entsprechenden Folgen. Behrens hatte in der dritten Minute gleich mal eine ziemlich gute Chance, als er bei einer Hereingabe von Becker statt mit dem Innenrist anstatt mit dem Spann den Abschluss suchte. 60 Sekunden später jagte Fofana den Ball übers Tor hinweg Richtung Heidenheimer Fankurve. Schließlich schloss Becker nach einem tollen Sololauf in allzu großer Aufregung ab, traf deshalb nur das Außennetz (9.). Die beste Gelegenheit zur frühen Führung vergab allerdings Fofana, der in der 14. Minute nach einem Doppelpass inklusive Hackentrick mit Becker Heidenheims Keeper Kevin Müller die Möglichkeit zur Fußabwehr einräumte.

Sheraldo Becker ist nach einem Sololauf im Abschluss zu aufgeregt, um das 1:0 für Union zu erzielen.

Sheraldo Becker ist nach einem Sololauf im Abschluss zu aufgeregt, um das 1:0 für Union zu erzielen.

© Huebner/Imago

Die ersten Runden gingen in diesem Duell also an die Unioner, wenngleich sich auch den Gastgebern die Chance zu einem Lucky Punch bot. In der 16. Minute war das, als Tim Kleindienst nach einem Kuddelmuddel im Strafraum aus sieben Metern frei zum Schuss kam, das Tor allerdings um ein paar Zentimeter verfehlte. 

Ein munteres Spiel war das, mit viel Tempo und allerlei Strafraumszenen. Mit Unionern, die Müller wiederholt zur Parade zwangen, so wie Kral in der 38. Spielminute, Heidenheims Keeper aber letztlich nicht überwinden konnten. Mit Heidenheimern auf der anderen Seite, die mit Jan-Niklas Beste und Eren Denkci immer wieder Unions Abwehrspieler ins Laufen brachten. Denkci mit Tempo, Beste mit Finesse, doch mangelte es den beiden mitunter an Mitspielern, die auf diesem Niveau Fußball mitdenken und mitspielen können.

Rönnow macht einen Schritt in die falsche Richtung

Auch in der zweiten Hälfte bot sich zunächst ein ähnliches Bild. Union war weiterhin die Mannschaft mit mehr Ballbesitz, mit mehr Aktionen im gegnerischen Strafraum. So scheiterte Behrens wenige Minuten nach Wiederanpfiff mit einem Kopfball an Müller, der den Ball gegen den Pfosten bugsierte. Doch innerhalb von wenigen Minuten war bei den Eisernen das mühsam gewonnene Selbstverständnis im Handeln auch wieder dahin.

Zunächst hatte Bonucci Glück, dass sein klitzekleines Foul an Marvin Pieringer durch Schiedsrichter Sascha Stegemann nicht als elfmeterwürdig erachtet wurde (56.). Dann brachte Diogo Leite in Strafraumnähe Kleindienst zu Fall. Beste legte sich den Ball zurecht, nahm vier Schritte Anlauf und traf in der 59. Minute mit einem wunderbaren Schuss in den Winkel zum 1:0. Keeper Frederik Rönnow hatte einen Schuss über die Mauer erwartet und deshalb einen Schritt in die falsche Richtung gemacht, war deshalb nicht ganz schuldlos am zehnten Gegentreffer in dieser noch jungen Saison. Diogo wiederum musste fürchten, dass er mit Gelb-Rot vom Platz fliegt, weshalb ihn Fischer im Wechsel mit Paul Jaeckel sogleich aus dem Spiel nahm.

Weil sich sein Team in der Folge mit einer prompten Reaktion schwertat, brachte Unions Cheftrainer 20 Minuten vor Schluss drei frische Kräfte auf einen Schlag. Benedict Hollerbach kam für Fofana, Mikkel Kaufmann für den erneut nicht wirklich überzeugenden Bonucci und auch noch Jérôme Roussillon für den schwachen Gosens. Ein klein wenig mehr Druck konnte sein Team dank dieser Maßnahmen noch aufbauen, doch der Ausgleich wollte aufgrund der mangelnden Durchschlagskraft und der mangelhaften Präzision beim letzten Pass nicht mehr gelingen. 

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