Fußgängern bringt der Umbau am Alex nicht nur Vorteile

Im Slalom um Autos und Busse herum

Uwe Aulich
3 Min

MITTE. Langes Warten an Ampeln und Slalomlaufen zwischen Autos hindurch: Seitdem die Karl-Liebknecht-Straße umgebaut ist und dort die Straßenbahnlinie M 2 bis zum Alexanderplatz fährt, klagen vor allem Fußgänger darüber, dass das Überqueren der Straßen nervenaufreibender und gefährlicher geworden ist.Beispiel 1, Haltestelle Memhardstraße: Man hat am Alex eingekauft und will mit der Tram zurück nach Pankow oder einfach über die Straße. In Höhe der Galeria Kaufhof sind die Bordsteine abgesenkt - ein offizieller Übergang. Dort ist es aber ein Abenteuer, die Fahrbahn zu überqueren und zur Haltestelle zu gelangen. Meist stauen sich Autos von der Kreuzung Alexanderstraße zurück und stellen den Übergang zu. Nur wer Mut hat, wagt den Slalom an den Karossen vorbei. Hinderlich ist auch die neue Bushaltestelle am Kaufhof. Die Busse versperren Fußgängern die Sicht. "Hier heil über die Straße zu kommen, ist reines Glücksspiel", bestätigen Fußgänger. Probleme gibt es auch in entgegengesetzter Richtung.Beispiel 2, Kreuzung Karl-Liebknecht-/Memhardstraße: Wer vom Berliner Verlag kommend die Memhardstraße überqueren will, sollte die Augen ständig nach links gerichtet haben. Denn von dort kommen die Rechtsabbieger aus der Karl-Liebknecht-Straße meist mit hoher Geschwindigkeit angerast, weil der Kurvenradius der Straße sehr klein ist. Viele bremsen erst im letzten Moment und stehen dann schon halb auf dem Fußgängerweg. Einige Auffahrunfälle hat es an dieser Ecke schon gegeben, glücklicherweise blieb es bei Blechschäden. "Auffälligkeiten", also schwere Unfälle, gab es laut Polizei an der M 2-Neubaustrecke noch nicht.Beispiel 3, die neuen Ampeln an der Hirten- und an der Wadzeckstraße: Das Gute zuerst: Dank der Ampeln haben Fußgänger erstmals seit Jahrzehnten die Möglichkeit, die breite Karl-Liebknecht-Straße dort sicher zu überqueren. Per Tastendruck fordert man das Ampel-Grün an und stoppt damit die Autokarawane. Ergebnis mehrfacher Tests: Trotz freier Straße passiert erst mal gar nichts. Bis zu 90 Sekunden vergehen, ehe das erste Grün für Fußgänger leuchtet. In der Straßenmitte zwischen den Gleisen muss man dann noch mal eine Ampeltaste drücken, um den zweiten Straßenabschnitt zu überqueren. Bis zu drei Minuten benötigt ein Fußgänger so, um die etwa 30 Meter zurückzulegen. Vorausgesetzt, man hält sich an die Verkehrsregeln. Die meisten Passanten haben längst die Geduld verloren - und gehen bei "Rot".Ampel am Alex nutzenIn der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die die Karl-Liebknecht-Straße für rund 18 Millionen Euro umbauen ließ, sind die Probleme nicht bekannt. "Wichtig ist uns vor allem die Grüne Welle für die Straßenbahn", sagt Sprecherin Petra Rohland. Die beanstandeten Fußgängerampeln seien mit den Ampeln am Alex koordiniert. Und an den Straßenbahnhaltestellen sei die Fahrbahn "immer mal wieder von Fahrzeugen frei". Um wirklich sicher von einer Seite zur anderen oder zur Haltestelle zu kommen, sollten Fußgänger die Ampel an der Kreuzung Alexanderplatz nutzen. Das ist dann zwar ein Umweg, aber sicherer. Rohland: "Wir werden das Verkehrsgeschehen dort natürlich weiter beobachten."------------------------------Grafik: Die neue Straßenbahnstrecke der M 2 ist 1,2 Kilometer lang. Fünf neue Ampelanlagen wurden entlang der Trasse gebaut.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema