BERLIN. Das marode Atommülllager Asse wird den Steuerzahler viel Geld kosten. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte gestern bei einem Besuch der Schachtanlage, er rechne mit Sanierungskosten von mindestens zwei Milliarden Euro. In dem ehemaligen Salzbergwerk in Niedersachsen sind seit den Sechzigerjahren etwa 126 000 Fässer radioaktive Abfälle eingelagert worden. Seit Jahren fließt in das Bergwerk Salzlauge ein und gefährdet die Stabilität, einige der Abbaukammern sind bereits eingestürzt. Gabriel hatte Asse als eine der schlimmsten Umweltsünden Deutschlands bezeichnet.Auch gestern kritisierte Gabriel den bisherigen Betreiber. "Hier ist versucht worden, billige Entsorgung zu organisieren, und der Staat hat mitgemacht", kritisierte Gabriel. Die Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum hatten den Salzstock lange im Auftrag des Forschungsministeriums betrieben. Nach diversen Pannen hat das Gabriel unterstellte Bundesamt für Strahlenschutz die Aufsicht übernommen.Gabriel forderte die Energiekonzerne auf, sich an den Sanierungskosten zu beteiligen. "Bei einer Weigerung, sich an den Milliarden-Beträgen zu beteiligen, muss der Staat über eine Steuer auf Kernbrennstoffe für eine Mitfinanzierung sorgen", sagte der SPD-Politiker im Asse-Infozentrum im Remlingen. Die Koalition hatte allerdings erst vor wenigen Wochen im Rahmen einer Änderung des Atomgesetzes beschlossen, dass allein der Steuerzahler für die Sanierung aufkommen muss.Eine Entscheidung über die Sanierung soll der Regierung zufolge bis zum Jahresende fallen. Denkbar ist es, dass der Atommüll komplett zurückgeholt werden muss. Dies gilt allerdings als sehr schwierig, da die Fässer zum Teil wahllos in die Schächte gekippt wurden und Flüssigkeit in die Anlage strömt. Alternativ wird erwogen, das Lager nur teilweise zu räumen und den Müll innerhalb des Bergwerkes umzulagern. Denkbar ist auch, den Schacht mit Salzbeton oder Salzlauge zu füllen, um ihn so zu stabilisieren.Probleme gibt es offenbar auch mit der Gesundheit der Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts, dass drei Bergleute durch den Umgang mit radioaktivem Material unter Tage an Leukämie erkrankt sind. Gabriel sagte dazu, man werde alles tun, um dem nachzugehen.
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