Demonstration

Fußgänger werden in Weißensee selbst zu Verkehrslotsen

Am Mittwoch fand an der Kreuzung Lehderstraße eine einmalige Aktion statt.

Peter Neumann
2 Min
Fußgänger helfen Fußgängern: Matthias Dittmer stoppt den Verkehr.

Fußgänger helfen Fußgängern: Matthias Dittmer stoppt den Verkehr.

© Berliner Zeitung/ Markus Wächter

So wie an der Kreuzung im Nordosten der Stadt ist es an vielen anderen Knotenpunkten. „Für Fußgänger ist es hier ganz schön gefährlich, die Fahrbahn zu überqueren“, sagt Rolf Schröder, der in der Nachbarschaft wohnt. Auf der Roelckestraße ist Tempo 50 erlaubt, viele Autos fahren schneller. Der Verkehr ist meist ziemlich dicht, beide Straßen werden als Schleichwege genutzt.

Kaltfeuchte Hände

Geparkte Autos versperren den Blick, es gibt weder eine Ampel noch einen Zebrastreifen. „Kein Wunder, dass es immer wieder Unfälle gibt“, berichtet der 44-Jährige. Der jüngste liegt erst drei Wochen zurück. Ein von einem Auto erfasster Fahrradfahrer lag minutenlang bewusstlos auf der Fahrbahn.

„Diese Kreuzung ist in den Stoßzeiten ein Idealbeispiel für Orte, an dem man selbst als Erwachsener kaltfeuchte Hände bekommt“, heißt es auf dem Flugblatt, das ein weiterer Fußgängerlobbyist verteilt. Es ist Matthias Dittmer, Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Mobilität der Grünen. „Auch auf der Roelckestraße muss Tempo 30 gelten“, fordert er. Und damit die Fußgänger besser gesehen werden, müsse es an der Kreuzung Gehwegvorstreckungen geben – Ausbuchtungen der Gehwege in die Fahrbahn hinein.

„Schön, dass Ihr da seid“

„Berlin ist die erste Stadt mit einer Fußverkehrsstrategie“, sagt Dittmer. Doch das Programmpapier des Senats, das 2011 verabschiedet wurde, sei bis heute nur unvollständig umgesetzt worden: „Es fehlt der politische Wille.“ Dabei sei Gehen die wichtigste Fortbewegungsart in Berlin. Eine Haushaltsbefragung ergab 2013, dass rund 31 Prozent der Wege zu Fuß zurückgelegt werden.

Wieder hebt Karl-Heinz Ludewig seine Stoppkelle. Die Autos halten, eine Frau kann entspannt über die Roelckestraße gehen. „Schön, dass ihr da seid“, sagt sie. Kurz darauf ist die Stunde vorbei. Die Helfer in den grünen Westen packen ihre Sachen – und an der Kreuzung braust der Verkehr wieder wie zuvor.

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