Fußball in Neuseeland

Spanisch für Anfänger

Ein Stuttgarter als Hoffnungsträger: Angreifer Marco Rojas vom VfB soll Neuseeland zu einem Platz bei der WM verhelfen.Was ist schon die A-League? Und Fußball im Rugbyland Neuseeland? Die All Whites wollen sich trotzdem für die WM qualifizieren.

Sissi Stein-Abel
5 Min
Marco Rojas.

Marco Rojas.

© imago sportfotodienst Lizenz

Mit solchen Qualitäten steht man ganz schnell im Mittelpunkt des Interesses. Selbst nach Los Angeles, wo die Truppe aus dem Land der Kiwis vor dem Flug in die Höhenluft, den Smog und die Hitze der Hauptstadt der Azteken zwei Tage lang Zwischenstation machte, reisten wissbegierige Kamerateams und Reporter an. Vielleicht haben sie in der Zwischenzeit ja sogar herausgefunden, dass Rojas vor seinem Wechsel in die Bundesliga als bester Spieler der australischen A-League und Meister mit Melbourne Victory ausgezeichnet worden war.

Was bedeutet Fußball im Rugbyland?

Allein schon diese Randnotiz zeigt das ungleiche Kräfteverhältnis der Kontrahenten auf, die am 20. November zum Rückspiel in Wellington erneut aufeinandertreffen werden. Was ist schon die A-League? Und Fußball im Rugbyland Neuseeland? Nur zwei Mal durften die All Whites im Weltkonzert der Großen mitspielen, 1982 und 2010. Mexiko war allein zwei Mal WM-Gastgeber (1970 und 1986) und 14 Mal dabei. Und doch müssen sich die Mexikaner, die innerhalb von zweieinhalb Monaten bereits auf den vierten Trainer zu hören haben, als enttäuschender Vierter der Concacaf-Gruppe nun mit dem Sieger der Ozeanienausscheidung auseinandersetzen.

Die ist eigentlich kinderleicht, seit sich Australien aus sportlichen Gründen 2006 in die asiatische Föderation verabschiedet hat. Aber eine Einschränkung gibt es dann doch: Die Neuseeländer haben im Ozeanien-Cup bewiesen, dass man auch an niedrigen Hürden eine Crashlandung hinlegen kann. Nach einer Vorrundenniederlage gegen Papua-Neuguinea (1:2) schieden sie nach einem 0:2 gegen Neukaledonien aus und verpassten dadurch die Qualifikation für den Confederations Cup, der auch Geld und namhafte Gegner bedeutet hätte. Stattdessen reiste dann Tahiti im vergangenen Juni nach Brasilien. Football NZ suchte zur Vorbereitung auf den Showdown gegen Mexiko Gegner, fand aber nur Trinidad & Tobago (0:0).

Erst Rugby, dann Cricket und dann lange nichts

Seit dem, man kann es schon fast Höhenflug nennen, bei der Weltmeisterschaft in Südafrika, wo die All Whites ungeschlagen (darunter 1:1 gegen Italien) blieben, aber trotzdem die Hauptrunde verpassten, dümpelt der Spitzenfußball in Neuseeland aber vor sich hin. Das geht ganz schnell in einer Nation, in der erst Rugby, dann Cricket und dann ganz lange nichts kommt. Das Nationalteam tritt nur sporadisch und meistens irgendwo in weiter Ferne in Erscheinung, und dann blamiert es sich auch noch gegen noch kleinere Fußballzwerge.

Der Abwärtstrend hat auch vor der einzigen Profimannschaft nicht haltgemacht, aus der sich der Großteil des Nationalteams rekrutiert. Weil der zwielichtige Besitzer des Klubs, Tony Serepisos, pleiteging, wurde die A-League-Lizenz der Wellington Phoenix im September 2011 an ein siebenköpfiges Konsortium übertragen. Dessen Sprachrohr, der steinreiche Finanzexperte und Philanthrop Gareth Morgan, verlangte fortan attraktiveren Offensivfußball von Ricki Herbert, damals noch Trainer der Phoenix und der Nationalmannschaft in Personalunion. Doch dafür fehlten Herbert die passenden Spieler. Trotzdem reichte es zum vierten Platz. Als großer Titelaspirant ins Rennen gegangen, beendeten die Phoenix jedoch die zurückliegende Saison im Februar als Zehnter – und Letzter. Herbert nahm seinen Hut als Vereinstrainer. Aber auch mit Meistermacher Ernie Merrick von Melbourne Victory sind die Wellingtonians jetzt nur Vorletzter in der Ligatabelle.

Aufgrund der krassen Außenseiterrolle kann der 58-jährige Herbert, seit 2005 Chefcoach, jetzt mit den All Whites machen, was er am liebsten tut: Er mischt Abwehrbeton, an dem sich die Mexikaner die Köpfe einschlagen sollen, und hofft auf ein Auswärtstor aus einer Standardsituation. Das überträfe noch das Szenario von vor vier Jahren, als die Neuseeländer nach einem Hinspiel-0:0 zu Hause 1:0 gegen Bahrain gewannen und sich für die Weltmeisterschaft in Südafrika qualifizieren konnten.

Die Mexikaner stehen unter Druck

„Die Mexikaner haben den Druck, nicht wir“, sagt Herbert vor dem Duell der Nummer 79 gegen die Nummer 24 der Fifa-Weltrangliste – wohl wissend, dass im Fußball nicht immer die beste Mannschaft gewinnt. „Sie haben in der Qualifikation enttäuscht und mussten noch nie durch solche Entscheidungsspiele. Vielleicht wissen sie nicht einmal, wo Wellington liegt. Ich finde, wir befinden uns in einer guten Position.“ Trotz der ungewohnten dünnen Luft von Mexico City in 2 240 Metern Höhe. Trotz des Smogs. Trotz der fiesen Anstoßzeit um 14.30 Uhr Ortszeit, wenn die Hitze am größten ist. Trotz 105 000 fanatischen Fans im Aztekenstadion. Nur in sieben Städten in Neuseeland leben mehr Menschen.

Die chaotischen Zustände bei den Mittelamerikanern, deren neuer Trainer Miguel Herrera auf seine in Europa tätigen Stars verzichtet, sind sicherlich mit ein Grund für Herberts Optimismus.

Doch auch seine Probleme sind massiv. Zum einen hat sich seine Mannschaft gegenüber der WM-Kampagne 2009/2010 nur unwesentlich verändert, aber die Spieler sind vier Jahre älter geworden, und mit Kapitän Ryan Nelsen (Cheftrainer bei Toronto FC) hat sich die Leitfigur verabschiedet.

In dessen Rolle ist in der Zwischenzeit Winston Reid geschlüpft, doch der neue Spielführer verletzte sich im Training bei West Ham United am Knöchel und fällt aus. Reid ist mit seiner internationalen Erfahrung und seiner Präsenz im Abwehrzentrum der mit Abstand beste Akteur der All Whites und absolut unersetzlich. Auch ohne Spanischkenntnisse

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