Es sei ein wichtiges Spiel, sagte mein Freund. Eines für Feinschmecker, fügte er hinzu. Ob das auch auf das Restaurant um die Ecke vom Österreicher zutraf, in dem ein großer Flachbildschirm hing, bezweifelte ich allerdings. Es heißt Limayra, und bietet mediterrane Küche. An der Wand gegenüber vom Fernseher hatte es ein gut gefülltes Weinregal, das mich beim Reingehen ermutigte.
Außerdem will ich kein Snob werden. Seit ich beruflich Restaurants teste, mache ich mir darüber Sorgen. Noch immer bin ich der Meinung: Man muss einen Abend genießen können, auch wenn das Essen einmal mittelmäßig ist. Früher habe ich mitleidig zu den Tischnachbarn geblickt, die sich über nichts anderes als die perfekte Konsistenz des Erbsenschaumpürees unterhielten. Wenn ein Gast sich beim Service über die Garzeit seines Loup de Mer beschwerte, schaute ich stellvertretend beschämt zu Boden.
Das Rind war umsonst gestorben
Ich fürchte, inzwischen ticke ich ebenso. Und ich habe Vorurteile: Schon beim Betreten eines Lokals meine ich oft zu wissen, wie gut die Küche arbeitet. Woran ich das festmache? Schwer zu sagen. Manchmal genügt ein Blick auf die Teller der Gäste. Diesmal war mir der Kellner beim Erklären der Speisekarte einen Tick zu eifrig, wie wenn er die Mängel des Kochs wettmachen müsste.
Als das Schälchen mit Oliven kam, eine nett gemeinte Geste des Hauses, fühlte ich mich gleich bestätigt. Sie waren billige Konservenware, geschmacklos und fad. Am liebsten hätte ich sofort mein vom Kellner als „fantastisch“ angepriesenes argentinisches Steak mit Rosmarinkartoffeln abbestellt. Gerade war aber das 1:0 für Spanien gefallen und an Gehen war nicht zu denken.
Zudem habe ich mir vorgenommen, mich beim Essengehen wieder mehr zu entspannen.
Was soll ich darum herumreden? Es gelang mir nicht. Mein Steak machte mich regelrecht wütend, so umsonst war das Rind gestorben. Am liebsten wäre ich wie Christian Rach in die Küche gerannt und hätte geschrien: Habt ihr denn gar keinen Ehrgeiz? Was wollt ihr denn werden? Teller-Erwärmer im Bordrestaurant der Deutschen Bahn?
Trocken und mürbe
Das ganze Gericht war lieblos zusammengestellt, die Kartoffeln lagen gefühlt den ganzen Tag unter einer Wärmelampe im Ofen, so matschig waren sie innen, so angetrocknet ihre Oberfläche. Auch das Fleisch war trocken und mürbe. Ein Strauch Rosmarin war die einzig geschmackliche und optische Attraktion.
Völlig uninspiriert waren auch die Penne Siciliano mit Filetspitzen, die mein Freund versunken während des Spiels zu sich nahm. Die Tomaten kamen eins zu eins aus der Dose, die Küche hatte keine zusätzliche Idee, außer etwas Olivenöl zu erhitzen und darin eine Zwiebel und Filetstreifen von minderer Qualität anzubraten.
Wie ich es mir vorgenommen hatte, blieb ich während des Essens aber ganz ruhig. Nur mein Freund jubelte, die Spanier schossen insgesamt vier Tore.
Hier meine Theorie, ehrlich gesagt ist es mehr eine unbewiesene Vermutung: In Restaurants mit Fernseher haben Feinschmecker nichts verloren. Man kann entweder Fußball schauen oder gut essen. Beides geht nicht.
Meine Schlussfolgerung: Ich brauche für die nächste Woche dringend einen Spielplan.
Limayra
Maaßenstraße 11
täglich 11.30–24 Uhr
Telefon: 81 03 11 15
www.limayra.de
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de